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Ausblick
«Prosit Neujahr, die Finanzmärkte feiern sich selber!»

Wall Street
Wall Street: Rekordserie trotz «Trumpeltier».Quelle: Keystone

Mario Geniale glaubt an ein solides Börsenjahr 2018. Auf die Zentralbanken sei Verlass, so der Investprofi der Banque CIC.

Von Julia Fritsche
am 22.12.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Mario Geniale*: Prosit Neujahr, die Finanzmärkte feiern sich selber! Trotz den vielfältigen (geo-) politischen und wirtschaftlichen Stolpersteinen im Verlaufe des Jahres haben sich die Aktienbörsen von der einen zur nächsten Rekordmarke gehangelt. Die globale Hausse wird nach wie vor von der insgesamt «lockeren» Geldpolitik der führenden Zentralbanken breit abgestützt. Zunehmend ins Rampenlicht setzt sich der Bitcoin. Nicht zuletzt dank der Kotierungen an der CBOE und CME hat sich die «Goldgräberstimmung» für die Kryptowährung akzentuiert.    

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die SNB hat in ihrer jüngsten Lagebeurteilung den Daumen summarisch nach oben gedreht, was die Finanzmärkte wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Im kurzfristigen Fokus stehen vor dem Jahreswechsel allerdings mehr die abflauende Handelstätigkeit und die altbekannten Window-Dressing-Aktivitäten sowie die Neupositionierung zu Beginn des neuen Jahres. Kurz zusammengefasst: Wir erwarten ein «Treten an Ort».

Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Der Ausblick für 2018 ist wie ein «Déjà-vu». Die Zinssätze in Europa bleiben im Keller und die meisten grossen Finanzhäuser sagen ein weiteres solides Börsenjahr voraus. Auch das SECO ist optimistisch und hat jüngst die BIP-Prognose für die Schweiz von 2 Prozent auf 2.3 Prozent angehoben. Schliesslich liegen die Konsensschätzungen für das SMI-Gewinnwachstum für 2018 bei über 15 Prozent. Trotz dieser insgesamt rosigen Aussichten brechen wir nicht in Euphorie aus. Der SMI kann zwar die 10‘000-Marker knacken, aber die historisch hohe Marktbewertung und die beträchtlichen geo- und handelspolitischen Unsicherheiten stellen ein substantielles Rückschlagpotential dar.

Was haben Sie aus dem Börsenjahr 2017 gelernt?
Auf die Zentralbanken ist Verlass! Das Duo Draghi-Yellen hat mit einer ultra-expansiven beziehungsweise mit hinausgezögerten Zinserhöhungsrunden die Anleger auf dem Börsenhöhenflug begleitet und jegliche Unwägbarkeiten und Risiken aus dem Weg geräumt. Eine zweite wichtige Erkenntnis: Ein «Trumpeltier» im Porzellanladen bedeutet nicht zwangsweise einen Totalschaden. Dem Twitter-wütigen US-Präsidenten sind die Flügel sowohl aus innen- wie auch aus aussenpolitischer Sicht ziemlich gestutzt worden. Ausserdem haben (geo)politische Risiken die Märkte nur kurz oder überhaupt nicht interessiert. Vielleicht wird sich dies im 2018 ändern?!  

Die US-Steuerreform steht kurz vor dem Abschluss. Wo könnten Auswirkungen der Reform auch hierzulande zu spüren sein?
Die US-Steuerreform ist praktisch unter Dach und Fach. Es fehlt formell nur noch die Unterschrift von US-Präsident Donald Trump. In Umrissen sind die Auswirkungen soweit erkennbar, dass man sagen kann, Corporate America wird von den vorgesehenen Steuererleichterungen (Senkung des Unternehmenssteuersatzes von 35 Prozent auf 21 Prozent)  profitieren. Inwieweit global aufgestellte US-Unternehmen ihre Erträge repatriieren werden und demzufolge weniger Steuersubstrat im Ausland anfällt, bleibt schwierig abzuschätzen. In der Tendenz wird der Standort Schweiz mit gewissen Abflüssen rechnen müssen. Deren Effekt wird jedoch nicht wirklich tiefgreifend sein. Allerdings wird mit der US-Steuerreform der Steuerwettbewerb generell neue Impulse erfahren, was die Schweiz mit Blick auf die noch unausgegorene Unternehmenssteuerreform erneut unter Druck setzen wird.

Bitcoin ist in aller Munde. Vielen erscheint der Hype zu riskant, die Blockchain-Technologie überzeugt sie aber. Welche Anlagemöglichkeiten gibt es dafür?
Neben einem Kauf von Bitcoin gibt es seit kurzem weitere Möglichkeiten, ein Bitcoin-Exposure zu bekommen. Vor einigen Wochen wurden die ersten Bitcoin-Futures lanciert und zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die ersten Bitcoin-ETFs auf den Markt zu bringen, während ein ETN auf Bitcoin-Basis den Anlegern bereits seit 2015 zur Verfügung steht. Trotz des kürzlich polierten Images, bleibt Bitcoin ein sehr volatiles Asset. Zentralbanken sind nicht gerade bestrebt, die Kontrolle über ihre Geldpolitik aufzugeben. Einher mit den zu erwartenden strengeren Massnahmen zur Regulierung gehen naturgemäss Schocks auf den Preis des ohnehin schon stark schwankenden Vermögenswertes.

Die Titel von Berkshire Hathaway knackten die 300’000-Dollar-Marke. Was liegt noch drin bei Warren Buffetts superteuren Aktie? 
Berkshire Hathaway umfasst über 80 bilanzstarke Unternehmen. Dabei setzt Warren Buffett als Verfechter des «Value Investing» auf konstant hohe Ertragskraft und Finanzreserven. Ähnlich einem Fonds ist man mit Aktien von Berkshire Hathaway in ein diversifiziertes Firmenportfolio investiert. Darunter befinden sich auch nicht-kotierte Unternehmen, zu welchen private Investoren für gewöhnlich keinen Zugang haben. Dass die Aktie mit einem Kurs um 300‘000 Dollar die teuerste Stückaktie der Welt ist, liegt auch daran, das sie nie gesplittet wurde. Aufgrund der soliden Rentabilität und sehr hohen Barmitteln für potentielle Akquisitionen besitzt die Aktie weiteres Aufwärtspotential.

* Mario Geniale ist als Chief Investment Officer verantwortlich für die Anlagepolitik der Banque CIC (Suisse). Der diplomierte Vermögensverwalter und Finanzexperte verfügt über langjährige Erfahrung im Portfolio Management und Advisory.

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