Angesichts einer drohenden Rezession in den USA sowie einer deutlichen Konjunkturverlangsamung in Europa waren die Profis unisono von fallenden Energienotierungen ausgegangen. Noch vor zwei Wochen kostete das 159-Liter-Fass gerade einmal 86 Dollar.

Opec wird am Ölhahn drehen

«Im Gegensatz zum erstmaligen Touchieren der 100-Dollar-Marke, mit dem sich Anfang Januar ein einzelner Händler in die Geschichtsbücher bringen wollte, gibt es dieses Mal handfeste Gründe», sagt Hernán Ladieux vom Analysehaus CLSA. Neben politischen Spannungen im Ölförderland Nigeria, der Explosion einer Raffinerie in Texas und der fortgesetzten Dollar-Schwäche treibt die Marktteilnehmer vor allem die Sorge vor einer Kürzung der Fördermengen durch die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec).Unter Experten herrschte bislang Einigkeit, dass die Opec auf ihrem nächsten Treffen Anfang März den Ölhahn eher auf- denn zudrehen würde. «Je öfter die 100-Dollar-Marke geknackt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines verstetigten Anstiegs», warnt Eugen Weinberg von der Commerzbank.Damit könnte die für diesen Zeitraum des Jahres traditionell typische Entspannung am Ölmarkt nun ausbleiben. Normalerweise führt das Ende der Heizperiode auf der nördlichen Halbkugel und der damit verbundene Aufbau der Öllagerbestände zu fallenden Preisen an den Energiemärkten. Erst im Frühsommer ziehen im Vorfeld der mit einer hohen Nachfrage einhergehenden Urlaubssaison die Notierungen wieder an. Auch ein weiteres Muster aus der Historie dürfte sich dieses Mal nicht einstellen. Üblicherweise bewegt sich der Ölpreis im Gleichlauf mit der US-Konjunktur – dem energiehungrigsten Land der Erde. Das liegt daran, dass in schlechten Zeiten weniger Öl verbraucht wird. Der sich schon jetzt abzeichnende Abschwung der US-Wirtschaft hätte sich nach klassischer Lehrmeinung längst preisberuhigend an den Energiemärkten auswirken müssen. «Der erwartete Nachfragerückgang verfehlt seine Wirkung, weil ständig neue Probleme auf der Angebotsseite auftauchen», sagt Jeffrey Currie, Analyst bei Goldman Sachs. Er erwartet für 2008 Notierungen von über 105 Dollar. Die Palette der Störfaktoren reicht von politischen Unbilden in Förderländern wie Venezuela und Nigeria über mögliche technisch bedingte Produktionsrückgänge in Russland bis zu zunehmend schwieriger werdenden Erschliessungsbedingungen neuer Quellen. So schätzt die Deutsche Bank in einer Studie, dass die durchschnittlichen Kosten für die Förderung eines Barrel bei 30 Dollar in den kommenden Jahren einen Rekordstand erreichen könnten. Noch Anfang des Jahrtausends lag dieser Wert bei 7 Dollar.

Geht die Ölproduktion zurück?

Die UBS will sogar einen Rückgang der Ölproduktion nicht ausschliessen. Bereits 2007 habe die Förderung nach Jahren mit rückläufigen Zuwachsraten stagniert. Das könnte laut Experten auch einer der Gründe sein, warum der russische Konzern Lukoil seine Lieferung nach Deutschland gedrosselt hat. Den kräftigen Anstieg des Ölpreises bekommen Verbraucher bereits wieder zu spüren. Die Durchschnittspreise an Markentankstellen liegen höher als vor Monatsfrist. Immerhin gibt es aber auch Nutzniesser des Energiebooms. Die besten Branchenfonds haben seit 2005 Jahr für Jahr bis zu 20% erwirtschaftet.

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