Die Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus: Der Swiss Market Index hat seit Anfang des Jahres über 15% verloren und es gibt überhaupt nur einen Gewinner, welcher der Mehrheit von 19 Verlierern gegenübersteht. Die beste Aktie im Index, Swiss Re, legte fast 7% zu. Sven Bucher, Leiter Aktienresearch bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), erklärt: «Die Aktie wurde im alten Jahr stark gebeutelt. Man sieht jetzt im Kursverlauf, dass sich die grossen Ängste wegen der Kreditkrise nicht in diesem Ausmass bewahrheitet haben.» Mit dieser Performance ist der Schweizer Rückversicherer das einzige Index-Mitglied, das eine positive Performance seit Jahresbeginn aufweist. Nummer zwei und drei, Synthes und Syngenta, verloren 1,1 respektive 2,9%.

Ein wahres Trauerspiel bilden die Schlusslichter im SMI: So rasselte der UBS-Kurs mit deutlichem Abstand zu den zweit- und drittletzten Titeln mit satten 42% in den Keller.

Immobilien schneiden gut ab

Nicht viel besser sieht es beim breiter gefassten Swiss Performance Index (SPI) aus. Auch dieser befindet sich mit –15% im tiefroten Bereich. Die besten Titel im SPI haben jedoch immerhin über 14% zugenommen: Swiss Prime Site (SPS) und PSP Swiss Property heissen die Gewinner. Die Immobilienaktien profitierten von der Marktunsicherheit und von den Zinssenkungen. Nach den Immobilien folgt die Aktie der Berner Kantonalbank mit einem Kursgewinn von 9,7%. «Die Kantonalbanken waren Profiteure der Marktturbulenzen. Sie profitieren von der Schieflage der Grossbanken und davon, keine grosse Auslandexposure aufzuweisen», sagt Patrick Hasenböhler, Aktienanalyst der Bank Sarasin.

Einige Gewinner des 1. Quartals könnten sich durchaus auch für die nächsten Monate als gute Wahl erweisen. «Solange die Marktunsicherheit anhält, sind Boden und Stein sichere Anlagen», denkt Hasenböhler zu den beiden Immobilienwerten. Wenn jedoch die Konjunktur massiv einbreche, könnten die Erträge zurückkommen, warnt er.

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Generell favorisieren die Aktienstrategen für die nahe Zukunft defensive Titel. «Wir gehen im Moment grundsätzlich keine aggressiven Risiken ein», erklärt Christian Gattiker, Aktien- und Strategie-Research bei der Bank Julius Bär. Im Moment präferiert er zudem eher grosse Titel. Einer seiner Favoriten heisst Lonza. «Die Aktie hat sich in den letzten sechs Monaten als eine der robustesten erwiesen», so Gattiker. Ausserdem sei das Unternehmen ideal positioniert und in einem Markt mit Engpässen tätig.

Analyst Bucher hingegen findet auch ausserhalb des SMI einige interessante Kandidaten. Wie etwa Geberit: «Trotz der schwächelnden Baukonjunktur bleibt Geberit wegen seiner vielversprechenden Positionierung spannend. Das Unternehmen ist unbestrittener Branchenprimus bezüglich Margen und Cashgeneration», so der ZKB-Analyst.

Günstige Bewertung hin oder her: Die Verlierer des Quartals – die Finanzwerte – will keiner der befragten Experten zum Kauf empfehlen. Zu wenig Transparenz, zu grosse Unsicherheiten – so lautet der Tenor.

Die Tipps der Experten

• Roche: «Das Pharmaunternehmen wird als eines der wenigen über die nächsten Jahre ungebrochenes organisches Wachstum aufweisen, da es dem Konkurrenzdruck durch Generika wenig ausgesetzt ist», so die Bank Sarasin. Besonders im Onkologiebereich sei Roche mit einer Reihe von innovativen Produkten stark positioniert. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,4 für 2008 ist Roche einen Kauf wert. Dieses Jahr fiel der Aktienkurs um 4,6%. Rund 90% der Analysten empfehlen den Titel zum Kauf.

Holcim: «Das Unternehmen kann vom strukturellen Wachstumstrend profitieren und ist im Infrastruktur-Markt präsent», sagt Gattiker. Die Aussichten in den Emerging Markets seien vielversprechend. Mit einem KGV von 10,3 für 2008 ist die Zementfirma ein Schnäppchen. Seit Januar ist der Aktienkurs – inline mit dem SMI – um 16% gefallen. Knapp zwei Drittel würden Holcim kaufen.

Nestlé: «Die Aktien von Nestlé gehören als defensive Valoren im volatilen Börsenumfeld ins Depot», sagt Hasenböhler. Erst vor kurzem erhöhte der Nahrungsmittelmulti sein Zielband für das organische Wachstum im Geschäftsjahr 2008. «Das beweist, dass die Gesellschaft trotz Widrigkeiten (hohe Rohstoffkosten, Dollar- und Konjunkturschwäche) gut unterwegs ist», so der Sarasin-Analyst.