Anfang Juli hat Komax überraschend den Bestellungseingang für das 1. Halbjahr 2008 veröffentlicht. Wozu?

Beat Kälin: Wir haben den Bestellungseingang zu jenem Zeitpunkt veröffentlicht, weil wir die gute Performance der Komax-Gruppe am Markt dokumentieren wollten. Im Zusammenhang mit den zahlreichen negativen News aus der Automobilindustrie wollten wir aufzeigen, wo die Komax-Gruppe steht.

Trotzdem haben die Komax-Titel im Jahr 2008 mehr als 20% verloren.

Kälin: Gegenüber unserem Vergleichsindex SPI haben wir uns in letzter Zeit positiv entwickelt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Wir versuchen, mit einer klaren Kommunikation unser Geschäft in das richtige Licht zu rücken. Beurteilen muss es am Ende der Investor.

Wie empfinden Sie das derzeitige Umfeld?

Kälin: Alle wesentlichen Treiber für Komax sind derzeit stark. Dies gilt auch für den Automobilmarkt: Die Elektronik in den Fahrzeugen braucht immer mehr Kabelverbindungen, woraus sich wiederum eine höhere Nachfrage für unsere Produkte ergibt.

Reicht die höhere Anzahl Kabelverbindungen, um eine geringere Nachfrage nach Autos zu kompensieren?

Kälin: Man muss die Situation im Automobilbereich differenziert betrachten: Anlagen, die auf die Erhöhung der Volumina abzielen oder nur als Ersatz für ein bestehendes Projekt dienen, dürften eine Abschwächung der Konjunktur spüren, weil dann weniger Autos produziert werden. In unserem Fall sind es aber Innovationen, die das Geschäft antreiben. Dies hat der Bestellungseingang im 1. Halbjahr 2008 gezeigt. Denn neue Fahrzeuge, die beispielsweise einen geringeren Verbrauch erzeugen, benötigen mehr Elektronik. Ein Hybrid-Auto enthält 40% mehr Kabelverbindungen als ein Standardfahrzeug.

Die Krise in der Automobilindustrie tangiert Komax nicht?

Kälin: Uns geht es immer noch gut, weil innovative Konzepte und die Elektronik in den Autos die Triebfedern sind. Und der Markt läuft für uns in die richtige Richtung: Die Nachfrage nach verbrauchsärmeren Autos und die CO?-Reduktion rufen im Motorenbereich und im Antriebskonzept Innovationen hervor, was normalerweise zu einer höheren Nachfrage bei Komax führt.

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Insgesamt profitiert Komax demnach von hohen Energiepreisen.

Kälin: Die höheren Energiepreise führen dazu, dass die Leute Energie sparen wollen. Die gesamte Thematik «alternative Energien» wird dadurch angetrieben. In diesem Geschäftsfeld sind wir vertreten.

Wie wirken sich die steigenden Rohstoffkosten bei Komax aus?

Kälin: Wir versuchen, die Preiserhöhung an den Markt weiterzugeben und gleichzeitig unsere Produktivität zu steigern. Zudem haben wir in der Gruppe unsere Einkaufsaktivitäten gebündelt, wodurch wir eine grössere Einkaufsmacht erzielen. Schliesslich zahlen sich heute unsere langfristig guten Lieferantenbeziehungen aus.

Auf Ebit- und Gewinnstufe musste Komax im 1. Semester 2008 aber einen Rückgang hinnehmen. Weshalb?

Kälin: Komax konnte eine gute Ebit-Marge ausweisen, wobei uns die Währung einen leichten Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Ebit-Marge lag bei 11,8%, währungsbereinigt wäre sie bei sehr guten 13,3% gelegen.

Während sich der Geschäftsbereich Photovoltaik gut entwickelt, kommen Montageautomation und Medtech nur schleppend voran. Woran liegt das?

Kälin: Medtech entwickelte sich im 1. Halbjahr 2008 unter den hohen Erwartungen. Aufträge wurden zurückgestellt oder sind später eingetroffen. Im 2. Semester gehen wir von einer Verbesserung der Situation aus. Bei der Herstellung von Systemen zur Montage von elektronischen und mechanischen Komponenten kamen die Gewinnmargen in den letzten Jahren unter Druck. Deshalb verhält sich Komax bei der Auswahl der Projekte selektiver.

Steht der Verkauf der Montageautomation zur Diskussion?

