Die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) haben am Freitag dafür gesorgt, dass der Ölpreis einbricht. Sie erhöhten die Obergrenze der Fördermenge auf 31,5 Millionen Barrel von bisher 30 Millionen.

Die Opec hält Insidern zufolge an ihrer Politik der Ölförderung um jeden Preis fest. Die Staaten des Kartells dürfen zukünftig täglich 31,5 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) Öl aus dem Boden pumpen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag. Bislang liegt die Obergrenze bei 30 Millionen Barrel. Unklar blieb allerdings, ob die Produktion des zurückgekehrten Opec-Mitglieds Indonesien in die neue Fördermenge eingerechnet ist.

Ölpreis mehr als halbiert

Als Reaktion darauf drehte der Ölpreis ins Minus. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu 2,7 Prozent auf 42,67 Dollar je Barrel. Zuvor hatte sie wegen der Hoffnung auf eine Drosselung zwei Prozent im Plus gelegen.

Wegen des weltweiten Überangebots hat sich der Ölpreis seit Mitte 2014 mehr als halbiert. Hintergrund ist ein Überangebot im Zug des Schiefergas-Booms in den USA durch die umstrittene Fracking-Technik. Zudem schwächelt die Nachfrage infolge der flauen Weltkonjunktur.

Viele Produzenten – wie Saudi-Arabien – lehnen es aber ab, die Preise durch eine Reduzierung der Fördermengen wieder nach oben zu treiben. Ihnen geht es vor allem darum, ihre Marktanteile zu verteidigen.

Gewinner sind die Industriestaaten

Gewinner sind die Industriestaaten. Sie gehören aus volkswirtschaftlicher Sicht zu den Profiteuren des Ölpreiseinbruchs. Sie können Öl so billig wie selten importieren. Das Überangebot des «schwarzen Goldes» kommt der Industrie zugute, sie kann wegen der geringeren Kosten für die wichtige Ressource günstiger produzieren – etwa in der Chemie, wo Öl ein zentraler Grundstoff ist. Gewinner sind aber auch die Konsumenten: Für Autofahrer oder Heizölkunden ist die Situation derzeit sehr angenehm.

Verlierer sind die Produzenten-Länder: Nach Einschätzung von Analysten ist der niedrige Preis derzeit für sämtliche Ölproduzenten und -exporteure schmerzhaft. Bei Preisen zwischen 40 und 45 US-Dollar ist die Förderung wenig profitabel. Jedoch gibt es deutliche Abstufungen. Einige Förderländer – etwa Saudi-Arabien und andere Golfstaaten – können das Preistief durch hohe Rücklagen besser und länger verkraften.

Verlierer gibt es viele

Staaten wie Venezuela, deren Haushalte stark von den Öleinnahmen abhängig sind, haben hingegen grosse Probleme. Auch für die US-Schieferölindustrie ist der Preisverfall eine Belastung, denn die Förderung eigenen Öls und Gases mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode wird hier zusehends unrentabel.

Auch den grossen Ölkonzernen macht diese Entwicklung entsprechend zu schaffen. Branchenriesen wie ExxonMobil, Chevron oder Shell verzeichneten jüngst deutliche Gewinneinbrüche. Weil sie auf dem Weltmarkt keine gewohnt hohen Preise für ihr Erdöl erzielen können, haben sie ihre Investitionen bereits drastisch gekappt.

Weiterer Verlierer ist auch das Klima. Die günstige Verfügbarkeit von Öl und anderen fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas kann die Entwicklung und den Einsatz alternativer Energien weltweit hemmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte deshalb jüngst vor mangelnden Innovationen und Investitionen bei erneuerbaren Energieträgern. Die Folge wäre unter anderem ein weiterhin erhöhter CO2-Ausstoss. Bei der UN-Klimakonferenz Paris ringen die Staaten aber gerade darum, die Emissionen des Treibhausgases endlich wirksam einzudämmen, damit die Erderwärmung innerhalb des Zwei-Grad-Zieles gehalten werden kann.

(sda/me)

 

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