Die Finanzkrise hat sich an den Aktienmärkten längst in Form von dünneren Volumen bemerkbar gemacht. Bei Fonds, Anleihen, Bonds und strukturierten Produkten fielen die Umsätze letzten Juli gegenüber dem Vorjahr zwischen 20 und 40% . Nur ein Segment sticht positiv heraus: Die Exchange Traded Funds (ETF) verzeichneten diesen Juli einen Umsatz, der um einen Drittel höher ausfiel als in der Vorjahresperiode. Auch der Blick auf die Entwicklung seit Jahresbeginn belegt die steigenden Wachstumsraten. Im 1. Halbjahr 2007 belief sich der Umsatz der börsengehandelten Index-Fonds an der SWX auf 11,8 Mrd Fr. In diesem Jahr wies die Statistik für die gleiche Periode bereits einen Wert von 14,6 Mrd Fr. auf.

Ein Plus in turbulenten Zeiten

Gabriela Utz Jakobsen, Business Development Officer iShares Schweiz, sieht den Grund für den ungebrochenen ETF-Boom in der verbesserten Transparenz, der hohen Liquidität und den günstigen Kosten von ETF. «Gemäss unseren Erfahrungen stechen diese Eigenschaften gerade in turbulenten Zeiten besonders hervor: In den volatilen Börsenphasen dieses Jahres sahen wir deutliche Neugeldzuströme.» Derzeit ein gewichtiger Vorteil sei auch, dass der Investor im Gegensatz zu strukturierten Produkten kein Kreditrisiko eingehe, da ETF ein Sondervermögen bilden. Die iShares, eine Tochter-Gesellschaft von Barclay Global Investors, ist sowohl in der Schweiz wie auch weltweit die grösste Anbieterin von ETF. Volumenmässig ist die aktuelle Nummer zwei in der Schweiz die Credit Suisse, gefolgt von der UBS, der ZKB, Lyxor Asset Management und der Deutschen Bank. Diese sechs grössten Emittenten nehmen rund 90% des Marktanteils in Anspruch (siehe Grafik).

Der Blick auf Europa weist eine weiter fortgeschrittene Konsolidierung auf. Aktuell sind zwar 34 Anbieter im ETF-Segment tätig. Die drei grössten Anbieter, iShares, die Société-Générale-Tochter Lyxor sowie die Deutsche Bank, machen jedoch, bezogen auf die verwalteten Vermögen, bereits rund 80% des Marktes aus. Der Grund für die Dominanz der grossen Emittenten ist laut Roger Bootz, Vizepräsident Exchange Traded Funds & Derivatives Switzerland bei der Société Générale, dass die Grösse eines Fonds und der Track-Record zumindest für institutionelle Anleger wichtige Auswahlkriterien seien. Kleine Anbieter könnten sich vor allem mit Nischenprodukten profilieren.

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Neue Produkte an der SWX

Aktuell können an der SWX 135 verschiedene ETF gehandelt werden. Jüngst haben Lyxor und die UBS neue Produkte kotieren lassen. Unter den zehn neuen Vehikeln von Lyxor finden sich zwei themenspezifische Produkte auf neue Energie und Wasser. Weiter emittierte Lyxor fünf ETF auf asiatische Indizes und je einen auf den MSCI Emerging Markets, einen auf Südafrika und einen auf Lateinamerika. Anfang Juli hat auch die UBS zwei neue ETF kotieren lassen, einen auf den MSCI World und einen auf MSCI EMU (European Monetary Union).

Zukünftige Trends zeichnen sich auf der Produkteseite im Bereich fallende Kurse (Short-Produkte) und Vehikel mit Hebel ab. «Im US-Markt können bereits Ultra-short-Produkte auf Financials gehandelt werden», berichtet Bootz. Ein weiterer Trend könnten laut Bootz auch alternative Gewichtungsverfahren von Seiten der Indexanbieter sein. Das grösste Wachstum sieht Utz Jakobsen in den kommenden Jahren bei den Obligationen-ETF.

Bei Privatanlegern im Kommen

Im Schweizer Markt werden 70–80% der Produkte von institutionellen Anlegern gehandelt. Aber: «Privatanleger nutzen die Produkte immer häufiger», so Bootz. Vor drei Jahren hätte sich der Anteil Institutioneller noch auf über 90% belaufen. Bei Privatanlegern besonders beliebt seinen themenspezifische Produkte.

Die Anzeichen deuten darauf hin, dass die Verbreitung von ETF sich weiter fortsetzen wird. «Generell glauben wir, dass der ETF-Markt in Europa dem Wachstumsmuster der USA folgen wird», so Utz Jakobsen. In den USA machen ETF bereits 7 bis 8% des Fondsmarktes aus. In Europa sind es erst 1 bis 2%. Morgan Stanley prognostiziert, dass bis 2011 2000 Mrd Dollar Vermögen in ETF investiert sind. Derzeit sind es rund 790 Mrd Dollar.