Die Rohölpreise sind über die 70-Dollar-Marke vorgerückt. Mit verantwortlich dafür ist neben der Konjunktur ein Bericht der Internationalen Energieagentur IEA, der vor ernsthaften Engpässen in der Rohölversorgung bis 2030 hinwies. Weil immer mehr Ölfelder ihr zyklisches Fördermaximum überschritten hätten, müssten jetzt in rascher Folge neue Felder erschlossen werden.

Ruhiger rollen mit Benzin

Wenn dieses Szenario eintrifft, dürften die Rohölpreise diese Verknappung vorwegnehmen, zumal der dramatische Preiseinbruch zwischen Juli 2008 und März 2009 sowie die Kreditverknappung viele Länder und Ölförderer dazu bewogen hat, neue Erschliessungsprojekte aufs Eis zu legen. Das lässt einen Einstieg in Öl für Anleger interessant erscheinen. Wenn sie dies über Derivate tun, gilt es jedoch einiges zu beachten.

So das Problem des «Rollens»: Weil die Basiswerte der meisten Retailderivate einzelne Futures sind, die jeweils monatlich verfallen und bei längerfristigen Anlageprodukten «gerollt» werden müssen, entstehen «Rollverluste». Diese kosten, je nach Steilheit der Forwardpreiskurve zwischen 20 und 35% der Gesamtperformance. Alternativen sind der Kauf eines Calls auf einen bestimmten Future mit einem zeitlich möglichst weit entfernten Verfall. Die an der SIX gelisteten Produkte reichen aber längstens bis Juli 2010. Oder es können Indizes auf den Rohölpreis gekauft werden. Bei diesen werden die Kontrakte jeweils automatisch gerollt.

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Eine nur selten beachtete Alternative zu den Rohölpreisen sind die Preise der Rohöl-Raffinerie-Derivate wie Benzin. Die Benzinpreise waren zwischen 2007 und bis Mitte 2008 stärker gestiegen als die Rohölpreise und haben sich nun seit der Frühlingstrendwende wieder stärker erholt als die Rohölpreise. Damit fallen allfällige Rollverluste, die es auch hier geben kann, weniger stark ins Gewicht. Das widerspiegelt sich in den Preisen von GSLOE und GSBOJ, jeweils in Euro berechnete Preistracker auf den GSCI Gasoline Excess Return Index. Diese kamen in den letzten sechs Monaten auf Preiszuwächse zwischen 25 und 37%. Auch RICRA, der in Dollar berechnet wird, basiert mit dem RICI Enhanced Gasoline Index auf einem vergleichbaren Basiswert und stieg seit Februar um ein Viertel. Neben diesen Produkten auf den Benzinpreis gibt es weitere Papiere, welche die Besonderheiten der Erdölverarbeitung ausnutzen. Im letzten Jahr hatten Raffinerien eine Menge Geld mit der Umwandlung billiger, schwerer Rohöl-Sorten in ihre leichteren Derivate verdient.

«Crack»-Preise nicht nachhaltig

Damit sei es jetzt vorbei, glauben die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch: So ist die Spanne zwischen verarbeitetem Schweröl und leichtem Benzin, die sogenannte «Cracks», Anfang August um 16% angestiegen.

Folgt man den Analysten, ist die Höhe dieser Cracks kurz- und mittelfristig nicht nachhaltig, weil die Raffinerien niedrige Auslastungsstände aufweisen und zudem ausreichend Benzin sowie Diesel auf dem Markt sind. Es gibt mit CRACK ein in Dollar denominiertes Produkt, das diese Differenzen ausnutzt. Dieser Put legte aufgrund der fallenden Differenz zwischen dem von CMCI berechneten Benzin- und WTI-Rohölpreisindex in den letzten sechs Monaten 25% zu.