Während bei den Börsengängen das Parkett leer bleibt, häufen sich die Emissionen am Anleihenmarkt: Der Life-Pharma-Konzern Lonza und der Stellenvermittler Adecco haben kürzlich angekündigt, neue Bonds zu emittieren. Alessandro Bee, Ökonom der Bank Sarasin, wertet die verstärkte Emissionstätigkeit als positives Signal. «Es zeichnet sich eine gewisse Entspannung auf dem Primärmarkt ab», so Bee.

Die Anzeichen, dass sich die wirtschaftliche Lage aufhellt, mehren sich. «Die zurückgehenden Kreditspreads werden von Unternehmen genutzt, um sich günstiger zu refinanzieren», sagt Bee. Auch Investoren können von den verbesserten Bedingungen profitieren. Der Rückgang bei den Kreditrisikoprämien und die damit tieferen Zinsen machen Schweizer Bonds attraktiver. Die Experten gehen davon aus, dass Unternehmensanleihen in den nächsten Monaten von der zunehmenden Risikobereitschaft profitieren können. Vor allem hochqualitative Anleihen könnten auf der Gewinnerseite stehen. Noch rät Bee zu defensiven Sektoren wie Telekom und Versorger, sollten sich, die Märkte aufhellen, lohnt es sich, vermehrt auch in zyklischere Anleihen anzulegen.

Pfandbriefe stützen

Karsten Linowsky, Bondstratege der Credit Suisse, hält einen starken Anstieg der Zinsen bei langlaufenden Anleihen für möglich. Die Credit Suisse empfiehlt daher Bonds mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren. Bei längeren Laufzeiten sei das Risiko für Zinsaufschläge zu gross. Interessante Anleihen seien nicht nur in der Schweiz, sondern auch im europäischen Raum zu finden. Für US-Bonds sieht die CS hingegen grosse Zinsrisiken, zudem könnte die US-Währung schwächer werden. Die Stimmung an den Märkten könnte sich in den nächsten Wochen weiter aufhellen. «Die Pfandbrieftransaktionen können zu einer Entlastung bei den Bankenbilanzen und damit auch einer Entspannung am Interbankenmarkt beitragen», sagt Linowsky, «wie gross der Effekt dann sein wird, ist schwierig abzuschätzen.» Die Lage bei Anleihen aus dem Finanzbereich ist weiterhin unsicher. Der Ausblick ist mit Risiken behaftet. Doch das bedeutet auch, dass gute Renditen möglich sind. «Derzeit scheinen die Anleihen von UBS und Credit Suisse bei den Finanzwerten relativ zur Einschätzung ihrer Bonität als tendenziell eher zu billig», sagt Roman Sorg, Bond-Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Das gilt gegenwärtig auch für Anleihen einiger Industriewerte. Eher teuer sind die Obligationen von Kantonen und Energieerzeugern. «Deren Kurse wurden aufgrund des Bedürfnisses nach sicheren Anlagen zuletzt nach oben getrieben», sagt Sorg. Auch im deutschen Pfandbriefmarkt sieht er gewisse Einstiegsmöglichkeiten. Allerdings müssen Investoren, die in diesem Segment eine attraktive Rendite suchen, damit umgehen können, dass die spannenden Pfandbriefe in der Regel von Gesellschaften ausgegeben wurden, die derzeit Belastungsproben ausgesetzt sind.

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Wandler nur selten attraktiv

Wandelanleihen könnten im jetzigen Marktumfeld eine willkommene Abwechslung bieten. Doch die Wandelpreise der vor der Krise emittierten Papiere sind im aktuellen Umfeld meist uninteressant. «Wir sehen derzeit nur wenige attraktive Wandelanleihen», sagt Sorg von der ZKB.