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Aufwind
Plus 10 Prozent: Gurit-Aktien im Höhenflug

Feuerwerk: Die Anleger feiern den guten Jahresstart – und langen kräftig zu. Keystone

Der Schweizer Aktienindex SPI dümpelt vor sich hin. Anders die Gurit-Aktien: Nach positiven Gewinnschätzungen und starken Umsatzzahlen explodiert der Kurs.

Veröffentlicht am 16.06.2015

Die Aktien von Gurit fallen am Dienstag in einem schwachen Gesamtmarkt mit markanten Aufschlägen auf. Der Spezialkunststoff-Hersteller hatte am Morgen erste Indikationen für das erste Halbjahr 2015 abgegeben und dabei vor allem margenseitig die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die Hoffnung wächst, dass die Ostschweizer eine lange Durststrecke nun endlich hinter sich lassen werden.

Die Gurit-Papiere ziehen gegen 10.10 Uhr bei hohen Volumen um 8,4 Prozent auf 434 Franken an, das Tageshoch wurde gar bei 440 Franken notiert. Der am SPI gemessene Gesamtmarkt büsst derweil 0,1 Prozent ein.

Umsatz überrascht nicht

Der Spezialkunststoff-Hersteller ist gut unterwegs. Vor allem dank einer guten Nachfrage aus dem Segment Windenergie dürfte der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2015 über den 167 Millionen Franken aus dem Vorjahr zu liegen kommen, so Gurit am Morgen.

Helvea-Analyst Reto Amstalden hatte mit einem Umsatz von rund 170 Millionen Franken im ersten Semester gerechnet und zeigt sich daher wenig überrascht von dieser Information. Ähnlich tönt es bei Martin Schreiber von der ZKB, der einen Umsatz von 174 Millionen kalkuliert hatte. Amstalden streicht gleichwohl den Umstand heraus, dass Gurit damit trotz Frankenstärke gewachsen ist und rechnet mit einem organischen Wachstum im mittleren einstelligen Bereich.

Gewinnentwicklung begeistert

Als positive Überraschung werden hingegen die Angaben zur operativen Gewinnentwicklung bezeichnet. So wird Gurit gemäss eigenen Angaben für das erste Halbjahr eine operative Gewinnmarge von mehr als 8,0 Prozent ausweisen. Beim letzten Update hatte das Unternehmen für 2015 ein nicht quantifiziertes Umsatzwachstum in Lokalwährungen und eine operative Gewinnmarge über dem Vorjahreswert von 4,2 Prozent in Aussicht gestellt.

Nach Einschätzung des ZKB-Analysten Schreiber widerspiegelt die gute Marge vor allem den positiven Einfluss der laufenden Kostenspar- und Effizienzverbesserungsmassnahmen. Die Verbesserung der Profitabilität geht schneller voran als dies Helvea-Analyst Amstalden erwartet hatte, und auch Vontobel-Experte Patrick Rafaisz hatte erst im zweiten Semester mit einer deutlichen Ausweitung der Margen gerechnet.

Höhere Gewinnschätzungen

Die jüngsten Angaben öffnen den Raum für Rechenspiele: Unter Annahme einer unveränderten Rentabilität im zweiten Halbjahr etwa will Rafaisz seine EBIT-Schätzungen um mindestens 5 Millionen Franken oder um mehr als 20 Prozent erhöhen. Und Schreiber hat seine EPS-Schätzungen für dieses und das nächste Jahr um 30 Prozent bzw. 23 Prozent erhöht.

Damit hat Gurit die negative Wahrnehmung des Marktes überwunden, denkt Helvea-Analyst Amstalden. Denn zuletzt sei man davon ausgegangen, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, den anvisierten Zielkorridor von 8-10 Prozent für die EBIT-Marge zu erreichen. Auch Rafaisz spricht von einer mageren Erfolgsbilanz in den letzten Jahren, will nun aber seine Anlageempfehlung (Hold) «zu gegebener Zeit» überdenken.

Schreiber erhöht zwar den fairen Wert für die Gurit-Aktie um 40 auf 450 Franken, sieht aber nur ein limitiertes relatives Aufwärtspotenzial. Denn der Analyst rechnet nicht mit einer anhaltenden Wachstumsbeschleunigung bei Gurit in diesem Jahr. Gurit müsse einen per Ende 2014 ausgelaufenen Grossauftrag von GE Wind kompensieren, erinnert Schreiber. Zudem sei im letzten Quartal ein Kundenprojekt in der Division Automotive beendet worden.

(awp/ise/hon)

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