Mehr als 55 Mrd Fr. betrugen die Ausgaben für das Gesundheitswesen im letzten Jahr - das sind knapp 7000 Fr. pro Einwohner. Der Anteil am Bruttoinlandprodukt beträgt damit mehr als 10%. Tendenz steigend. Mit diesen Ausgaben werden die Kosten für Bedürfnisse in diesem Bereich gedeckt. Deshalb ist nicht die Höhe der Kosten das eigentliche Problem, sondern die Effizienz, mit der die beanspruchten Leistungen produziert werden. Genau dort könnte die Optimierung ansetzen: Aktuell gibt es zu wenig Anreize, sich ökonomisch zu verhalten - das gilt sowohl für Leistungserbringer als auch für Nachfrager.

Das Gesundheitswesen braucht einen Wettbewerb mit sozialen Rahmenbedingungen. Nur so lässt sich die Qualität der Dienstleistungen steigern. Eine Vielfalt an Leistungserbringern und Krankenversicherern ermöglicht, dass sich die Preisentwicklung am Markt messen und Angebot und Nachfrage entsprechend entwickeln können. Politik und Bundesämter müssen Rahmenbedingungen schaffen, die es den Krankenversicherern gestatten, die soziale Krankenversicherung effizient abzuwickeln und innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Wettbewerbsrelevante Massnahmen der Behörden dürfen jedoch nicht zusätzliche Administrationskosten und neue Wettbewerbsverzerrungen entstehen lassen.Klar ist: Die Kosten können nicht gesenkt werden. Auch nicht langfristig. Deshalb muss man gezielt investieren, um die Gesundheitsversorgung auf dem gleichen Level zu halten oder sinnvoll weiterzuentwickeln. Die Mechanismen im Gesundheitswesen sind komplex, viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen involviert. Das heisst, dass aktuelle Themen von Leistungserbringern, Krankenversicherern, Politik und Patientenvertretungen gemeinsam erläutert, diskutiert und gelöst werden müssen. Einzelne politische Vorstösse haben keine Chance. Sie bringen das Gesundheitswesen nicht weiter, da die jeweiligen Lobbying-Gruppen zu stark sind und mögliche Ansätze meistens bereits im Ansatz erstickt werden. Dadurch werden ganzheitliche Vorstösse verhindert und ein Vorwärtskommen verunmöglicht. Die verantwortlichen Akteure sollten nicht die eigenen Interessen in den Vordergrund stellen, sondern das Gesundheitswesen als Ganzes betrachten. Denn das schwächste Glied in der Kette ist immer der Patient.

Sinnvolle Rahmenbedingungen

Wenn es den Parteien nicht gelingt, ökonomische Anreize zu setzen und am runden Tisch gemeinsam langfristige Lösungen auszuarbeiten, werden die Ausgaben weiterhin markant ansteigen. Und wenn es der Politik nicht gelingt, sinnvolle Rahmenbedingungen zu definieren, dann wird das Haushaltsbudget von Herr und Frau Schweizer schon in naher Zukunft erheblich zusammenschrumpfen. Und das wiederum bekäme die ohnehin angeschlagene Wirtschaft zu spüren …

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