Wer am Schweizer Aktienmarkt zu Jahresanfang allein auf Kursgewinn gesetzt hat, dessen Bilanz fällt heute ernüchternd aus. Zwölf Monate später nämlich notiert der breite Swiss Performance Index (SPI) nur knapp über seinem Stand von vergangenem Januar. Rezessionsängste, insbesondere die Furcht vor einer ausufernden Inflation in den USA, haben die Börsenpreise in den letzten Tagen gar noch weiter fallen lassen.

Dividendenjäger sind zurück

Kein Wunder also, dass sich Investoren wieder vermehrt nach Sicherheiten umschauen. Nicht mehr die Taube auf dem Dach, sondern der Spatz in der Hand ist gefragt. Und damit jener Renditeteil einer Aktie, mit dem die Anleger am ehesten rechnen dürfen – die Dividende. «In den Renditeüberlegungen der Investoren sind die Ausschüttungen klar in den Vordergrund gerückt», bestätigt Patrick Laager, Aktienstratege bei der Privatbank Vontobel.

Bei einzelnen Titeln wird auch auf einen Blick klar, was den Stimmungsumschwung ausgelöst hat: Während die Valoren der Grossbank UBS dieses Jahr 27% an Wert eingebüsst haben, liegt deren von Vontobel für 2008 geschätzte Dividendenrendite bei 4,2% (siehe Tabelle). Das ist deutlich mehr als bei 10-jährigen Staatsanleihen – die «Eidgenossen» rentieren derzeit rund 3%.

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Rekordmarken testen

Die gute Nachricht für 2008 ist nun, dass die Dividenden trotz sinkendem Gewinnwachstum und volatilem Umfeld kaum zurückgehen dürften (ausser in besonderen Einzelfällen, wie dem der UBS). «Die Gesellschaften können kaum anders, als Geld auszuschütten», sagt Laager.

Denn die SPI-Firmen hätten in der Mehrzahl grosse Cash-Bestände äufnen können, diese aber wegen der hohen Preise im Akquisitionsmarkt kaum für Übernahmen nutzen können. Gleichzeitig seien sie in der Pflicht, den Investor trotz teils schwerer Kursverluste für das eingesetzte Kapital zu entschädigen. «Ich vermute deshalb, dass die Ausschüttungen an die Aktionäre 2008 eher noch steigen dürften.»

Das will einiges heissen, denn schon 2006 war in dieser Beziehung ein Rekordjahr. Damals flossen gemäss Berechnungen von Vontobel 23 Mrd Fr. als Dividenden an die Aktionäre zurück – so viel wie nie zuvor. Laager sieht nun die Bardividenden 2008 über die für 2007 geschätzten 27 Mrd Fr. steigen.

Gleich viel oder mehr als die 13 Mrd Fr. von 2006 erwartet er auch bei den Aktienrückkäufen. Gerade erst hat etwa Swiss Re angekündigt, ihre Bemühungen in diese Richtung zu verstärken, während selbst ein Nebenwert wie der Industriekonzern Bobst 10% seiner Aktien zurückkauft und somit 250 Mio Fr. an die Aktionäre ausschüttet. Vermutlich abnehmen dürften hingegen die für Anleger steuertechnisch günstigen Nennwertreduktionen. Denn dort sind die gesetzlichen Limiten vielerorts fast ausgeschöpft. Alles in allem bekommen Anleger aber mehr Bares aus den Firmentöpfen zu einem günstigeren Preis mit den Börsenturbulenzen 2007 ist die Bewertung von Schweizer Aktien stark zurückgekommen. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) am SPI derzeit bei 15.

Swiss Life gibt mit vollen Händen

Trotzdem gibt es Aktien, die mehr bieten als der Rest des Marktes: Sie sind die Schweizer Dividendenperlen 2008. Dazu gehören unter den Blue Chips vorab die Werte der Assekuranz, allen voran Swiss Life mit einer von der Zürcher Kantonalbank neu auf 5,6% geschätzten Dividendenrendite. Der grösste Lebensversicherer der Schweiz machte in den letzten Wochen mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 2,5 Mrd Fr. und einer in Aussicht gestellten Sonderdividende Schlagzeilen. Ebenfalls sehen lassen können sich die Dividendenrenditen für Zurich Financial Services ZFS (5,2%) und Helvetia (4,2%). Als zusätzlicher Pluspunkt kommt bei den Versicherern das tiefe KGV hinzu. Belastend wirkt sich hingegen das durch die Kreditkrise schwierige Umfeld für Finanzwerte aus – das gilt auch für die SPI-Banktitel Vontobel (4,3%) und LLB (3,9%). Ebenfalls nicht leicht haben es Swisscom und Ciba SC: Gerade der Spezialitätenchemie-Konzern Ciba ist trotz einer erwarteten Dividendenrendite von 5,9% für konservative Anleger kein Kauf.

Büezer und Königinnen

Umso interessanter ist dagegen die Dividendenentwicklung bei Firmen des Industriesektors. Die Zykliker dürften einen allfälligen Abschwung zuerst spüren und daher versucht sein, die Investoren mit Ausschüttungen bei der Stange zu halten. Zusätzliche Ausschüttungen bereits angekündigt haben Rieter und Geberit, hohe Dividendenrenditen werden bei Tornos und Huber + Suhner erwartet.

Ihre Stellung als Dividendenköniginnen schlechthin behaupten dürften schliesslich die Immobiliengesellschaften: Die hohen Ausschüttungen sind dort Teil des Geschäftsmodells. Besonders attraktiv sind die Dividendenrenditen bei den Gesellschaften Swiss Prime Site (SPS), Mobimo, Züblin sowie der Börsennovizin BFW Liegenschaften.

 

Ex Dividende ? bis dahin müssen Perlentaucher fündig werden

Das kommende Jahr dürfte in Sachen Dividenden neue Rekordmarken setzen. Anleger, die davon profitieren wollen, müssen aber genau auf ihr Timing achten. Berechtigte Empfänger der Ausschüttungen sind nämlich nur Aktionäre, die den entsprechenden Titel einen Tag vor dem sogenannten Ex-Dividenden-Termin im Depot halten. Dieser Termin, der mit der tatsächlichen Ausschüttung der Dividende zusammenfällt, folgt in der Regel mit einem Abstand von drei Arbeitstagen auf die Generalversammlung, wo die beantragte Dividende genehmigt wird. Darum lohnt es sich, vorab die Generalsversammlungstermine im Auge zu behalten. Wer zu spät kommt, hat das Nachsehen: Wenn Aktien ex Dividende gekauft werden, hat nur der Verkäufer Anspruch auf die nächste Dividendenzahlung.