Mehrere Jahre hatte der Financier Henri B. Meier den richtigen Augenblick abgewartet, um seine Biotech-Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures an die Börse zu bringen.

Als er dann Anfang 2008 zur Tat schritt, hatte sich das Börsenumfeld für risikoreiche Anlagen, wie es Biotechnologie-Titel nun einmal sind, aber bereits stark eingetrübt. Mit entsprechenden Folgen für die Kursentwicklung der HBM-Aktie: Der Wert stürzte seit seinem Initial Public Offering (IPO) an der SIX Swiss Exchange um über 70% ab.

Strahlende Edisun Power

Auch die übrigen sechs Debütanten des vergangenen Jahres machten beim ersten Tanz auf dem Börsenparkett alles andere als eine gute Figur (siehe Tabelle). Neben HBM Bioventures am schlimmsten erwischt hat es dabei Orascom, das Bauunternehmen des charismatischen Ägypters Samih Sawiris, der in Andermatt ein Ferienresort aus dem Boden stampfen will. Die Aktie ist seit dem IPO um ganze 83% gefallen.

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Nun warten seine erschrockenen Investoren auf Neuigkeiten: Orascom wird am 25. März ihr Ergebnis 2008 bekannt geben. Wenn auch diese Zahlen das Vertrauen nicht zurückbringen, muss Sawiris wohl erneut in die Tasche greifen. Bereits Anfang März hat er 5000 Orascom-Aktien zurückgekauft. Mit einem Minus beim Aktienkurs von «nur» 21% schneidet dagegen Edisun Power Europe ab. Die Betreiberin von Solaranlagen gibt sich mitten in der Krise dynamisch: So baut sie in Korsika eine neue Stromanlage, nachdem sie bereits im Januar in Spanien ihre Kapazitäten erweitert hatte. Geplant ist zudem die Expansion nach Italien und Tschechien. Das birgt auch Potenzial für den Kurs - erst recht, falls im Rahmen der Konjunkturpakete Solarstrom stärker gefördert werden sollte.

An der Börse «nur» 35% an Wert verloren hat die Norinvest Holding, die aus dem Zusammenschluss der Bank Cramer mit dem Schmuckhändler Golay hervorgegangen ist. Bei diesem Titel sind die Handelsvolumen allerdings sehr tief, was auch Risiken birgt.

Im Vergleich dazu ein Börsen-Schwergewicht ist Aryzta, entstanden - strenggenommen kein IPO - aus dem schon an der SIX gelisteten Fertigbackwarenhersteller Hiestand und der irischen IAWS. Mit -60% hat Aryzta in der Krise bisher kaum defensive Qualitäten gezeigt. Allerdings deutet der Geschäftsgang im 1. Halbjahr 2008/09 auf eine Erholung der Margen hin; aufgrund des tief gefallenen Kurses empfiehlt Sarasin den Wert per sofort als «Substanzperle».

Maximal vier neue IPO

Trotz den vereinzelten Lichtblicken: Die Anleger dürften nach den erlittenen Verlusten auf Börsengängen kaum noch bereit sein, Neukotierungen eine Chance zu geben. Deshalb gehen Marktkenner für dieses Jahr von einem sehr geringen bis gar keinem IPO-Volumen aus. Die Analysten der Bank Vontobel rechnen im allerbesten Fall mit vier Neukotierungen im 2. Semester 2009.

Bei der als federführende Bank bei IPO sehr aktiven Credit Suisse erwartet Analyst Reto Hess eine Veränderung beim Kandidatenprofil. «Eine Chance haben nicht zyklische Unternehmen mit einem stabilen Cashflow, die zudem schon in der Öffentlichkeit bekannt sind.» Beweggründe für solche Firmen könne etwa die Nachfolgeplanung an der Spitze liefern, so Hess.