Die nun angekündigten Preiserhöhungen kom-men nicht überraschend. Die Begründung der Preisanhebung, vor allem Abgaben für die Förderung von erneuerbaren Energien, Kosten der nationale Netzgesellschaft Swissgrid, Investitionen in die Messtechnik und IT sowie internationalen Beschaffungskosten, ist nicht so überraschend, wie die letzten Artikel in den Medien vermuten lassen.

Marktkenner hatten Preiserhöhungen infolge unterschiedlicher Kostenstrukturen und nicht immer transparenter Rechnungserstellung der Netzkosten erwartet. Heute sind nun die Endverbraucher (Industrie und Haushalte) wie auch die Politik bestürzt und wollen diese Preiserhöhungen nicht akzeptieren.

Wie wird sich der Strommarkt und besonders die Strompreise in Zukunft entwickeln?

Um die zukünftige Nachfrage nach Elektrizität zu befriedigen, müssen in Europa die aktuellen Produktionsanlagen ausgebaut und teilweise ersetzt werden. Die für die Schweiz wichtige Stromproduktion aus Wasserkraft kann nur begrenzt erweitert werden. Damit steht die Schweiz vor der Wahl zwischen Kernkraft, Gas- und Kohlekraft sowie erneuerbaren Energien. Ein Neubau von Kernkraftwerken würde den durchschnittlichen Strompreis nach unten bewegen. Dagegen wird ein vermehrter Fokus a uf erneuerbare Energien, trotz der verstärkten technologischen Entwicklung, die Durchschnittspreise pro kWh nach oben treiben. Die Erzeugungskosten bei Gas- und Kohlekraftwerken sind vom Welt-energiemarkt abhängig und würden höchstwahrscheinlich den Strom verteuern. Dasselbe gilt beim direkten Stromimport aus den Nachbarländern.

Zunehmender Preisdruck

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Fragmentierung des Marktes. Der Schweizer Markt ist, bedingt durch Eigentümerstrukturen, zersplittert. Ein Energieversorgungsunternehmen betreut durchschnittlich 4000 Kunden. In Deutschland – dem in Europa am meisten fragmentierten Markt – sind es rund zehnmal mehr. In der Schweiz hat der prognostizierte Konsolidierungsprozess bis jetzt nicht wirklich eingesetzt.

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Im Spannungsfeld zwischen politischen Vorgaben und zunehmendem Preisdruck von Industrie und Gewerbe steht bei den Versorgungsunternehmen vorerst das Erreichen optimaler interner Kostenstrukturen im Vordergrund. Mit Inkrafttreten des StromVG haben allerdings die politisch und strategisch langfristig motivierten Überlegungen zugenommen. Ein intensivierter Konsolidierungsprozess wird zu tieferen Strompreisen führen.

Für die Versorgungsunternehmen stehen die Fragen der Versorgungssicherheit und der Trennung von Produktion und Netzen im Vordergrund. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission übernimmt die Regulierung. In Deutschland beispielsweise gibt der Regulator wegen der transparenten Kostenstruktur der Netze den Energieversorgungsunternehmen wenig Spielraum. Der Verkauf oder die Ausgliederung der Netze an spezialisierte Netzbetreiber könnte daher für viele Unternehmen die optimale Lösung sein. Entsprechend zeichnen sich Geschäftsmodelle ab, die sich dem Primat betriebswirtschaftlicher Ansprüche unterordnen. Dabei stellen sich insbesondere Fragen nach den Kernkompetenzen und möglichen Kooperationsformen. So könnten in der Folge der zunehmenden strategischen Ausrichtung und der vertikalen Spezialisierung die Kunden von tieferen Preisen profitieren.

Die Wahl der zukünftigen Erzeugungsquellen wird die Strompreise in der Schweiz stark beeinflussen. Eine erhöhte Abhängigkeit von Energie aus dem Ausland wird die Preise erhöhen. Ein verstärkter Wettbewerb durch Synergien, Spezialisierung, Skaleneffekte und neue Marktteilnehmer aus dem Ausland sowie aus anderen Branchen wird langfristig die Kosten senken. Die Politik und der Regulator werden durch Massnahmen wie die Wahl der optimalen Energiequellen oder die Einflussnahme auf die Entwicklung des Wettbewerbs einen wesentlichen, wenn auch langfristigen Schlüssel zur Entwicklung des Strompreises in der Hand haben.