INDUSTRIE. Seit Wochen hält sich der Ölpreis auf einem Niveau um 90 Dollar. Der deutliche Preisanstieg des schwarzen Goldes bereitet manchem Unternehmen Kopfzerbrechen, haben sich doch die Energie- und Transportkosten, aber auch alltägliche Werkstoffe deutlich verteuert. Mit Kostensparprogrammen und der Verbesserung der Effizienz versucht man, die Zusatzbelastung in den Griff zu bekommen.

Wer dagegen von den Investitionen der Erdöl verarbeitenden Industrie profitiert, kann sich derzeit eine goldene Nase verdienen. Denn je höher der Ölpreis, desto mehr lohnen sich Investitionen in neue Fördertechniken, Exploration in neue Gebiete und deren Erschliessung sowie der Transport von Erdöl und Erdgas.

Burckhardt voll ausgelastet

Von den an der SWX kotierten Industrieunternehmen profitiert Burckhardt Compression am stärksten vom Boom in der Erdölindustrie. Rund 75% des Umsatzes erarbeitet der Hersteller von Kolbenkompressoren zur Verdichtung von Gasen mit multinationalen Konzernen aus den Bereichen Raffinerie, Petrochemie sowie dem Transport und der Lagerung von Gas. Insbesondere der Markt für flüssiges Erdgas (LNG), das über grosse Distanzen mittels Tankern transportiert werden kann, wächst stärker als jener für Erdgas. Und in den LNG-Tankern und Entladeterminals kommen Burckhardt-Kompressoren zum Einsatz.Zusammen mit MAN Diesel dringt Burckhardt neu auch in den Bereich der Dual-Fuel-Antriebe vor. Zum Jahresende dürften erste Angaben zu Bestellungen aus dieser Sparte vorliegen, denen ein Umsatzpotenzial von gut 100 Mio Fr. zugerechnet wird.Am 14. November präsentieren die Winterthurer ihr Halbjahresergebnis (per 30. September). Wie zum Gesamtjahr wird wiederum ein Spitzenresultat erwartet. «Burckhardt sollte die hohen Markterwartungen erneut schlagen können», ist Fabian Haecki, Analyst der Bank Vontobel, überzeugt. Durch interne Verbesserungen und Effizienzsteigerungsprogramme dürfte es dem Kompressorenhersteller gelungen sein, seinen Ausstoss weiter zu steigern, obwohl das Unternehmen seit längerem an der Kapazitätsgrenze arbeitete. «Dies dürfte sich direkt auf die Marge durchschlagen», ist Haecki überzeugt. Für die nächsten zwölf Monate ist das Unternehmen denn auch bereits voll ausgelastet.Angesichts der überaus günstigen Vorzeichen hält Haecki die Titel trotz eines deutlichen Kursanstiegs auf rund 334.50 Fr. nach wie vor für attraktiv. «Die stolze Bewertung wird durch das hohe Wachstum relativiert», schreibt auch Armin Rechberger von der Zürcher Kantonalbank. Von sechs Analysten empfehlen vier die Papiere von Burckhardt zum Kauf.

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Phantasie bei Sulzer fehlt

Zurückhaltender fallen die Einschätzungen der Analysten zu Sulzer aus. Das Unternehmen profitiert ebenfalls von einer hohen Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie. Sulzer präsentierte für die ersten neun Monate einen erfreulichen Bestellungseingang von 3,17 Mrd Fr., was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von knapp 23% entspricht. Damit erfüllte das Unternehmen die Markterwartungen. Helvea-Analyst Volkan Göçmen ist dem Titel weiterhin positiv gestimmt, doch fehlt ihm für eine Kaufempfehlung das Überraschungspotenzial. Dieses könnte durch externes Wachstum gegeben sein. Nach Ablauf der halbjährigen Sperrfrist könnte nun das Werben um Bodycote wieder beginnen. Die Mehrheit der Analysten hat die Sulzer-Titel mit «neutral» eingestuft.Insbesondere im Automationsbereich profitiert auch ABB von der starken Nachfrage im Öl- und Gassektor. Allerdings ist der Auftragseingang im 3. Quartal 2007 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Dies sei gemäss Unternehmensangaben allerdings nur eine vorübergehende Entwicklung. Über sämtliche Sparten erfreut sich der Industriekonzern einer guten Verfassung. Dank der erfreulichen Wachstumsaussichten des Unternehmens werden die ABB-Papiere von 23 der insgesamt 34 Analysten zum Kauf empfohlen.