Bis jetzt haben Europas Regierungen 580 Mrd Euro zur Stabilisierung der Währungsunion mobilisiert. Weitere 280 Mrd Euro hat der Internationale Währungsfonds (IWF) in Aussicht gestellt.

Diese enormen Summen sollen die Märkte beruhigen und sind doch selber Ausgeburt einer in den Hauptstädten Europas grassierenden Angst: Jener vor einem Domino-Effekt. Die Entscheidenden fürchten zu Recht oder zu Unrecht, dass der Ausfall eines Landes oder eines Geldhauses nicht wiedergutzumachenden Schaden anrichten könnte.

Domino mit üppigem Gewinn

Anleger können aus der Domino-Theorie Kapital schlagen. Die Vorgehensweise ist einfach: Man suche sich die vom Markt abgestrafte Anleihe oder Aktie eines systemrelevanten Akteurs, kaufe sie und hoffe auf den Rettungsfall oder auf bessere Zeiten. Kehren die Kurse zu Vorkrisenniveaus zurück, winken üppige Gewinne.

Anzeige

Risikolos ist die Domino-Strategie natürlich nicht: Gefahren kommen aus zwei Richtungen: Zum einen könnten die Politiker ihre Meinung ändern und Systemrelevanz kurzerhand umdefinieren. Zum Beispiel, weil sie glauben, den Märkten doch mehr Schmerzen zumuten zu können. Zum anderen könnten sich die Probleme als grösser erweisen als die Hilfspakete.

Der am wenigsten riskante Ansatz innerhalb der Domino-Strategie ist ein Sparbrief der Santander Consumer Bank. Die drei Jahre laufende Schuldverschreibung wirft 4% pro Jahr ab, das sind über 3 Prozentpunkte mehr, als sichere deutsche Bundestitel mit vergleichbarer Laufzeit bieten. Warum diese guten Konditionen? Spanische Banken haben derzeit Mühe, sich an den Geldmärkten zu üblichen Bedingungen mit Liquidität zu versorgen. Folglich zapfen sie andere Quellen wie den Privatkunden an und sind bereit, dafür auch mehr Zins zu bieten.

Die Santander Consumer Bank ist dem deutschen Einlagensicherungsfonds angeschlossen. Das Geld ist damit praktisch in unbegrenzter Höhe garantiert. Lediglich bei einem Komplettabsturz des europäischen Finanzsektors könnten sich Verluste ergeben.

Vorsicht vor dem «Haarschnitt»

Noch höhere Renditen lassen sich mit Schuldtiteln des spanischen Staats erzielen. Eine siebenjährige Anleihe des Königreichs bringt 4,4% und damit 2,3 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit. Spanien ist an den Finanzmärkten ins Gerede gekommen, obwohl die Schuldenquote mit 66% sogar noch unter jener etwa von Deutschland liegt (siehe Text nebenan). Von griechischen Verhältnissen sind die Iberer aktuell noch weit entfernt.

Doch selbst in Griechenland entdecken wagemutige Investoren Anlagechancen. Der Chefvolkswirt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Pier Carlo Padoan, hat erst am Dienstag bekräftigt, dass Athen ohne Umschuldung aus der Krise herausfinden könnte. Wer sich der Meinung des Ökonomen anschliesst und darauf setzt, dass Hellas für alle Zinsen und Tilgungen der nächsten Jahre aufkommt, kann mit einer dreijährigen Anleihe der Hellenischen Republik satte 9% Rendite einfahren.

Allerdings gibt es gerade mit Blick auf Athen warnende Stimmen, die einen Kapitalschnitt für unausweichlich halten, einen sogenannten «haircut». Anleger müssen dann damit rechnen, 30 bis 70% ihres Einsatzes zu verlieren. Ähnlich riskant, aber auch chancenreich sind Aktien der Rand-Staaten und der systemrelevanten Banken. Wer an eine Beruhigung glaubt, packt sich ein paar spanische Dividendenpapiere ins Depot. Wahlweise setzt der couragierte Anleger auf Euroland-Bankentitel.