Der Dollar ist auf ein neues Rekordtief gesunken. Technische Analysten, die zwar nach dem Ausbruch über einen wichtigen technischen Widerstand Dollar pro Euro Kurse bis 1.53 sehen, rechnen aber mittel-fristig mit einer Wiedererstarkung des Greenback. Denn einige Indikatoren weisen auf ein abschwächendes Momentum und damit tiefere Kurse des Euro gegenüber dem Dollar hin.

Zu einer gegenüber dem Dollar und dem Euro am stärksten werdenden Währung ist der Franken in den letzten Wochen aufgerückt. Dollarkurse zu pari sind zwar nicht ausgeschlossen, dürften aber eine temporäre Erscheinung bleiben. Ein höherer Franken bedeutet weniger Druck für die SNB hinsichtlich der importierten Inflation, aber auch höhere Hürden für die Exportwirtschaft.

Inflation ist wieder ein Thema

Doch vor allem die Inflation ist für die Zentralbanken wieder ein grosses Thema geworden. Nachdem die Notenbank von Neuseeland als erste 1990 und später auch das Fed, die US-Notenbank, Inflationsziele als Leitlinien ihres Handelns festgelegt hatten, setzte sich in den Köpfen vieler Experten die Auffassung fest, dass die Orientierung an Inflationszielen eigentlich eine erfolgreiche Sache gewesen war, zumal es gelang, über längere Zeit die Inflation niedrig zu halten, ohne das Wachstum zum Stillstand zu bringen.

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Wiedererstarkung des Dollar

Diese Konstellation könnte jetzt zu Ende sein. Denn die Inflationszielbekämpfung funktionierte nur so lange gut, wie asiatische Länder und insbesonders China Deflation über tiefere Produktepreise «exportierten». Jetzt steht Asien selber als Verbraucher von Gütern und Käufer von Rohstoffen im Zentrum der wieder aufflackernden Inflation. Damit stehen die Zentralbanken mit Inflationszielen vor dem ersten Test, externe Inflation bekämpfen zu müssen, ohne die inländische Wirtschaft abzuwürgen.

Auf handelsgewichteter Basis blieb der Dollarkurs gegenüber den wichtigsten Währungen auch während der letzten Monate mit fallenden Leitzinsen stabil. Damit bestätigt sich das alte Muster, wonach der Dollar von Zinsschnitten mittelfristig profitiert. Deshalb erwarten etliche Währungsanalysten im Laufe dieses Jahres vom Dollar speziell gegenüber den europäischen Währungen eine Wiedererstarkung.

 

 


Rohöl und Gold entwickeln sich spiegelbildlich zum Dollar

Zu Wochenbeginn erreichte das Gold mit 988 Dollar pro Unze ein neues Rekordhoch. Einen Tag zuvor war das Rohöl mit 104 Dollar wieder deutlich über die 100-Dollar-Marke geklettert, bevor eine Erholung einsetzte. Sowohl Gold als auch Rohöl stiegen in den letzten zwei Jahren um 50%. Beide Rohstoffe verhalten sich gegenwärtig spiegelbildlich zum Dollar, weil es etliche Anleger gibt, die Gold und Rohöl als «Hedge» für bzw. gegen einen schwachen Dollar einsetzen. Und sowohl beim Gold als auch beim Rohöl machen sich Engpässe bei der Produktion bemerkbar.

Gold: Zwei Drittel der Goldproduktion wird von der Schmuckindustrie absorbiert. Hinzu gekommen sind auf der Nachfrageseite die ETFs, die mit physischem Gold unterlegt werden. Laut Analysten von Merrill Lynch steht einer in diesem Jahr stabilen, aber bis 2010 um 5% auf 4000 t pro Jahr steigenden Nachfrage eine schrumpfende Minenproduktion gegenüber. Diese verringerte sich gemäss den Statistiken der Londoner Edelmetall-Researchboutique GFMS seit 2001 um 7%. Ursache der Produktionsschwierigkeiten sind neben langen Vorlaufzeiten für die Erschliessung neuer Vorkommen auch Engpässe bei Maschinen-Ersatzteilen und Experten. Fundamental ausgerichtete Analysten wie die von Merrill Lynch erwarten in diesem Jahr Preise in einer Spanne zwischen 850 und 1050 Dollar. Eine Abschwächung ist zu erwarten, wenn nach der Hochzeitssaison in Indien eine Nachfrageflaute im Sommer folgt.

Rohöl: Hier ist das Kapazitätssteigerungspotenzial der Produktion ausserhalb des OECD-Raumes für Finanzinvestoren massgeblich. Die Statistiken aus Mexiko und Norwegen weisen auf eine fallende Produktion hin, Grossbritannien ist bereits seit Jahren wieder Netto-Importeur. Das ist vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage aus China und Indien auch ohne latent drohende geopolitische Verwerfungen sehr wenig. Auch hier richten sich die Blicke auf das Sommerhalbjahr, wenn die Nachfrage ? unterbrochen durch den steigenden Benzinbedarf während der US-Sommerferien ? wieder leicht zurückgehen dürfte. Die Analysten der skandinavischen Rohöl-Researchfirma Pareto Sec. erwarten dann Preise um 80 Dollar, auch weil eine schwächere US-Konjunktur die Nachfrage dämpft.(mn)