Über die letzten sechs Monate hinweg zeigen die Aktien der Schweizer Stromversorger ein ähnliches Bild: Fast durchwegs sind sie um rund 25% gesunken und blieben damit unter dem Gesamtmarkt.

Die Titel von Atel zum Beispiel, die sich am 28. Januar mit der Energie Ouest Suisse (EOS) zu Alpiq zusammenschliesst, standen zuletzt bei 505 Fr. Die CKW-Aktie liegt bei 405 Fr., diejenige der EG Laufenburg bei 1050 Fr. und jene von Energiedienst bei 48 Fr.

Zwischen Preisen und Ängsten

Die Kursverluste haben verschiedene Gründe: Einerseits sorgen tiefere Strompreise für tiefere Margen. Kommt hinzu, dass das Umfeld und somit die Kurse von politischen Unsicherheiten und Marktpessimismus geprägt sind. Schliesslich ist da die Tatsache, dass aufgrund der Rezession weniger Strom verbraucht wird.

Hier allerdings wirken die gesunkenen Strompreise wieder positiv auf die Umsätze, vor allem im internationalen Handel. Schweizer Strom ist im Vergleich zu Europa billig, und Unternehmen mit hohem internationalem Exposure sehen ihre Chancen aufgrund der Strommarktliberalisierung bei den schon vorhandenen Kapazitäten. 2009 erwartet Andreas Escher, Analyst der Bank Vontobel, jedoch, dass der Strompreis wieder steigen wird «nicht wegen mittelfristig steigender Preise für Öl und Gas, sondern vielmehr wegen deren Verknappung.» Aus Anlegerperspektive sind gemäss Escher Elektrizitätsunternehmen mit einem hohen Anteil an freier Energie und kaum Endkunden zu bevorzugen. Letzteres aufgrund des regulatorisch gebundenen Preises.

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Der Favorit der Bank Vontobel ist Alpiq. Dies dank der Stellung der ehemaligen Atel und EOS bezüglich internationaler Handelsaktivitäten mit Strom, wo Atel von den hohen Preisunterschieden profitiert. Alpiq ist aber nicht nur regional diversifiziert. Neben dem physischen Handel und dem Trading mit energiebasierten Finanzprodukten (Stromderivaten), bietet die neue Gruppe auch Dienstleistungen im Bereich Anlagebau, Energie-, Kommunikations-, Verkehrs- und Gebäudetechnik an.

Ein zweiter Favorit ist die Energiedienst Holding. Deren Akquisition der EnAlpin führt zu einer Bruttomargensteigerung, zwischen 2010 und 2014 werden zudem Lieferverträge zur Veräusserung am Markt frei. Dazu kommt ein neues Laufkraftwerk in Rheinfelden ab 2010, das die bereits starke Position von Energiedienst im Bereich Wasserkraft noch festigt. Im Geschäftsbereich gewinnt die «saubere» Wasserkraft für imagebewusste Unternehmen an Bedeutung.

Als Geheimtipp gehandelt wird Rätia Energie. Diese hat im 1. Halbjahr 2008 eine Verkaufsposition auf Energiederivaten bekannt gegeben, während der Terminpreis dann im 2. Halbjahr stetig fiel. «Ich rechne mit einer sehr positiven Überraschung im April. Der Markt hat dies noch nicht gesehen.»

Kreditflaute hemmt Projekte

Zu den Fragezeichen der Branche gehört die Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg (EGL). Ideen für Projekte sind da, die Finanzierungsmöglichkeiten sind wegen der Finanzkrise allerdings bis Mitte 2009 eingeschränkt. Bis dahin können sich Zinsniveau und Kapitalstruktur aber noch ändern. Auf der Liste stehen ein Bauentscheid für ein Gaskombikraftwerk in Italien und der Anschluss an die Trans-Adria-Pipeline (TAP), was zwar die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren würde, jedoch in einer neuen Abhängigkeit zum Lieferanten Iran resultieren könnte. Offiziell bestehen noch keine Sorgen bezüglich der Sicherheit des russischen Gases. Solche Massnahmen würden also höchstens auf lange Frist Wirkung zeigen.

Die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) ihrerseits rechnen mit leicht besserem Abschneiden im Segment Energie. 2009 könnte der Aktienkurs allerdings zum Spielball der Energiebeschaffung werden, da im Sommer zu viel Strom produziert wird und im Winter zugekauft werden muss.