Mittlerweile konkurrieren in Deutschland drei Rating-Angebote um die Gunst der Anleger: Die European Derivatives Group (EDG), das Institut für Zertifikate-Analyse (IZA) sowie Scope. Der Deutsche Derivate-Verband DDV liess diese drei Ratings durch die Finanzexperten der Berliner Humboldt-Universität miteinander vergleichen. Das Fazit: Bei Unterschieden in Details haben diese Ratings insgesamt eine hohe Qualität, sie leisten einen zentralen Beitrag zur Transparenz und Vergleichbarkeit von Zertifikaten und böten Anlegern gute Grundlagen für ihre Investitionsentscheide.

Anlegern stehen damit drei Quellen zur Verfügung, die sich gut ergänzen und gelegentlich überlappen. Gerade bei exotischen Nischenbereichen, wo ein Rating ganz besonders sinnvoll wäre, werden zum Teil auch keine Ratings vorgenommen, da die hoch standardisierten Verfahren bei 300000 Produkten an ihre Grenzen stossen. Das EDG-Rating basiert auf fünf Komponenten: Kosten, Handel, Emittentenbonität, Informationsangebot und Risiko-Nutzen-verhältnis eines Zertifikates. Das Ergebnis des Ratings wird - wie bei den anderen Ansätzen - mit einem Gütesiegel auf der Basis von Sternen verarbeitet, wobei die Skala von null bis fünf reicht.

Das IZA ergänzt diese fünf Faktoren um weitere Komponenten. Scope stützt sich dagegen auf drei Merkmale ab: Das Chancen-Risiko-Verhältnis, die Handelsqualität eines Zertifikates und die Bonität des Emittenten. Seit einem Dreivierteljahr haben auch Privatinvestoren unter der Webseite www.scope-zertifikate.de Zugriff.

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Schlechte Produkte - Höchstnote

Die deutsche Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat diese Ratings als nur teilweise geeignet eingestuft. Die Produkte würden nur relativ zu anderen, vergleichbaren Zertifikaten bewertet, das helfe aber wenig, wenn alle Produkte gleichermassen ungeeignet wären. Und auch schlechte Produkte würden so die Höchstnote von fünf Sternen erreichen. In der Schweiz gibt es keine vergleichbaren Ratings. «Der SVSP begrüsst alle Vorstösse, um mehr Transparenz herzustellen und dem Anleger nützliche Tools für die Analyse in die Hand zu geben», sagt Eric Wasescha, Geschäftsführer des SVSP, «selber wird der Verband keine Ratings publizieren, oder ein bestimmtes Rating unterstützen. Der Grund liegt zum einen darin, dass wir keinen der verschiedenen Ansätze präferieren möchten, zum anderen erachten wir den Verband als Emittentenvereinigung definitiv als falschen Absender. Ratings sollten nicht von dem bezahlt werden, der gerated wird, auch das eine Lehre aus der aktuellen Finanzkrise.»

«Handarbeit» nicht ersetzbar

Anleger, die ihre Produkte vergleichen möchten, können dies aber relativ einfach anhand von Webseiten wie payoff.ch vornehmen, die Produkte aller Emittenten zu bestimmten Basiswerten auflisten. Bei dieser Seite ist es möglich, Produkte nach den einzelnen Kriterien zu sortieren und die SMI-Calls mit den engsten Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreisen) oder höchstem Handelsvolumen am aktuellen Tag oder den letzten fünf Börsentagen zu ermitteln.

Das Fazit: Auch Ratings ersetzen nicht die «Handarbeit», die für die Auswahl des geeigneten Produktes erforderlich ist. Nicht immer brauchbare, hochkomplexe Produkte können hohe Sternzahlen erhalten. Sehr gut funktioniert hingegen der umgekehrte Ansatz, diese Ratings als Ausschlusskriterien zu verwenden: Von Produkten, die wenige Sterne erhalten, können Anleger beruhigt die Finger lassen.