Nach aussen gibt man sich cool. Doch die Anspannung unter den Managern in der Branche ist spürbar, seit der amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte Ende März einen Anteil von 5 Prozent an der Beteiligungsgesellschaft Private Equity Holding vermeldet hat. Hinter vorgehaltener Hand wird über die Hintergründe der Aktion gerätselt. «Ich verstehe nicht, was er mit seinem Engagement erreichen will. Um viel zu bewegen scheint sein Anteil jedenfalls zu gering», meint ein Branchenkenner. Bei der Private Equity Holding selber will man sich nicht zu einzelnen Anlegern äussern. Wie bei allen anderen werde man aber auch mit diesem Grossinvestor den Dialog suchen. «Die Zeit wird zeigen, welche Interessen hinter dem Investment stehen», erklärt Sprecher Peter Wolfers.

Allein die Tatsache, dass Wyser-Pratte zusammen mit Partnern Ende März fast 9 Millionen Franken in die Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft investierte, dürfte die gesamte Branche bewegen. Denn der Amerikaner, der die Manager eines renitenten Konzerns einst mit der Aussage «Riecht ihr das Napalm?» erschreckte, will Geld verdienen, und zwar schnell. Zudem ist Wyser-Pratte nicht der einzige Investor, der in den vergangenen Monaten die bis vor kurzem noch totgesagten Private-Equity-Vehikel wiederentdeckt hat. Seit Anfang Jahr hat der amerikanische Investor David C. Abrams eine Beteiligung von rund 11 Prozent an Castle Private Equity aufgebaut.

Der 50-Jährige ist Gründer und Chef von Abrams Capital mit Sitz in Boston, einer Investmentgesellschaft, die mehr als 3,5 Milliarden Dollar verwaltet. Die Firma bezeichnet sich selber als langfristige und wertorientierte Investorin mit Fokus auf Opportunitäten. Im Gegensatz zu Wyser-Pratte ist Abrams kein Mann der lauten Töne, sondern bleibt eher im Hintergrund und widmet sich neben den Finanzangelegenheiten der Literatur. Am Ende des Tages will aber auch er eine ansprechende Rendite auf seine Investitionen erzielen.

Erst Anfang April, im Sog von Wyser-Pratte sozusagen, hat schliesslich ein weiterer Grossinvestor die Private Equity Holding entdeckt. So vermeldeten Barwon Investment Partners eine Beteiligung von mehr als 3 Prozent. Das 2006 gegründete australische Unternehmen bietet institutionellen Anlegern und Grosskunden alternative Investments im Bereich Private Equity an. Über einen aktiven und wertorientierten Investmentansatz will es hohe Renditen erzielen.

Eine hohe Rendite erreichen die Investoren aber nur dann, wenn es ihnen gelingt, den Abschlag des Aktienkurses der Beteiligungsgesellschaften gegenüber ihrem inneren Wert (Net Asset Value) zu beseitigen. Viele der Vehikel besitzen heute Beteiligungen, die insgesamt mehr wert sind als der Börsenwert. Genau hier sind die Beteiligungsfirmen im vergangenen Jahrzehnt durchwegs gescheitert.

Weit unter Höchstkursen gehandelt

Während die Vehikel bei ihrer Lancierung durch Julius Bär (Shape Capital), Vontobel (Private Equity Holding), LGT (Castle) oder Credit Suisse (Absolute Private Equity) um das Jahr 2000 noch zu Preisen von mehreren 100 Franken gehandelt wurden, und im Börsenboom für einen Kauf der Titel gar ein Aufschlag zum inneren Wert bezahlt wurde, stürzten die Anlagegefässe in der darauffolgenden Baisse massiv ab. Seither werden sie mit einem deutlich zweistelligen Abschlag bestraft (siehe Grafik).

Zwar hat bereits das wieder erwachte Interesse der Grossinvestoren an den Schweizer Private-Equity-Beteiligungsgesellschaften den Aktien in den vergangenen Monaten einen Schub verliehen. Allein im laufenden Jahr verbesserte sich etwa die Private Equity Holding um gut 20 Prozent, genauso deutlich konnte auch Shape Capital zulegen. Bereits etwas früher hat Castle zu seinem Höhenflug angesetzt. Hier fällt das Plus mit 36 Prozent seit Oktober 2010 noch deutlicher aus.

Trotz dieser markanten Kurssteigerungen notieren die Private-Equity-Vehikel indes nach wie vor weit unter den Höchstkursen, zu denen sie um die Jahrtausendwende gehandelt wurden. Und sie notieren ebenfalls deutlich unter dem inneren Wert der eingegangenen Beteiligungen. Der Abschlag liegt alleine bei Shape, Private Equity und Castle noch immer zwischen 24 und 36 Prozent.

