Während der letzten zehn Jahre haben sich nicht weniger als 181 Unternehmen im Tessin neu angesiedelt und damit für 20000 neue Arbeitsplätze gesorgt. Dies nicht nur im Tourismussektor, sondern in den Bereichen Elektronik, Pharma, IT, Metallurgie und Feinmechanik. Viele Produktionsbetriebe aus dem benachbarten Norditalien haben das Mendrisiotto als sprichwörtlich günstigeren Standort entdeckt. Tiefere Unternehmenssteuern, niedrigere Lohnnebenkosten, politisch stabilere Verhältnisse, Rechtssicherheit und ein flexibler Arbeitsmarkt tragen weiter zur Tessiner Standortattraktivität bei.

Im Vergleich zur Gesamtschweiz überdurchschnittlich vertreten sind das Gastgewerbe, der Immobiliensektor und die Tourismusbranche - welche in ihrer Gesamtheit einen Drittel der Wertschöpfung in der Südschweiz ausmachen. Nach einem empfindlichen Einbruch im Tourismussektor Ende der 90er Jahre hat in den letzten vier Jahren die Zahl der Hotelübernachtungen jährlich wieder um rund 3 % zugenommen und auch die Investitionen in die Tourismuswirtschaft wurden markant erhöht.

Hoher Bevölkerungszuwachs

Viele Schweizer, aber auch Ausländer, lassen sich dauerhaft im Tessin nieder. Die Bevölkerungszahl ist in der Südschweiz zwischen 1990 und 2007 jährlich um durchschnittlich 0,9% und damit um 0,2 Prozentpunkte stärker angestiegen als in der Gesamtschweiz. Beide Faktoren zusammen sind natürlich Gold wert für den Immobiliensektor. Um dessen Entwicklung zu demonstrieren, können die von der Tessiner Kantonalbank lancierten hedonischen Immobilienbewertungs-Indizes, CAEX für Einfamilienhäuser und APEX für Eigentumswohnungen, hinzugezogen werden.

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Diese zeigen auf, dass die Entwicklungen im Tessiner Immobilienmarkt ziemlich genau dem Schweizer Durchschnitt entsprechen. Die Preise sind über zehn Jahre auch annähernd im gleichen Ausmass angestiegen. Sowohl bei den Einfamilienhäusern wie auch bei den Eigentumswohnungen bedeutet dies einen Anstieg um rund 35% (Schweiz 38% bei den Einfamilienhäusern bzw. 35% bei den Eigentumswohnungen). In dieser Zeit betrug die Inflation in der Schweiz rund 12%. Liegenschaften im Kanton Tessin haben sich in dieser Phase also als Inflationsschutz mehr als bewährt. Die Indizes zeigen aber auch, dass Ende der 90er Jahre der Tessiner Immobilienmarkt stärker als der Gesamtschweizer Markt unter den Anpassungen gelitten und länger gebraucht hatte, um sich zu erholen. Wohingegen sich die geplatzte Dotcom-Blase und die Nine-Eleven-Terroranschläge kaum mehr negativ auf die Schweizer Sonnenstube auswirkten.

In der Zeitspanne von 2003 bis 2007 sind die Preise im Tessin dann im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt überdurchschnittlich angestiegen, insbesondere bei den Eigentumswohnungen. In den letzten fünf Jahren liess sich eine deutliche Wertsteigerung feststellen. Auch Einfamilienhäuser konnten im Durchschnitt einen Preisanstieg von 3,4% jährlich verzeichnen. Mit zu den gesamtschweizerischen Aufsteigern gehört zudem Ascona, wo sich der Tessiner Trend am stärksten bemerkbar macht: Weg vom klassischen Feriendomizil hin zum Wochenendhaus ohne viel Umschwung. Erst im letzten Jahr verlief die Entwicklung im Vergleich zur Gesamtschweiz wieder etwas bedächtiger, wie beispielsweise bei den Eigentumswohnungen.

Keine Blase, keine Krise

Auf der Nachfrageseite ist hingegen Anfang 2009 keine Rückgangstendenz zu verzeichnen. Die international bekannten Destinationen Lugano und Ascona sind nicht nur als Ferien-, sondern auch als Wohnregionen für Wohlhabende aus der ganzen Welt beliebt. Sind es in Ascona eine noch grosse Zahl Interessierter aus Europa, Russland und den USA, welche vor allem Immobilien mit Blick auf See und Berge nachfragen, so sind in Lugano Villen im oberen und mittleren Preissegment und Luxusappartements in Castagnola und la Collina d’Oro gesuchte Objekte.

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