Herr Schloter, haben Sie aufgrund der Finanzkrise persönlich Geld verloren?

Carsten Schloter: Ich bin nur in Swisscom-Aktien investiert.

Also haben Sie Geld verloren. Der Kurs gab letztes Jahr um rund 20% nach.

Schloter: Das stimmt, relativ zu vielen anderen sind aber Swisscom-Aktionäre deutlich weniger exponiert.

Auch der Kurs von Fastweb geht seit dem Einstieg von Swisscom nur bergab.

Schloter: Die Fastweb-Aktie hat sich im Einklang mit dem italienischen Börsenindex MIB entwickelt. Mit der operativen Leistung hat dies jedoch wenig zu tun. Damit sind wir sehr zufrieden.

Hat Fastweb 2008 definitiv mehr Cashflow zugunsten der Swisscom generiert, als Sie für die Verzinsung des eingesetzten Kapitals ausgeben mussten?

Schloter: Das ist so, der operative Cashflow lag in den ersten drei Quartalen bei 242 Mio Fr.

Also wird es keine ausserordentlichen Abschreibungen wegen Fastweb geben?

Schloter: Ich rechne nicht mit Abschreibungen ausser Plan.

Sie haben bereits letzten Dezember in der «Handelszeitung» einen weiteren Preiszerfall angekündigt. In der Zwischenzeit ist die Konkurrenz mit neuen Billigangeboten vorgeprescht. Zieht die Swisscom nach?

Schloter: Natürlich werden wir unser Angebot anpassen, auch wenn wir dabei nicht 1:1 das Gleiche machen wie unsere Konkurrenz. Aber die rund 500 Mio Fr. Umsatz oder etwa 5%, die wir Jahr für Jahr in der Schweiz aufgrund von tieferen Preisen einbüssen, dürften dieses Jahr noch übertroffen werden.

Mit wie viel weniger Umsatz wegen tieferer Preise haben Sie denn budgetiert?

Schloter: Wir haben eher konservativ budgetiert. Aber es gibt auch Chancen. So ist man in einer Krise eher bereit, mit gewissen heiligen Kühen ins Gericht zu gehen.

Welche heiligen Kühe sind das bei der Swisscom?

Schloter: Dinge, die man aus Gewohnheit auf eine gewisse Art und Weise einfach macht. Das stellt man leichter in Frage als ohne Krise.

Konkret?

Schloter: Jeder Franken, den man ausgibt, hat einen unterschiedlichen Nutzen. Es gibt Ausgaben, deren Nutzen sich unmittelbar messen lässt. Und dann gibt es Franken, da muss man sich die Frage stellen: Bringt das wirklich etwas?

Spielen Sie aufs Werbebudget an?

Schloter: Ja, 2009 wird unser Werbebudget eher geringer sein als im letzten Jahr, weil wir damals Bereiche zusammen- und Swisscom als Monomarke eingeführt haben, was Einmalkosten zur Folge hatte. 2009 fallen diese Einmalkosten weg, die Einsparungen dagegen bleiben.

Sie haben sich unzufrieden über die Swisscom-Werbung geäussert. Was werden Sie ändern?

Schloter: Wir brauchen einen roten Faden in der Werbung, der über das Logo hinausgeht. Im Augenblick ist jeder Swisscom-Spot eine Neuerfindung. Hier können wir die eingesetzten Mittel noch optimieren. Was ich mir vorstelle, sehen Sie bei Firmen wie Nespresso oder Mobiliar. Der Kunde weiss sofort, um welche Firma es sich bei den Spots handelt.

Welche Folgen hat die Finanzkrise auf die Konkurrenzsituation im Schweizer Telekommarkt?

Schloter: Die Krise trifft vor allem Firmen, die hoch verschuldet sind. Für sie ist eine Refinanzierung, wenn sie denn überhaupt noch möglich ist, deutlich teurer geworden. In der Schweiz gibt es einige Mitbewerber, die zu Konzernen gehören, die hoch verschuldet sind. Das kann dazu führen, dass eine Marktkonsolidierung, die ohnehin stattgefunden hätte, etwas schneller kommt.

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Ist der Schweizer Telekommarkt noch attraktiv?

Schloter: Der ist sehr attraktiv, wenn wir den Cashflow bei Sunrise oder bei Orange mit den Werten von Anbietern in Deutschland oder Italien vergleichen. Fastweb hat acht Jahre gebraucht, um einen positiven Cashflow zu erwirtschaften. Orange und Sunrise erwirtschaften nicht erst seit diesem Jahr einen positiven Cashflow, sondern seit Jahren. Natürlich kann man immer sagen, dieser Cashflow müsste noch höher sein ?

? vor allem, wenn man den der Swisscom anschaut.

Schloter: Zu sagen, dass die Rentabilität der Kleinen gesetzlich auf das Niveau der Grossen reguliert werden müsste, ist allerdings Irrsinn. Denn die Kleinen investieren ja auch viel weniger und gehen damit weniger Risiken ein. Das grosse Investitionsrisiko der Schweiz geht die Swisscom ein, die anderen nutzen in vielen Bereichen dann unsere Infrastruktur. Aber solche Investitionen lohnen sich nicht immer, deshalb ist es legitim, dass Unternehmen, die investieren, auch eine höhere Marge haben.

