Nach langen Verhandlungen hat das US-Repräsentantenhaus die Gesundheitsreform gebilligt. Die Vorlage muss jetzt noch in den Senat, wo es zu Detailanpassungen kommen könnte, und dann zurück zu Präsident Obama, der sie endgültig verabschieden wird. Im Vorfeld gab es Befürchtungen, dass dieses zentrale Reformwerk des Präsidenten scheitern könnte.

Hohe Kosten stehen an

Durch die Vorlage werden 45 Mio bisher nicht versicherte Amerikaner von der Krankenversicherung erfasst. Für die nächsten zehn Jahre kostet die Reform 940 Mrd Dollar, die über höhere Steuern für Spitzenverdiener, Gebühren bei Healthcare-Firmen und Einsparungen im Medicare-Programm gedeckt werden sollen. Vor allem in der Pharmaindustrie gab es Befürchtungen, dass sie Preiszugeständnisse bei rezeptpflichtigen Medikamenten machen müsste. «Der Schaden in Bezug auf die Preismacht hält sich in engen Grenzen», kommentiert Vontobel-Analyst Andrew Weiss. Nach der Reform sei nur klar, wie stark die Margen infolge des Preisdrucks beeinträchtigt werden könnten. «Es bleibt eine gewisse Unsicherheit über die Gewinne der Pharmaindustrie», heisst es bei den Analysten der Credit Suisse. An der Verteilung der Gelder für Gesundheit würde sich nichts ändern. Zudem würden dadurch für Medikamente 11 Mrd Dollar mehr ausgegeben.

Die Analysten von Exane halten die Vorlage deshalb für «positiv für die Pharmaindustrie», denn das Reformwerk weite den Kreis der potenziellen Kunden aus. Die Preiszugeständnisse für ältere Versicherte seien geringer als befürchtet.

Zudem sollen die Markenpräparate ihren Patentschutz nicht verlieren, was gut ist für die Patentinhaber und die Generikahersteller. Für Biotech-Generika soll der Patentschutz auf zwölf Jahre ausgeweitet werden.

Auch Medtech-Firmen betroffen

«Das Reformwerk enthält unserer Ansicht nach mehr positive als negative Punkte», sagen die Exane-Analysten. Sowohl für Novartis als auch für Roche erneuern sie ihre Kaufempfehlung mit Kurszielen 66 bzw. 224 Fr., Actelion steht hier auf «halten». Roche bekam noch weitere positive Kommentare nach dem Analystentag der letzten Woche. «Wir sehen hier ein substanzielles Upside-Potenzial dank der gut gefüllten Medikamentenentwicklungs-Pipeline», sagen die Analysten.

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Die US-Reform erweitert auch den potenziellen Kundenkreis für Med-Tech-Firmen wie den Hörgerätehersteller Sonova. Die Pharmakonzerne und ihre Medikamentenmargen waren im Vorfeld stärker im Blickfeld der Politik als die Produkte dieser Firmen. «Wir erwarten, dass sich in diesem Jahr der Marktvolumenzuwachs in den USA beträchtlich abschwächt», kommentieren die Analysten von JP Morgan, «und die ersten Daten bestätigen dies auch.» Aktionäre von Sonova können sich bereits Mitte April auf ergänzende Prognosen zum Fiskaljahresabschluss einstellen. Das vollständige Ergebnis wird am 18. Mai 2010 publiziert.

Zu diesem Zeitpunkt findet im kalifornischen San Diego eine wichtige Branchenkonferenz statt. Sonova ist laut den Analysten von JP Morgan gegenwärtig mit einer Prämie von 16% gegenüber den europäischen Konkurrenten und damit «angemessen» bewertet. Die Analysten raten zu «halten».