Spekulationen auf ein Ende der monatelangen Talfahrt haben die Ölpreise in die Höhe schiessen enlassen. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in der Spitze um 5 Prozent auf 55,62 Dollar je Barrel (159 Liter) und notierte damit so hoch wie zuletzt Anfang Januar. Nach dem Mittag gibt der Preis leicht nach und pendelt zwischen 53,20 und 53,80. US-Leichtöl der Sorte WTI stieg ebenfalls um bis zu 4,8 Prozent auf 50,56 Dollar.

Schon vor dem Wochenende waren die Preise deutlich gestiegen. Auslöser des Höhenflugs waren Daten des Öldienstleisters Baker Hughes, wonach die Zahl der Ölbohrungen in den USA in der letzten Woche um 94 gefallen ist - so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1987.

Erfolgreiche Opec-Strategie

«Das Ausmass des Rückgangs kam für die meisten Marktbeobachter überraschend», erklärte Carsten Fritsch, Analyst bei der deutschen Commerzbank. Entsprechend dürften die Erwartungen für die US-Ölproduktion in diesem Jahr nach unten angepasst werden.

«Die Strategie der Opec, über niedrige Preise das Schieferölangebot aus dem Markt zu drücken, scheint aufzugehen», sagte Fritsch. Bis Mitte Januar war der Ölpreis auf 45,19 Dollar je Fass und damit auf das niedrigste Niveau seit März 2009 gefallen. Noch im Sommer hatte Brent zeitweise bei 115 Dollar je Barrel notiert.

Opec reagiert nicht auf Preiszerfall

Die Ölförderung in den USA mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren - dabei werden Öl und Gas mit Druck und Chemikalien aus dem Gestein gepresst - hatte zuletzt zu einem massiven Überangebot an Öl geführt.

Schätzungen zufolge werden derzeit täglich rund 1,5 Millionen Barrel Öl mehr gefördert als verbraucht. Doch anders als in der Vergangenheit war das Förderkartell Opec nicht bereit, den Preisverfall durch eine Begrenzung der Fördermenge zu stoppen.

Strategie auf Konkurrenzangebot

In Riad - Saudi-Arabien ist der weltgrösste Ölexporteur - setzte die Regierung stattdessen darauf, dass die Produktion für die amerikanischen Ölfirmen angesichts eines immer stärkeren Preisverfalls unrentabel wird.

Tatsächlich sind in den vergangenen acht Wochen Baker Hughes zufolge die Ölbohrungen auf den niedrigsten Stand seit 2012 gesunken. Verglichen mit dem Höhepunkt des amerikanischen Ölbooms im Oktober letzten Jahres sei das ein Minus von 24 Prozent.

Künftige Bohrungen betroffen

Von den Schliessungen betroffen waren vor allem Ölbohrungen, bei denen aus Schiefer Öl gewonnen wird. Sie gingen die zehnte Woche in Folge zurück - um 61 auf 1168 Bohrungen. Viele Analysten gehen davon aus, dass noch grössere Kürzungen bevorstehen. «Eine ganze Reihe von Unternehmen plant, die Zahl der Bohrungen zu verringern. Viele sind im Moment aber noch an Verträge gebunden», sagte Pavel Molchanov, Analyst beim Finanzberater Raymond James.

(reuters/awp/sda/tno/lur/ama)

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