Ein Grossteil des Neulizenz-Umsatzes wird im 4. Quartal gemacht, viele Verträge mit den Kunden werden erst in den letzten Tagen und Stunden unterzeichnet. Die Kunden von SAP und Oracle wissen ganz genau, wie wichtig solche Verträge sind – und pokern, weil sie auf weitere grössere Rabatte hoffen, gerne mit.

SAP schliesst sein Geschäftsjahr am 31. Dezember. In diesem Jahr sind die Augen ganz besonders stark auf das deutsche Softwarehaus gerichtet, weil andere Technologiefirmen wie IBM, Cisco oder Dell auf dem Hintergrund der Subprime-Krise in den letzten Wochen von Sparmassnahmen bei Finanzdienstleistern berichtet und zurückhaltende Prognosen für das aktuelle Quartal formuliert haben.

Seit Oktober hat der SAP-Aktienkurs ein Viertel eingebüsst, die Bewertung ist mit einen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 immer noch hoch. Ende November entkräftete Vorstandssprecher Henning Kagermann in Berlin Befürchtungen, wonach SAP unter der Suprime-Krise leiden könnte. Der Anteil des Geschäftes mit Finanzdienstleistern sei mit 5% zu gering, um das Gesamtergebnis zu beeinträchtigen. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Umsatz von 10,3 Mrd Euro und einem Betriebsgewinn von 2,7 Mrd Euro.

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Konkurrent Oracle hatte zuvor bereits Entwarnung gegeben. «Nein, wir spüren bis jetzt keine Abschwächung bei den Finanzdienstleistern», hatte Oracle-Emea-Chef Sergio Giacoletto Mitte November in San Francisco gesagt. Auch Finanzchefin Safra Katz sagte am Analystentag des Unternehmens, sie sehe keine unerwarteten Entwicklungen, Oracle halte an dem im September formulierten ambitiösen Quartalsziel von 5 Mrd Dollar Umsatz und einem Neulizenzumsatz zwischen 1,4 und 1,5 Mrd Dollar fest.

Subprime-Folgen kompensiert

Die Subprime-Problematik sei im September schon bekannt gewesen, aber die geografische Diversifizierung sowie die Branchenlösungen machten es laut Katz möglich, dass Oracle IT-Budgetkürzungen der Investmentbanken besser abfedern könne als andere IT-Konzerne. Oracle wird am 19. Dezember Zahlen vorlegen. Die Aktie ist etwas höher bewertet als die SAP-Papiere.