Die Aktien von Pharmaunternehmen wurden auch im abgelaufenen 1. Halbjahr 2009 ihrem Ruf als stabile Werte gerecht: Der Stoxx-Branchenindex hielt sich gut 12% besser als der europäische Gesamtmarkt. In der Schweiz ist der Vorsprung noch etwas grösser. Damit verlängert sich der Trend seit Ausbruch der Finanzkrise. Pharmawerte haben sich global und in Europa deutlich besser entwickelt als die Benchmarks.

Allerdings zeichneten die Pharmaaktien auch in diesem Halbjahr die Bewegungen des Gesamtmarktes - abgeschwächt - nach. Was Analysten als «gestiegene Korrelation» bezeichnen, hat für Anleger eine unvorteilhafte Folge: Pharmawerte koppeln sich nicht ganz vom Markt ab und bilden deshalb keinen «Hedge» gegenüber den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Das liegt laut den Analysten der Research-Boutique Evolution an den negativen Schlagzeilen um ablaufende Patente, Fehlschläge bei der Produkteentwicklung und der von der US-Politik ausgehenden Unsicherheit um die Regulierung des lukrativsten Pharmamarktes weltweit. Jetzt könnte sich indes die Stimmung ändern, wenn sich die Hoffnungen der Anleger auf eine rasche Konjunkturerholung verflüchtigen sollten. Dann können Investoren den Sektor und seine Vorzüge - ziemlich stabile Umsätze, relativ berechenbarer Geschäftsgang - wieder entdecken.

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Pharmasparte im Fokus

Novartis liefert dazu die ersten Anhaltspunkte am 16. Juli, Roche folgt eine Woche später. Insbesondere bei Novartis erwarten die Analysten einiges von der Pharmasparte, obwohl ein Konkurrenzprodukt von Amgen für die Behandlung von Brustkrebs in einer Phase-III-Studie besser als ein Novartis-Präparat abgeschnitten hat. Bei Exane rechnet man für das 2. Quartal mit einem Umsatzwachstum von 7% (ohne Währungseffekte) auf 10,04 Mrd Dollar, getragen von guten Verkäufen von Onkologie-Produkten. Daraus errechnet sich ein Gewinn pro Aktie von 0.83 Dollar.

Das Consumergeschäft und die Sandoz-Generika-Sparte hingegen dürften die Schwäche der Weltwirtschaft spüren. Um 0,4% auf 25,2% verbessern sollte sich die Marge. Im Gegensatz zum Vorjahr fallen jetzt die positiven Effekte aus dem Verkauf von Impfstoffen weg.

Novartis ist auf der Basis des für das nächste Jahr zu erwartenden Gewinns mit einem Kurs-GewinnVerhältnis von 8,7 bewertet. Das ist 10% unter dem Branchendurchschnitt und für die Analysten von Exane ein klares Kaufargument. Auch Goldman Sachs hat auf der Basis ähnlicher Werte - hier rechnen die Analysten mit einem Umsatz von 10,07 Mrd Dollar und einem Gewinn von 88 Cent pro Aktie - die Kaufempfehlung gerade erst wieder bestätigt. Ein «weiteres schwieriges Quartal» erwarten dagegen die Analysten von Jeffries aufgrund der stagnierenden Verkäufe der Generika- und Consumersparte, sie senkten ihr Kursziel um 1 Dollar auf 43 Dollar. Sie erwarten eine bessere zweite Jahreshälfte mit etwas anziehenden Verkäufen in den stagnierenden Bereichen.

Tamiflu wirkt bei Roche weiter

Auch bei Roche gibt es Neuigkeiten zu einem eigenen Onkologie-Produkt. Dieses hat sich in einer kleinen Studie bei einem seltenen Nerventumor als wirksam erwiesen. Und laut einem Kurzbericht der WHO hat sich beim Antigrippemittel Tamiflu erst bei 0,3% der Virenstämme eine Resistenz herausgebildet, womit das Medikament gegen die Grippe seine Wirksamkeit keinesfalls verloren hat, wie teilweise befürchtet worden war. Beides sind laut den Analysten der Bank Vontobel gute Nachrichten für die Patienten und Anleger - sie empfehlen Roche GS, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,7 per 2010 bewertet ist, mit einem Kursziel von 176 Fr. zum Kauf.

Allerdings droht auch bei Roche Ungemach von einem Konkurrenzprodukt. Der US-Wettbewerber Eli Lilly bekam von der Medikamentenzulassungsbehörde FDA grünes Licht für den Einsatz des Medikaments Alimta. Dieses wird als erstes «Maintenance-Produkt» («Wartung») verwendet, wenn sich bei Patienten in einem Behandlungszyklus der Tumor nicht weiter vergrössert hat. Damit könnte es zu einer Reduktion der Behandlungszyklen beim Roche-Medikament kommen - mit negativen Folgen für den Umsatz des Basler Pharmakonzerns. Der könnte in den USA um 400 Mio Dollar schrumpfen, was den Gewinn pro Aktie 2010 um 2% reduzieren würde. Bereits für das laufende Jahr haben die Analysten von Nomura ihre Gewinnschätzung pro Roche-Bon um einige Rappen auf 11.45 Fr. und damit leicht unter die Konsensschätzung gesenkt. Sie sind der Aktie gegenüber «neutral» eingestellt.