Teilweise über 3% legte der Aktienkurs von Richemont nach Bekanntgabe der Resultate von British American Tobacco (BAT) zu. Der Anlass für die Kursavancen: Der Luxusgüterkonzern Richemont ist mit knapp 20% an BAT beteiligt. Dem britischen Tabakunternehmen und der gleichzeitigen Nummer zwei weltweit gelang es, die Markterwartungen beim Ebit um 5% und beim Gewinn pro Aktie um 4% zu übertreffen. Für die guten Zahlen ist in erster Linie die starke Performance der Premiummarken verantwortlich. «Im Gegensatz zur westlichen Welt, wo günstige Marken im Aufwind sind, herrscht in den Emerging Markets ein Trend hin zu Erstklassmarken», sagt Pascal Rohner, Analyst bei der Credit Suisse. Und gerade dort sei BAT sehr gut positioniert.

Seit längerem ist bekannt, dass Richemont einen Spin-off von BAT anstrebt. Die Beteiligung entspricht derzeit rund 42% der Börsenkapitalisierung von Richemont. «Wenn diese verkauft wird, könnte es zu einem vorübergehenden Aktienüberhang kommen», schätzt Rohner. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2009 wird auf 14,7 geschätzt, was einer Prämie von 10% zum Markt entspricht. Gut die Hälfte der Analysten würde den Titel kaufen.

Rauchverbote wenig Einfluss

Auf der politischen Agenda sind Rauchverbote in Restaurants und im öffentlichen Raum international im Vormarsch. Der Tabakindustrie haben sie bisher keinen Wachstumseinbruch beschert. Der CS-Analyst ortet lediglich einen «kleinen und temporären Einfluss» auf den Umsatz. Schliesslich sei die Nachfrage relativ unelastisch. Ausserdem könnten die zwar rückläufigen Totalvolumen durch Preiserhöhungen überkompensiert werden, erläutert Rohner. «Es herrscht eine positive Preisdynamik am Markt», fasst er zusammen.

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Konsolidierung im Gange

In der Tabakindustrie wird indes fleissig ge- und verkauft. Ende März hat der amerikanische Tabakkonzern Altria seine Tochterfirma Philip Morris International (PMI) abgespalten und an die Börse gebracht. Seither steigerte sich die PMI-Aktie um 5%. Von zwölf Analysten empfehlen zehn den Titel zum Kauf. PMI ist Marktführerin in der Tabakindustrie und unter anderem Besitzerin von Marlboro, der Nummer eins der Zigarettenmarken weltweit.

Zugekauft hat jüngst Imperial Tobacco, Inhaberin der Marken West und Davidoff. Die Übernahme der spanischen Altaris im April führt laut Rohner zu Synergien, welche mit Blick auf den Kurs jedoch eher eine «kurzfristige Geschichte» seien. Das KGV für 2009 schätzt er auf 13,6. «Aus Bewertungsgründen präferieren wir derzeit Imperial Tobacco. Längerfristig hat BAT wegen des Emerging-Markets-Exposure grösseres Wachstumspotenzial.»

Wenn die Märkte infolge Bankenkrise und Rezessionsängsten schlecht laufen, profitiert das Geschäft mit der Nikotinsucht von der unelastischen Nachfrage und dem dadurch defensiven Charakter. «Die generellen Aussichten für den Tabakmarkt sind positiv», sagt der CS-Analyst.

Cytos entwickelt Impfstoff gegen die Nikotinsucht - die Aktie ist nach dem Kursrückgang günstig zu haben

Trotz Präventionskampagnen und Rauchverboten: Der Anteil der Raucher an der Schweizer Bevölkerung lag 2007 unverändert bei 29%. Hilfe für alle, die dem Laster abschwören wollen, will das Biotech-Unternehmen Cytos bringen. Die Firma mit Sitz in Schlieren (ZH) fertigt einen neuartigen Impfstoff zur Behandlung der Nikotinsucht. Gemäss UBS-Analysten dürfte das erste Produkt NIC002 im Jahr 2011 am Markt eingeführt werden. Im April 2007 wurde NIC002 exklusiv an Novartis auslizenziert. 80% der Analysten empfehlen die Aktien zum Kauf. Die Bank Vontobel sieht das Kursziel bei 198 Fr. Nur 65 Fr. muss man derzeit bezahlen: Seit Jahresbeginn hat der Titel nämlich 23% verloren. (maj