Kälin: Man sollte diesen Bereich nicht unterschätzen. Dank einer Akquisition, die Komax vor acht Jahren in der Montageautomation getätigt hat, sind wir nun im Bereich Photovoltaik gut aufgestellt. Frei werdende Kapazitäten in der Montageautomation werden zudem im Bereich Photovoltaik dringend benötigt.

Welche Entwicklung stellen Sie in Ihren Absatzmärkten fest?

Kälin: Regional haben sich Europa und Asien gut entwickelt. In den USA hat sich die Situation stabilisiert. Lateinamerika, insbesondere Brasilien, zeigt schliesslich sehr gute Tendenzen. Man muss aber sehen, dass es in Grossprojekten innerhalb eines Semesters zu Verschiebungen kommen kann, die nicht die langfristige Entwicklung einer Region zeigen.

Wie wirkt sich die Schwäche der US-Wirtschaft aus?

Kälin: In unserem Kerngeschäft, der Kabelverarbeitung, hat sich das Geschäft in den letzten zwölf Monaten erholt. Daneben gibt es auch dort Produktlinien, die weiterhin sehr gut laufen. Zu denken ist dabei auch an die Photovoltaik. Aber in Amerika herrscht derzeit ein Umfeld, welches sicher schwieriger ist.

Sie haben für Komax jüngst die Ziele bis 2012 nach oben angepasst. Wie wollen Sie diese erreichen?

Kälin: Die 600 Mio Fr. Umsatz, die wir bis dahin erreichen wollen, sowie die 13% Ebit-Marge sind sportlich, aber wir haben eine klare Strategie. Wir sind in drei Wachstumsfeldern tätig: In der Photovoltaik, der Elektronik im Auto und schliesslich der Medizinaltechnik. Letztere dürfte langfristig von der Alterung der Bevölkerung und der Selbstmedikation zur Kostensenkung profitieren. In der Autoindustrie dürfte die Automatisierung weiter zunehmen und die manuelle Produktion in heutigen Tieflohnländern wie China ablösen.

Allein über organisches Wachstum werden Sie die Ziele aber kaum erreichen.

Kälin: Wir sind in den letzten Jahren organisch um rund 10% gewachsen. Unser Fokus gilt dem organischen Wachstum, aber wir haben auch klar kommuniziert, dass die Ziele komplementäre Akquisitionen beinhalten. Wir verfügen über die finanziellen Mittel für Zukäufe und suchen aktiv nach den richtigen Zielen, die uns dabei unterstützen. Die Preise für die Objekte sind aber immer noch zu hoch.

Trotz der Finanzkrise?

Kälin: Ja, ich gehe aber davon aus, dass sich die Situation anpassen wird und in jene Bereiche zurückgeht, wo eine Übernahme für Komax auch von finanziellen Aspekten her attraktiv erscheint. Über den Zeitpunkt kann ich nur spekulieren.

In welcher Grössenordnung wird der Zukauf ausfallen?

Kälin: Wenn man die Vergangenheit von Komax ansieht, dann zeigt sich, in welcher Grössenordnung und in welchem Bereich die Komax-Gruppe Akquisitionen tätigt. (Mit Ismeca im Jahr 2005 hat Komax einen Umsatz von 41,5 Mio Fr. gekauft.) Daran werden wir uns auch in Zukunft halten. Denn der Zukauf muss für Komax verdaubar sein und darf die Gruppe nicht bremsen.

Wie sehen Ihre Ziele für das Geschäftsjahr 2008 aus?

Kälin: Wir sind optimistisch, dass wir 2008 wieder ein Wachstum erreichen.

Können Sie dies konkretisieren?

Kälin: Das Wachstum hängt von der Währungssituation ab. Im 1. Halbjahr beispielsweise war der Dollar stark unter Druck.

Wie wirken sich die Währungsveränderungen aus?

Kälin: Wir erzielen 30% unseres Umsatzes in Dollar, 30% in Euro, 35% in Schweizer Franken und 5% in anderen Währungen. Eine Bewegung von 10% in Dollar oder Euro bedeutet für uns eine Abweichung von 3% auf der Top-Line und gut 1% bei der Ebit-Marge. Wie gesagt, wir sind optimistisch, dass wir 2008 ein Wachstum erreichen werden. Dabei möchte ich es bewenden lassen.

Weshalb diese Zurückhaltung?

Kälin: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen wir uns zur Zeit bewegen, sind relativ volatil. Zudem verfügen wir in Teilen des Geschäftes mit zwei bis drei Monaten über eine kurze Visibilität.