Die Zahlen von Feintool, Tornos und Schulthess verheissen wenig Gutes für die in den kommenden Tagen anstehenden 1.-Semester-Abschlüsse der Small und Mid Caps aus der Industriebranche.

So hat der Komponentenhersteller Feintool im 3. Quartal 2008/09 mehr als 33% weniger Umsatz als im Vorjahr erzielt, während der Auftragseingang um fast 56% eingebrochen ist. Angesichts der starken Abhängigkeit Feintools von der Automobilindustrie durfte der Einbruch zwar nicht überraschen. Dass der Auftragseingang keine Anzeichen einer Erholung zeigte, war aber enttäuschend.

Noch düsterer sieht die Situation bei Tornos aus. Der Anlagenbauer verzeichnete im 1. Halbjahr 2009 ein Umsatzminus von gut 60%, fast 70% weniger Aufträge sowie einen Reinverlust von 15,5 Mio Fr. Der deutliche Umsatzrückgang konnte auch mit einem massiven Kostensenkungsprogramm nicht wettgemacht werden.

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Der Wärme- und Kältetechniker Schulthess schliesslich präsentierte mit einem Umsatz von 162 Mio Fr. (-13,6% geg. VJ) und einem Reingewinn von 11,4 Mio Fr. (-24,4%) ein 1.-Semester-Ergebnis unter den Konsenserwartungen. Für das Gesamtjahr musste das Unternehmen zudem seine Ziele nach unten korrigieren. Statt eines leichten organischen Wachstums geht Schulthess nun von einem Umsatzrückgang aus.

Vorsicht vor zu viel Optimismus

Trotz ersten Anzeichen in den vergangenen Wochen, dass die Schweizer Industrie die Talsohle überwunden haben könnte, kommen die schwachen Ergebnisse nicht überraschend. «Die leichte Erholung der Nachfrage hat auf sehr tiefem Niveau stattgefunden und war hauptsächlich auf den zuvor drastischen Lagerabbau bei den Kunden zurückzuführen», gibt Richard Frei, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zu bedenken. Der Optimismus, der sich in den letzten Wochen breit gemacht habe, sei jedenfalls mit Vorsicht zu geniessen, erklärt Frei.

Was die noch ausstehenden 1.-Halbjahres-Abschlüsse der Industriefirmen betrifft, so geht er von keinen berauschenden Ergebnissen aus. Zurückhaltend ist auch Serge Rotzer, Analyst bei der Bank Vontobel. «Angesichts der rückläufigen Bestellungseingänge erwarte ich keine positiven Überraschungen», ist er überzeugt.

Mit Huber + Suhner am 24. August und tags darauf Komax und Dätwyler veröffentlichen kommende Woche drei Highflyer der vergangenen Jahre ihre 1.-Semester-Zahlen.

Bereits bekannt ist, dass der Komponentenhersteller Huber + Suhner in den ersten beiden Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatzrückgang von 23% verzeichnete. Verantwortlich dafür war vor allem die Hochfrequenztechnik, die im Mobilfunk oder in der Industrie zur Anwendung kommt, während der Bereich Fiber Optics dank den weltweiten Investitionen in die Glasfasertechnologie sogar ein Wachstum ausweisen konnte. An dieser Ausgangslage dürfte sich im 1. Halbjahr wenig verändert haben. «Bei Huber + Suhner erwarten wir im 1. Semester einen deutlichen Rückgang», erklärt ZKB-Analyst Frei.

Rote Zahlen in Aussicht

Sogar rote Zahlen hat Komax für das 1. Semester in Aussicht gestellt. Als Hersteller von An-lagen zur Kabelverarbeitung spürt das Unternehmen insbesondere die Krise der Automobilindustrie. Dagegen dürften die Bereiche Photovoltaik und Medizinaltechnologie dem Konjunkturabschwung weniger stark ausgesetzt sein. Angesichts der Gewinnwarnung von Komax von Anfang Mai gilt der Fokus der Analysten nun hauptsächlich den Auftragseingängen für das 2. Semester.

Wie bei Komax wird auch bei Dätwyler eine stabile Entwicklung im Medizinalbereich erwartet. Hier stellt das Industriekonglomerat pharmazeutische Verpackungen her. Und auch im Vertrieb von technischen Komponenten dürfte die Entwicklung zufriedenstellend ausfallen. «Dies reicht allerdings nicht, um den Rückgang in den übrigen Segmenten Kabel und Gummi aufzufangen», ist Vontobel-Analyst Rotzer überzeugt. Hinweise auf ein schwieriges Semester in diesen Sparten konnten den Zahlen der Konkurrenten entnommen werden.

Hohes Potenzial nach Einbruch

Trotz dieser insgesamt verhaltenen Aussichten werden sowohl Dätwyler als auch Komax als interessante Werte eingeschätzt. Dabei profitieren die Aktien von der soliden Finanzierung der Unternehmen und der insgesamt moderaten Bewertung der Titel. «Die Kurse beider Firmen sind seit den Höchstpreisen um gut zwei Drittel eingebrochen und verfügen bei einer Wirtschaftserholung über hohes Potenzial», erklärt Frei. Allerdings sei ein Investment in Komax aufgrund der Abhängigkeit von der Automobilindustrie riskanter.