Also jammert die Konkurrenz auf sehr hohem Niveau?

Schloter: Die Forderungen nach mehr Regulierung sind eine ganz normale Sache, das macht jeder alternative Anbieter. Es stellt sich aber die Frage nach der richtigen Balance. Wenn man alternativen Anbietern die Garantie geben würde, dass alle eine neue Infrastruktur - zum Beispiel Glasfaser - nutzen dürfen, ergibt sich die Situation, wie wir sie in Deutschland erleben. Jeder lehnt sich zurück und wartet.

In der Schweiz findet dafür beim Glasfaseraufbau ein Wettrüsten zwischen der Swisscom und den Elektrizitätswerken (EW) statt. Macht das Sinn?

Schloter: Dieses Wettrüsten gibt es in der Stadt Zürich derzeit nur in einem einzigen Quartier. Das buche ich unter Säbelrasseln ab. Wenn wir es intelligent machen, werden die EW und Swisscom künftig 80% der Investitionskosten teilen können.

Momentan sieht es aber nicht nach einer Einigung aus.

Schloter: Es findet eine Annäherung statt. Auch EW sagen heute, das Mehrfasermodell, wie es Swisscom propagiert, sei eine gute Lösung. In Frankreich beispielsweise wird es vom Regulator empfohlen.

Welche Produkte, für die Privatkunden Glasfaser brauchen, lancieren Sie?

Schloter: Erste Angebote kommen bis Mitte Jahr. Nehmen Sie zum Beispiel Youtube: Die Videos sind teilweise unscharf und ruckeln. Aber nicht, weil die Betreffenden schlechte Aufnahmen gemacht hätten, sondern weil die Bandbreite der Netze nicht genügt. Wenn die Netze leistungsfähiger werden, müssen die Daten nicht mehr komprimiert werden. Aber auch beim Fernsehen gibt es neue Möglichkeiten. Flachbildschirme werden immer grösser, da brauchen Sie mehr Auflösung.

Mitten im Glasfaseraufbau will der Bundesrat, dass der Gesetzgeber mehr Macht erhält, und schlägt vor, das Fernmeldegesetz wieder zu ändern. Ihre Meinung?

Schloter: Ein solcher Schritt wäre nicht ohne Risiko. Bei einer Revision des Fernmeldegesetzes wird jeder Anbieter die Chance sehen, seine Anliegen einzubringen. Dann beginnt ein Pokerspiel. Denn nirgends kann man im Telekommarkt so viel Geld bewegen wie mit der Regulierung. Wenn man jetzt beginnt, am Fernmeldegesetz herumzuschrauben, dann schafft man eine Rechtsunsicherheit für die nächsten drei Jahre. Im Widerspruch dazu steht, dass die Politik an anderer Stelle darüber diskutiert, staatliche Investitionsprogramme zu lancieren, um die Krise abzufedern. Und ausgerechnet im Telekombereich, wo mehrere Unternehmen Milliarden investieren wollen, würde man mit einer Revision Unsicherheit schüren. Die Ständeratskommission hat eine entsprechende Motion kürzlich einstimmig abgelehnt und fordert nun über ein Postulat eine Auslegeordnung. Das macht durchaus Sinn.

Wenn alles in bester Ordnung ist: Warum sind die Marktanteile der Swisscom in allen Bereichen so unglaublich hoch?

Schloter: Weil der Preis bei den Kunden nicht die übergeordnete Rolle spielt. Die Verfügbarkeit der Technologie und damit der Service werden immer wichtiger, auch für Privatkunden. Bei Firmen ist ein Ausfall des Netzes heute ein Stillstand des Unternehmens. Das gibt uns die Chance, Kunden durch guten Service zu gewinnen und auch zu halten.

Parallel bauen Sie aber auch Personal ab, weil Sie Kosten senken müssen.

Schloter: Ja, wir haben aber das Glück, dass wir Wachstumsbereiche haben, und so haben wir in den letzten Jahren in der Schweiz netto Stellen geschaffen.

Ein Wachstumsbereich ist alles rund um das iPhone. Hält dieser Hype weiter an?

Schloter: Ganz eindeutig ja. Wir haben bisher rund 170 000 iPhones verkauft. Es läuft noch immer gut.

Täuscht der Eindruck oder ist dank des iPhones die Diskussion um Handy-Antennen etwas in den Hintergrund gerückt?

Schloter: Ja, die öffentliche Diskussion hat etwas nachgelassen. Inzwischen wissen die meisten, dass der Mensch der Strahlung eines Handys stärker ausgesetzt ist als der Strahlung einer Antenne. Dennoch ist es noch immer schwierig, neue Antennen zu bauen. Viele Leute denken sich: Natürlich will ich mobil telefonieren, aber baut bitte die Antenne nicht in meiner Nähe.