1. Home
  2. Invest
  3. Opec will den Ölhahn aufdrehen

Ölförderung
Opec will den Ölhahn aufdrehen

Bahrain
Bohrturm in Bahrain: Anhebung der Förderung wird diskutiert.Quelle: Keystone

Das Öl-Kartell Opec erwägt eine Anhebung der Förderung. Damit soll die Preissteigerung des schwarzen Goldes gestoppt werden.

Veröffentlicht am 21.06.2018

Vor dem Treffen der Opec-Staaten und weiterer wichtiger Förderländer am Freitag und Samstag in Wien erwarten Experten, dass das Kartell den Öl-Hahn wieder etwas weiter aufdreht. Damit könnte der Ölpreis sinken - oder zumindest nicht noch weiter steigen.

Für Autofahrer gibt es also Hoffnung, dass der Sprit im Sommer nicht noch teurer wird. Unter den Opec-Staaten gibt es aber auch Gegner dieser Pläne.

300'000 bis 1,5 Millionen Barrel mehr

Derzeit werde eine Anhebung der Fördermenge von 300'000 bis 1,5 Millionen Barrel täglich diskutiert, erklärt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. «Ein Anstieg um mehr als eine Million wäre aber völlig unrealistisch.» Vor allem Saudi-Arabien und der Nicht-Opec-Staat Russland haben jüngst bekräftigt, dass sie die Ölförderung ausweiten wollen.

Russlands Energieminister Alexander Nowak brachte dabei die Grössenordnung von 1,5 Millionen Barrel täglich für das dritte Quartal 2018 ins Spiel. Saudi-Arabiens Energieminister Abdulaziz bin Salman al Saud erklärte am Mittwoch, ein zu hoher Ölpreis könne das Weltwirtschaftswachstum beeinträchtigen. Es sei wichtig, dass eine Balance hergestellt werde. Eine Erhöhung der Förderlimits dürfte für die Öl-Exporteure aber natürlich auch grössere Einnahmen bedeuten.

Kürzung im Januar 2017

Seit Januar 2017 haben die kooperierenden Staaten ihre Ölproduktion um 1,8 Millionen Barrel am Tag gekürzt, davon entfallen auf die Opec 1,2 Millionen Barrel. Dadurch produziert das Kartell seit Januar 2017 nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag.

Die derzeit geltende Drosselung ist auch ein Grund für den stark gestiegenen Ölpreis. «Die Opec-Staaten fördern derzeit sogar 700'000 Barrel am Tag weniger, als sie könnten», sagt Analyst Fritsch.

Krise in Venezuela und Ende des Iran-Deals

Ein Grund dafür sei unter anderem die schwere ökonomische Krise im Opec-Staat Venezuela. Trotz Ölreichtum habe die dramatische Situation vor Ort eine deutliche Unterproduktion verursacht. Im Iran wiegt derweil die Wiedereinführung von US-Sanktionen gegen das Land schwer, nachdem Präsident Donald Trump im Mai aus dem Atomdeal mit dem Iran ausgestiegen ist.

Der iranische Ölminister Bijan Zanganeh stellte mit Blick auf einen drohenden Konflikt über die Fördermengen sogar in Aussicht, dass er bereits am Freitag - also noch vor dem Treffen der so genannten Opec+ - aus Wien abreisen wolle.

Venezuela und Iran sind stark von den Einnahmen aus der Ölförderung abhängig - und profitieren daher von einem hohen Preis. Auch der zuständige Minister aus dem Oman, Mohammed bin Hamad Al-Rumhy, machte sich gegen ein vorschnelles Handeln der Opec stark: «Unsere Wirtschaft hängt vom Öl ab. Wir wollen keinen hohen Ölpreis - wir wollen aber auch keinen niedrigen Ölpreis

Andere Länder müssen einspringen

Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris geht auch für das kommende Jahr von hohen Angebotsrückgängen im Iran und in Venezuela aus. Die beiden Länder könnten fast 30 Prozent ihrer Produktion einbüssen, teilte die Agentur vergangene Woche mit. Die IEA schlussfolgert, dass andere Mitglieder der Opec für die beiden Länder in die Bresche springen und ihr Angebot ausweiten müssen.

(sda/gku/mbü)

Anzeige