Die Grosswetterlage für die Schweizer Privatbanken hat sich in den letzten Monaten schnell verändert schneller, als viele Branchenvertreter wohl vermutet haben. Der Druck auf das Bankgeheimnis wächst, ausländische Kunden sind verunsichert, die bestehenden Schwarzgelder werden für die Banken immer mehr zur Hypothek und zum Risiko für die Reputation. Hinzu kommt, dass die hohen Margen im Private Banking wohl der Vergangenheit angehören und auch strengere Kapitalvorschriften zu erfüllen sind.

Amnestie zehrt weiter an Assets

In den Jahresergebnissen 2009 hat der neuste Steuerstreit mit Deutschland noch keine Spuren hinterlassen. Doch auch schon so war das letzte Jahr schwierig gewesen für die Schweizer Privatbanken. Julius Bär hat mit den ausgewiesenen Neugeldern die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt; dabei fiel vor allem die Steueramnestie im wichtigen Markt Italien ins Gewicht. Auch die Zürcher Privatbank Vontobel, die am 25. Februar 2010 ihre Resultate vorlegen wird, dürfte die Steueramnestie in Italien zu spüren bekommen haben. Unter dem Strich erwarten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB), dass die verwalteten Vermögen im vergangenen Geschäftsjahr um 18,5% und der Reingewinn um knapp 25% gestiegen ist. Die Basler Privatbank Sarasin wird am 2. März ihre Zahlen vorlegen, EFG International folgt schliesslich am 17. März. Trotz enttäuschendem Ergebnis rechnet Julius-Bär-Chef Boris Collardi mit einer Erholung bei den Neugeldern. Skeptischer sind dagegen die Analysten der Bank Vontobel: So dürfte die «Datenaffäre» mit Deutschland die Unsicherheit der europäischen Kunden vergrössern. Zudem läuft die italienische Steueramnestie noch bis April 2010, weshalb mit weiteren Abflüssen von Kundengeldern gerechnet werden muss. Dass das Bankgeheimnis immer mehr unter Druck geraten und das Geschäft mit unversteuerten Vermögen für die Banken zum Auslaufmodell wird, war schon lange absehbar. Deshalb haben nicht nur die beiden Grossbanken, sondern auch die mittelgrossen Schweizer Privatbanken in den letzten paar Jahren entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Die Bankinstitute bauen in den einzelnen Ländern neue Niederlassungen auf, um vom Offshore-Geschäft unabhängiger zu werden. Diese Wachstumspläne sind jedoch auch sehr kostspielig. Häufig dauert es lange, bis sich die Investitionen für die Banken auszahlen und die Niederlassungen in den einzelnen Ländern profitabel arbeiten. Vor allem aus den aufstrebenden Schwellenländern, allen voran Asien, soll das künftige Wachstum für die mittelgrossen Privatbanken herkommen. Die Zürcher Privatbank Julius Bär will gar Asien zum zweiten Heimmarkt aufbauen. Gezielt wird auf die superreiche Kundschaft in den aufstrebenden Märkten. Diese sogenannten Ultra High Net Worth Individuals sind ein Kundensegment, das laut verschiedenen Studien in den nächsten Jahren weiterhin stark wachsen wird.Auch wenn diese Onshore-Strategie langfristig richtig und notwendig ist, dürften die Aktien der Schweizer Privatbanken von den noch nicht abreissenden Turbulenzen auf dem Schweizer Finanzplatz belastet bleiben.

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Doch die Aktienmärkte übertreiben häufig. Für Anleger, welche die Sorgen am Markt ausblenden, könnten sich die Titel der Privatbank Julius Bär anbieten, die derzeit auch am stärksten in der Gunst der Analysten stehen: 56% empfehlen die Titel von Julius Bär zum Kauf.

Julius Bär mit voller Kriegskasse

So streichen etwa die Analysten von Citigroup, welche die Aktien mit einem Kursziel von 45 Fr. eingestuft haben, die solide Kapitalbasis von Julius Bär hervor. Damit könne die Privatbank in der fortschreitenden Konsolidierung in der Branche eine aktive Rolle spielen. Julius Bär hat dazu rund 1 Mrd Fr. überschüssiges Kapital, das für Akquisitionen eingesetzt werden kann. Übernahmen könnten sich aber etwa auch Vontobel oder Sarasin leisten. Diesen beiden Titeln wird aber weniger Kurspotenzial attestiert, nur je 15% der Experten empfehlen die Aktien von Sarasin und Vontobel zum Kauf. Nach der Abspaltung und separaten Börsenkotierung der vor allem auf alternative Anlagen spezialisierten GAM ist Julius Bär ein reiner Vermögensverwalter, ebenso wie die Bank Sarasin. Laut den Vontobel-Analysten rechtfertigen Aktien eines reinen Vermögensverwalters eine Prämie von 10%.