«Der Discount der kotierten Private-Equity-Gesellschaften kann nicht gesteuert werden, da er von der Nachfrage der breiten Masse der Aktienanleger getrieben ist», hat Bruno Raschle, Chef der Private-Equity-Investmentfirma Adveq festgestellt. Er sieht entsprechend nur eine Möglichkeit, wie die Investoren an den tatsächlichen Wert der Portfolioanlagen kommen können. «Nur die Liquidation des Vehikels führt zur Aufhebung des Discounts», sagt Raschle.

Diese Meinung teilt auch der Schweizer Investor Beat Frey, der über seine Beteiligungsgesellschaft Corisol in der Private-Equity-Gesellschaft New Value investiert ist: «Wenn es dem Management nicht gelingt, den Discount innerhalb erträglicher Grenzen zu halten, dann ist im Sinne von allen Aktionären auch eine Liquidation ins Auge zu fassen.»

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Firmen kaufen eigene Aktien

Mit den neuen ausländischen Grossinvestoren dürfte dies nun immer aktueller werden. Bevor allerdings ein solcher letzter Schritt vollzogen werden muss, versuchen die Gesellschaften mittels Kapitalmassnahmen den bestehenden Discount weiter zu verringern und einer Auflösung der Unternehmen zuvorzukommen. «Wir gehen keine langfristigen Investments mehr ein», erklärt Thomas Amstutz, Chef von Absolute Private Equity. Stattdessen werden Mittel, die der Gesellschaft zufliessen, an die Investoren ausbezahlt. Für die nächsten Monate sollen so 150 bis 250 Millionen Dollar zusammenkommen. «Von einer Liquidation kann nicht die Rede sein, denn wir wollen unsere Positionen nicht unter Zwang verkaufen», ergänzt Amstutz. Die Rückführung der Gelder erfolgt dabei über den Kauf von eigenen Aktien sowie über eine Kapitalreduktion.

Noch weiter geht man bei Shape Capital. Die Gesellschaft mit Sitz in Pfäffikon SZ hat die Rückführung sämtlicher Mittel an die Investoren beschlossen. Dabei will man sich Zeit lassen, um keine unnötigen Preisabschläge hinnehmen zu müssen. Shape verfügt noch über Investitionen von mehr als 110 Millionen Franken. Angesichts eines Anlagehorizontes in der Private-Equity-Branche zwischen fünf und zehn Jahren braucht die Firma nach eigenen Angaben zwischen zwei bis sieben Jahre, bis die Gelder vollständig zurückgeführt werden können.

Ähnlich sieht die Situation bei New Venturetec aus, der Beteiligungsgesellschaft des ehemaligen Shootingstars Peter Friedli. Auch er will seinen Anlegern die investierten Mittel so weit wie möglich zurückführen. Bisher war dem Unterfangen allerdings wenig Erfolg beschieden, der Kurs der Aktien befindet sich in einem steten Sinkflug.

Doch nicht alle Gesellschaften lassen sich durch die neuen Investoren aus der Ruhe bringen. Castle-Geschäftsführer Hans Markvoort, der mit David C. Abrams einen neuen Grossaktionär an Bord hat, bleibt gelassen. Das Unternehmen hat Erfahrung mit anspruchsvollen Grossaktionären wie dem Hedgefonds Laxey Partners, der 2009 in Castle investiert war. «Wir begrüssen es, dass ein erfahrener Investor die gute Opportunität genutzt hat», sagt Markvoort, und ergänzt: «Der Zeitpunkt für einen Kauf von solchen Werten ist derzeit günstig.»

Intakte Portefeuilles

Denn einerseits seien die Portfolios nach der Krise in einem guten Zustand, andererseits bestehe durchaus noch Aufholpotenzial. «Anders als an den Aktienmärkten sind weniger die Zukunftsaussichten für den inneren Wert ausschlaggebend, als vielmehr die im vergangenen Jahr erreichten Ergebnisse der Portfoliounternehmen», begründet er. Dennoch schliesst auch Castle bei einem allzu hohen Abschlag eine Intensivierung der Aktienrückkäufe nicht aus.

Optimistisch blickt auch Andreas Wicki nach vorne. Er ist Geschäftsführer der auf Bio- und Medizinaltechnik spezialisierten Private-Equity-Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures. «Profitable Verkäufe von Unternehmen in den Investitionsportfolios haben die Lage vieler kotierter Private-Equity-Vehikel verbessert», ist er überzeugt. Da seine Beteiligungsgesellschaft in den kommenden zwei Jahren weitere Unternehmensverkäufe und gar Börsengänge erwartet, sollte dies zusammen mit dem laufenden Aktienrückkaufsprogramm zu einer Reduktion des Abschlags führen. Und so auch den Druck der Investoren reduzieren.

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(laf)