Der Trend ist dein Freund» lautet eine Börsenweisheit. Das gilt jetzt auch für die Rohölpreise, die seit dem Höchststand bei 147 Dollar Anfang Juli im Sinkflug sind.

Doch zuerst wird gelitten: Mit dem fallenden Ölpreis haben auch viele Derivateanleger Geld verloren. Calls mit Strikes um 150 Dollar haben sich massiv verbilligt, Tracker auf Rohölfutures wie LCOEU oder OILOE machten den Preiszerfall von 147 auf 112 Dollar ungebremst mit, bevor sich die Preise aufgrund der Spannungen im Kaukasus zwischen Georgien und Russland stabilisiert haben. Denn laut den Analysten von Wellington West fliesst durch die Pipeline in Georgien täglich 1 Mio Barrel Öl pro Tag, ein Neunzigstel des Welt-Gesamtverbrauchs.

Hegde-Fonds rochen Lunte

Aber es gibt bereits Profiteure des Preissturzes. Hedge-Fonds rechnen offenbar mit weiter fallenden Erdölpreisen. Zwar sind die spekulativen Verkaufspositionen noch klein, aber sie stehen in starkem Kontrast zu den grossen, spekulativen Kaufpositionen, die zwischen August 2007 und Juni 2008 bei bis zu 140 000 Kontrakten lagen. Die Verschiebung des Interesses hat sich bereits auf die Nachfrage bei Warrants ausgewirkt: Bei den Dezember-Scheinen auf die in London gehandelten Brent-Sorten oder die an der Nymex in New York gehandelten WTI-Öle entfiel der Grossteil des Umsatzes auf Puts mit Ausübungspreisen zwischen 95 und 115 Dollar.

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Kritische Schwellen weit weg

Auch beim Gold ist die spekulative Luft – wenigstens vorläufig – entwichen. Weil der Euro gegenüber dem Dollar fällt, verblasst laut den Analysten der Société Générale der Glanz des gelben Metalls als Schutz gegen die Inflation. Die aktuellen Notierungen liegen mit 785 Dollar mehr als ein Fünftel unter dem Höchststand bei der «magischen» 1000-Dollar-Marke. Goldpreis-Tracker wie GOLDK oder XAUOE, die in diesen Tagen teilweise Umsätze über der Millionengrenze verzeichneten, fielen eins zu eins mit dem gelben Metall. Und liquide Calls wie XAUUF bzw. XAUUH verloren bis zu 85%.

Laut den Analysten der Citigroup, die sich auf die Daten des World Gold Councils und der Londoner Edelmetall-Researchboutique GFMS abstützen, gab es im 2. Quartal zwar eine schwächere, aber dennoch weiter bestehende Nachfrage von institutionellen Investoren. Auch die Goldverarbeiter kaufen wieder etwas ein, nachdem die Nachfrage im 1. Quartal aufgrund der Rekordpreise praktisch zum Erliegen gekommen war. «Aktuell arbeiten sowohl die Gewinnmitnahmen von Anlegern als auch die saisonal schwache Nachfrage gegen das Gold», kommentieren die Citigroup-Analysten. Für die Zeit bis 2010 erwarten die Analysten Durchschnittspreise von 950 Dollar (für 2009) und 1000 Dollar für das Folgejahr.

Derivateanleger haben inzwischen sowohl beim Rohöl als auch beim Gold die Qual der Wahl. So sind ein Dutzend Bonus-Zertifikate auf Rohöl erhältlich, und bei drei dieser Produkte dürfte die kritische Schwelle, wo sich das Produkt in einen Preistracker verwandelt, kaum erreicht werden, weil diese Barrieren immer noch deutlich unter den aktuellen Preisen liegen. Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, finden zudem die vier Kapitalschutzprodukte unter den Tickern OILXL, LCOXD, BRTCP und LCOXE mit Schutzniveaus zwischen 63 und 131 Dollar.

Beim Twin-Win-Produkt TWNEA, das seine Grenzen bei 91 und 140 Dollar hat, markieren die gegenwärtigen Notierungen genau die Mitte – und damit das Niveau, bei dem Anleger kaum etwas von dieser Struktur haben. Investoren profitieren hier erst, wenn die Preise (per Verfall) in der Nähe der Barrieren, aber nicht darüber bzw. darunter liegen.