Die Krise an den Kapitalmärkten schlägt auf die grossen Finanzmetropolen zurück. Mit den Entlassungen bei den Grossbanken werden immer weniger Büros benötigt. Der Immobilienmarkt in den Finanzzentren kommt dadurch unter Druck.

Besonders schlimm ist es in London und New York. Dort waren die Preise für Bürotürme während des globalen Immobilienbooms in absurde Höhen geschossen – und purzeln nun kräftig in die Tiefe. Rund 60000 Mitarbeiter haben internationale Banken wie Bear Stearns, Citigroup, Lehman Brothers und UBS nach einer Studie des Schweizerischen Bankpersonalverbands bereits entlassen. Weitere werden folgen. Allein die viertgrösste US-Bank Wachovia hat jüngst die Streichung von 6950 weiteren Jobs angekündigt – nach einem Verlust von 8,9 Mrd Dollar im 2. Quartal 2008.

Viel weniger Volumen

Das treibt an den Büromärkten der grossen Finanzzentren die Leerstandsraten in die Höhe und die Mieten und die Preise der Immobilien in den Keller.

In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt wechselten nach dem gerade vorgelegten Bericht des Gutachterausschusses in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur noch Bürogebäude im Gesamtwert von 373,5 Mio Euro den Besitzer.

Das entspricht einem Rückgang von fast 90% gegenüber dem Transaktionsvolumen von 3,3 Mrd Euro im Vorjahreszeitraum. Ursache sind der nahezu komplette Rückzug amerikanischer Investoren, die gestiegenen Zinsen und die zurückhaltende Finanzierung durch die Banken.

Dabei leidet der Frankfurter Büromarkt noch heute unter den Bauexzessen des Immobilienbooms der 90er Jahre. Noch schlimmer sieht es in London aus.

Im Frühjahr 2007 zahlten Immobilienkäufer hier so hohe Preise, dass sie nur Anfangsrenditen von 3,4% erzielen konnten. Inzwischen sind die Immobilienwerte um mehr als 20% gefallen.

Neubauten verschlimmern Lage

«Die Anfangsrenditen liegen bei 5,75% und könnten demnächst sogar 6% erreichen», sagt Kiran Raichura, Analyst beim Immobilienberater Colliers International.

Bis 2010 könnten die Preise in London um weitere 20% fallen. Die Mieternachfrage in der britischen Hauptstadt ist bereits drastisch eingebrochen. «Lediglich 167225 m2 Büroflächen wurden im 1.Halbjahr 2008 vermietet – 35% weniger als im Schnitt der vergangenen Jahre», sagt Bill Page, Chefresearcher Grossbritannien bei der Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle (JLL).

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Für zusätzlichen Druck sorgen zahlreiche Neubauten, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Experten erwarten deshalb, dass die Leerstandsrate zum Jahresende mehr als 8% betragen wird und die Mietpreise weiter fallen werden.

Fehlspekulation von Wachovia

In New York stehen die Immobilienpreise ebenfalls kräftig unter Druck. Vor 13 Monaten hatte die US-Bank Wachovia 335 Mio Dollar gezahlt, um 85% der Anteile an einem 21-stöckigen Büroturm an der Ecke Broadway und 37th Street von der SL Green Realty Corporation zu übernehmen.

Das entsprach einem Gebäudewert von 394,1 Mio Dollar. Jetzt bieten Wachovia und SL Green nach US-Medienberichten die gesamte Immobilie für nur 294 Mio Dollar zum Kauf an. In US-Währung betrachtet entspricht dies einem Preisrückgang von satten 25,4%.