Die Umgebung ist vollgepfercht mit gigantischen Industrielagerhallen. Und mitten durch das Quartier brausen die Laster und Personenwagen über die Athener Stadtautobahn. In dieser tristen Gegend wohnt der schwerreiche griechische Unternehmer Lavrentios Lavrentiadis. Zumindest offiziell. Auf den Handelsregistereinträgen seiner drei Zürcher Firmen steht als Adresse Stamatakis-Strasse Nummer eins.

In der Schweiz hatte der griechische Unternehmer des Jahres 2006 und Shootingstar der nationalen Wirtschaft grosse Pläne. Er wollte im Zürcher Finanzzentrum eine eigene Bank eröffnen. Die ersten Schritte dazu waren bereits eingeleitet. Doch nun ist fraglich, ob Lavrentiadis seine Pläne tatsächlich noch umsetzen kann. Denn seit letzter Woche steht er im Zentrum eines riesigen Skandals um die Athener Proton Bank.

Das kleine Geldinstitut soll einzig dazu da gewesen sein, um die Firmen aus Lavrentiadis’ Universum mit billigem Geld zu versorgen und Vermögen des Managements ins Ausland zu schaffen, so der Vorwurf der griechischen Staatsanwälte. 700 Millionen Euro sollen so abgeflossen sein, seit Lavrentiadis 2009 bei der Proton Bank einstieg. Dies wiegt umso mehr, als das Institut vor wenigen Wochen verstaatlicht werden musste. Über 900 Millionen Euro musste die Regierung einschiessen. Lavrentiadis bestreitet die Vorwürfe.

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Die Affäre weitet sich jedoch nach und nach zu einem der grössten Wirtschaftsskandale Griechenlands aus. Das wirft auch Schatten auf die Schweizer Geschäfte des ehemaligen Waschmittelunternehmers, dem inzwischen ein ganzes Konglomerat an Firmen gehört – samt Fussballverein und Restaurantkette.

Nie über Konzeptphase

Am 19. Januar liess Lavrentiadis die ZVM Generation Wealth in das Zürcher Handelsregister eingetragen. Aus ihr hätte dereinst die eigene Schweizer Bank werden sollen. Der Grieche amtete als Verwaltungsratspräsident und Inhaber. Im Herbst 2010 schon hatte er das Aktienkapital von 100000 Franken bei der Zürcher Kantonalbank einbezahlt. Und im Februar zuvor wurde mit der Kronos Investment Limited eine Vorläufer-Holding gegründet und vom Unternehmer mit 2 Millionen Franken Kapital ausgestattet. Auch das wurde bei der ZKB hinterlegt. Mit an Bord als ZVM-Verwaltungsratsmitglied war der Zürcher Finanzunternehmer Richard «Rico» Baumgartner. «Die Gesellschaft wurde niemals aktiv», sagt er über die ZVM.

Über die Konzeptphase kam das Finanzinstitut jedoch nie hinaus. Die ersten Vorwürfe gegen Lavrentiadis und seine Proton Bank tauchten im August dieses Jahres auf. Damit war die Idee einer eigenen Bank gestorben. Wenn jemand so im Fokus stehe, könne er keine Bank in der Schweiz aufmachen, heisst es in der Branche. Wahrscheinlicher ist darum, dass die Firmen liquidiert werden.

Lavrentiadis hatte schon zuvor Beziehungen in die Schweiz. Privatbanker Maurizio Genoni kennt den Unternehmer seit Jahren. Genoni steht hinter dem Zürcher Vermögensverwalter Lamda Private Wealth und der Liechtensteiner Lamda Privatbank. Erster Kunde, Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident der Vaduzer Lamda Bank war Lavrentiadis. Genoni stellt klar: «Es sind niemals Gelder von der Proton Bank zu uns geflossen.»

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Nähe zu Lavrentiadis könnte sich negativ auswirken

Der griechische und der Schweizer Banker pflegen seit Jahren engen Kontakt. Der griechische Buchstabe Lamda als Firmenname ist darum kein Zufall. Der Banker machte sich mit seinem Team vor zwei Jahren auf Anraten und mit der Unterstützung von Lavrentiadis selbstständig und sorgte damit im Fürstentum für Aufsehen. Es war die erste Neueröffnung einer Bank in Liechtenstein seit langem. Zudem hat sich die Bank einer Weissgeldstrategie verschrieben. Wegen der Ermittlungen sorgt man sich nun aber um den Ruf.

Die Nähe zum einstigen Vorzeigeunternehmer Lavrentiadis könnte sich nun negativ auswirken. Dem versucht Lamda-Chef Genoni entgegenzuwirken: «Wir informieren die Behörden aktiv.» Als im Sommer erste Gerüchte über den griechischen Teilhaber die Runde machten, hat er sofort den Kontakt zur Liechtensteiner Finanzmarktaufsichtsbehörde gesucht. Auch dort beobachtet man die Entwicklung. Die Behörde erhielt aber bislang keine Anfragen bezüglich Amtshilfe aus Griechenland, so ein Sprecher.

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