Noch vor einem Jahr war Blackstone leuchtendes Symbol für den Siegeszug der Finanzinvestoren. Bei ihrem Börsendebut letzten Juni an der New Yorker Börse löste sie 7,8 Mrd Dollar an Kapital, so viel wie kein Private-Equity-Unternehmen je zuvor. Jetzt, neun Monate später, hat sich der Börsenwert halbiert. Allein 5% verlor die Aktie nach der Präsentation des Jahresergebnisses 2007, das schon im 4. Quartal einen Nettoverlust von 170 Mio Dollar ausweist.

Schlechter als öffentlicher Markt

Ein böses Erwachen für die Aktionäre. Denn Private-Equity-Gesellschaften, die traditionell in privat gehaltene Firmen investieren, werben seit jeher mit der Resistenz gegen das Auf und Ab der Börsen. Nun ist ? wenigstens für die Anleger der börsenkotierten Vehikel ? alles anders: Blackstone, KKR, 3i, all die klingenden Namen der letzten Jahre, sind an der Börse im Tief-Rot. Der LPX-50-Index, der die 50 grössten kotierten Private-Equity-Firmen abbildet, liegt seit Anfang Juli 2007 um 36% im Minus. Der Weltaktienindex MSCI World verlor in der gleichen Zeit «nur» 10%.

Dabei gründet der tiefe Fall von Private Equity an der Börse im Höhenflug der Monate zuvor. Die Mega-Buy-outs ? milliardenschwere Übernahmen mit geliehenem Geld ? waren noch in vollem Schwung, als die Subprime-Krise einsetzte. Und plötzlich war niemand mehr bereit, Kredite zu sprechen. Also lösten sich die lukrativen Deals mehrheitlich in Luft auf; das Volumen schrumpfte im 2. Semester 2007 um zwei Drittel.

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Pech auch für die Banken, die schon Kredite gesprochen hatten: Sie konnten die Leveraged-Buy-out (LBO)-Papiere nicht ohne Verlust weiterverkaufen. «Die Banken sitzen auf geschätzten 240 Mrd Fr. an Buy-out-Krediten», sagt ein Kenner des Geschäfts, Alfred Gantner, Verwaltungsratspräsident der an der SWX kotierten Private-Equity-Investorin Partners Group (siehe Interview rechts). Trotzdem rechne er nicht mit breiten Abschreibern. «Im Gegensatz zu den Subprime-Papieren liefern ja die Basiswerte der LBO-Kredite, also die Firmen, gute Gewinne.» Doch der Wert der Buy-out-Kredite ist bereits über 10% gefallen, und den Banken wird der Boden heiss. Statt die Papiere weiter zu halten, suchen Credit Suisse und Merrill Lynch nun offenbar nach Käufern für einen 22-Mrd-Dollar-Buy-out-Kredit.

Derweilen muss sich die Private-Equity-Branche nach neuen Deals umsehen. «Buy-outs über 2 Mrd Fr. könnten noch ein bis zwei Jahre verhindert werden», sagt Gantner. Immer noch fliesst den Vehikeln aber massig Kundengeld zu, das sie nun vorab in Wachstumsfinanzierungen (Mezzanine) und kleinere Buy-outs investieren. Auch in Asien und auf dem Immobilienmarkt wird eifrig angelegt. «Private, nichtkotierte Private-Equity-Portefeuilles dürften sicher besser abschneiden als die Aktienmärkte», ist sich Gantner sicher. Den Privatinvestoren bleibt weiterhin nur die indirekte Investition über die Börse: Partners Group hat ein über Erwartung gutes Jahresresultat geliefert, aber auch Gesellschaften wie Onex und Ratos haben sich gut gehalten. Die Risiken lassen sich auch breiter streuen: Mit Fonds wie dem CIBC Private Client Fund Limited European Equity oder dem Tracker-Zertifikat LPX Private Equity Open End Certificates (Valor 2534566) von ABN Amro auf den LPX-Index.

 

 

Nachgefragt
«Über 1 Milliarde Franken für einen Kauf»

Alfred Gantner ist Gründer und VR-Präsident der auf alternative Anlagen spezialisierten Partners Group. Trotz der Turbulenzen rät er zum Einstieg in Private Equity.

Private Equity wirbt mit der tiefen Korrelation zu den Börsen. Die Kurse kotierter Private-Equity-Investoren sind aber hart getroffen worden. Ein Etikettenschwindel?

Alfred Gantner: Kotierte Private-Equity-Vehikel können sich den Marktschwankungen nicht entziehen. Traditionelle Private-Equity-Investments verlieren dagegen nur dann an Wert, wenn das Geschäft der Privatunternehmen unter den Erwartungen ausfällt. Das ist aufgrund der heutigen Rekordergebnisse sicher nicht der Fall.

Kann demnach ein Wiedereinstieg bereits riskiert werden?

Gantner: Die Kurse könnten noch weiter fallen. Ich bin aber überzeugt, dass es bei den heute tiefen Bewertungen Zeit ist, einen Teil seines Portefeuilles hier anzulegen. Genaues Hinschauen ist dabei wichtig ? bei einigen Vehikeln ist der Bewertungsabschlag gerechtfertigt. Diversifizierte, aktive Listed-Private-Equity-Fonds können eine gute Alternative bieten.

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Wird Partners Group ebenfalls verstärkt investieren?

Gantner: Wir sind zurzeit sehr aktiv am Investieren, die Verwerfungen bieten hervorragende Möglichkeiten. Jetzt, wo der Zyklus rückläufig ist, werden wir die Positionen ausbauen. Und im Private Market gibt es mehr als genug Möglichkeiten. Wachstum sehen wir ausserdem auch in Asien.

Bis zum Sommer wollen Sie in Peking und Sydney Niedererlassungen eröffnen. Wann folgt Indien?

Gantner: Indien ist ganz klar das nächste Thema.

Sie sprechen auch von grösseren Übernahmen ... Gantner: Akquisitionen in unserem Kerngeschäft müssten eine gewisse Grösse haben, damit sie beim heutigen Wachstum Sinn machen. Wir können über 1 Mrd Fr. für einen Kauf ausgeben. Noch ist aber nichts in Planung.

Können Sie den Neugeldzufluss von über 7 Mrd Fr. pro Jahr auch in Zukunft halten?

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Gantner: 2006 und 2007 waren mit 6,4 bzw. 7 Mrd Fr. Neugeldern Rekordjahre. 5 Mrd Fr. jährlich sollten nachhaltig machbar sein.

Wie viel Potenzial verleiht dies der Partners-Group-Aktie?

Gantner: Ich glaube, dass wir weiterhin solides Wachstum bei starkem Cashflow liefern können. Die Aktie hat deshalb solides Potenzial.