Dieser Tage hat der Ölpreis mit fast 87 Dollar pro Barrel (159 l) den höchsten Stand seit 18 Monaten erreicht. Grund für das hohe Preisniveau sind positive Konjunkturdaten aus den USA und Europa. Allerdings war der Sprung auf das 18-Monate-Hoch kein sehr grosser: Der Ölpreis hat sich in den letzten Monaten auf einem hohen Niveau gehalten. Innert Jahresfrist hat das schwarze Gold bereits rund ein Drittel an Wert gewonnen.

Bisher waren in erster Linie die Schwellenländer, vor allem Asien, verantwortlich für den grösseren Durst nach Öl. «Mit dem Anziehen der Ölnachfrage aus den USA und Europa sehen wir die Möglichkeit, dass sich die Gesamtnachfrage 2010 um mehr als 2% ausdehnen wird», erklärt Dominic Schnider, Rohstoffexperte bei der UBS. Damit sinkt die Überschusskapazität der Opec (Organisation der Erdöl exportierenden Länder), was die Rohölpreise ansteigen lässt. Allerdings muss sich für dieses Szenario die Erholung der Nachfrage in den USA und in Europa erst materialisieren.

Spekulanten erhöhen Volatilität

Mit dem kletternden Rohölpreis werden auch jene Stimmen laut, welche Spekulanten für die hohen Preise verantwortlich machen. Gemäss einer deutschen Studie könnte Öl ohne Finanzspekulation gar 35% günstiger sein. Norbert Rücker, Rohstoffanalyst bei der Bank Julius Bär, bestätigt zwar, dass sich in den letzten Monaten das Interesse von Finanzinvestoren in Öl verstärkt hat. Dass allerdings 35% des Preises auf das Treiben von Hedge-Fonds zurückzuführen wären, kann er sich nicht vorstellen. Für Privatanleger bedeutet die vermehrte Aktivität von Finanzspekulanten vor allem, dass mit erhöhter Volatilität gerechnet werden muss. «Diese Akteure sind sehr opportunistisch und verändern ihre Positionen in kurzer Zeit stark», so Rücker.

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Für den langfristigen Verlauf des Ölpreises sind allerdings Fundamentaldaten ausschlaggebend. Für die grossen Schwankungen bei Rohöl macht Schnider die hohen Fixkosten sowie die tiefe Angebots- und Nachfrageelastizität verantwortlich. Auf der Angebotsseite bildet die Opec ein starkes Oligopol, das die Preise auf hohem Niveau zu halten versucht.

Für die Experten ist Rohöl beim aktuellen Preis fair bewertet. «Ein Berühren der 100-Dollar-Marke bis Ende Jahr kann nicht ausgeschlossen werden», sagt jedoch Schnider. Und hier sei Vorsicht geboten: Er empfiehlt, Long-Positionen in der Nähe von 100 Dollar pro Barrel zu verkaufen. Seine Erklärung: Der Widerstand der Opec wäre zu gross. Würde so der globale Wirtschaftsabschwung abgewürgt, wäre diesen Ländern nämlich nicht geholfen. Per Ende 2010 rechnen sowohl die UBS wie auch Julius Bär mit einem Niveau von 90 Dollar pro Barrel.

Grössere Avancen könnten dem Ölpreis 2011 bevorstehen: «Dann kommen Infrastrukturengpässe zum Tragen», sagt Rücker von Julius Bär.

Ölpreis hilft Energiefirmen

Wer direkt in Öl investieren will, muss sich auf grössere Schwankungen gefasst machen. Ausserdem kommen bei Rohstoff-Investitionen auch sogenannte Rollkosten ins Spiel. Zwei an der SIX Swiss Exchange kotierte Exchange Traded Funds weisen ein Energieexposure von über 70% aus: Der Commerzbank-ETF (Valor: 10239604) und der Goldman Sachs-ETF (Valor: 1967784).

Eine interessante Alternative, auf Erdöl zu setzen, sind Energie- und Ölaktien. «Pendelt sich der Rohölpreis bei 90 Dollar pro Barrel ein, dürften die Gewinnerwartungen für den Sektor nach oben revidiert werden und die Aktienkurse solide unterstützen», erklärt Schnider. Stark vom Erdölpreis abhängig ist etwa der anglo-schweizerische Bergbaukonzern Xstrata. Seit Jahresbeginn haben dessen Valoren rund 15% an Wert gewonnen. Auch der britische Energiekoloss BP profitiert von einem steigenden Ölpreis.