Der grosse amerikanische Wirtschaftswissenschafter und Investor Benjamin Graham (1894-1976) vertrat die Lehre, dass eine Aktie nur unter ihrem fundamentalen Wert gekauft werden sollte. Er wandte folglich das Konzept des inneren Wertes an. Um den Wert einer Aktie bestimmen zu können, setzte Graham als erster Ökonom auf die fundamentale Wertpapieranalyse. «Pay 50 Cents for 1 Dollar» formuliert etwas überspitzt die Tatsache, dass der Aktienmarkt ein Unternehmen oft nicht gleich bewertet, wie dies bei einer vertieften Analyse der Fall wäre. Die Gründe dafür sind einerseits mangelndes Wissen, beziehungsweise fehlende Kenntnisse zu den inneren Werten einer Unternehmung auf Seiten der Aktionäre und Investoren, andererseits stehen oft auch irrationale und psychologische Faktoren einer sachlichen Beurteilung im Weg.

Ein fundiertes Aktien-Research ist aufwändig. Fidelity International unterhält eines der grössten Research-Netzwerke mit mehr als 400 Anlageexperten weltweit. Sie nehmen jährlich an rund 17’000 Gesprächen mit Unternehmen teil, um sich ein umfassendes Bild über deren Situation und Aussichten machen zu können. Die Aktienanalyse ist heute natürlich weit ausgefeilter und detaillierter als zu Grahams Zeiten, aber seine Ideen hatten einschneidenden, ja fast revolutionären Charakter für die Finanzmärkte. Eine seiner «Zauberformeln» basierte auf dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das KBV ist eine Substanz-orientierte Kennzahl. Der Aktienkurs wird durch den Buchwert je Aktie geteilt. Der Buchwert (Eigenkapital) ist der Vermögensteil in der Bilanz, der nach Abzug sämtlicher Schulden übrigbleibt. Graham sagt nun «Kaufe nur Aktien mit eine KBV kleiner als 1», d.h. eine Aktie, deren Börsenwert tiefer ist als der Erlös, den man erzielen könnte, wenn man das Unternehmen schliessen und seine Vermögenswerte verkaufen würde. Ein recht abenteuerlicher Ansatz, aber im Kern noch immer Basis der heutigen fundamentalen Wertpapieranalyse. 

*Stefan Hirter, Head of Sales, Fidelity International