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Portugal: Anleger bewahren kühlen Kopf

Portugals Parlament: Die Volksvertreter haben der Regierung das Misstrauen ausgesprochen. Keystone

Portugal steckt nach der Entmachtung der Konservativen in einer politischen Krise, die Finanzmärkte bleiben dennoch gelassen: Der Anleihemarkt zeigt sich ruhig, die Risikoaufschläge steigen aber.

Veröffentlicht am 11.11.2015

Die Finanzmärkte haben am Mittwoch mit kühlem Kopf auf die Regierungskrise in Portugal reagiert. Trotz einer Entmachtung der konservativen Regierung durch die linksgerichtete Opposition am Dienstagabend hellte sich die Stimmung an der portugiesischen Börse auf. Der Aktienmarkt lag am Mittwochvormittag mit etwa einem Prozent im Plus.

Auch am Anleihemarkt, der als Fieberthermometer für politische Risiken gilt, waren die Kursbewegungen nicht auffällig. Die Kosten für eine Ausfallversicherung auf portugiesische Anleihen (Credit Default Swaps, CDS) gingen sogar zurück. Der Euro legte trotz der politischen Spannungen zu.

Höhere Risikoaufschläge

Allerdings haben sich die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen in den vergangenen Wochen deutlich erhöht, als die Regierungskrise bereits absehbar war. Zurzeit rentieren zehnjährige Staatstitel mit 2,7 Prozent. Zu deutschen Bundesanleihen ergibt sich ein Renditeaufschlag von 2,1 Prozentpunkten. Das ist der höchste Stand seit Anfang Juli.

Bankanalysten wiesen auf den ungewissen Fortgang der Krise hin. Die Nachrichtenlage bleibe unübersichtlich, heisst es in einem Kommentar der Commerzbank. Es gilt als fraglich, ob die Linksopposition mit der Regierungsbildung beauftragt wird oder ob die konservative Regierung zunächst geschäftsführend im Amt bleibt. Die Entscheidung darüber trifft Portugals Staatspräsident Anibal Cavaco Silva. Analysten der Grossbank Unicredit rechnen mit Kursdruck auf Anleihen südeuropäischer Länder.

(awp/ise/ama)

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