Durch den aufkeimenden Optimismus an den Aktienmärkten konnte der Preis für das Barrel Rohöl zuletzt wieder auf 67 Dollar klettern und damit den höchsten Stand seit sieben Monaten erreichen. Und pünktlich mit dem die Umwelt belastenden fossilen Brennstoff gerät auch ein beinahe in Vergessenheit geratenes Anlagethema wieder in den Fokus: Erstmals seit Beginn der Finanzkrise sprechen Marktteilnehmer wieder von Handel mit CO2-Emissionszertifikaten.

Logische Gewinnchancen

Der Treiber der Diskussion sind ausgerechnet die USA: Deren neuer Präsident Barack Obama hat in der vergangenen Woche mit «Cap and trade» dem amerikanischen Kongress ein Gesetz vorgeschlagen, das eine Zuteilung und einen Handel von CO2-Emissionsrechten vorsieht. Das soll der Umwelt helfen, indem der Ausstoss des Gases vermindert wird. Gleichzeitig entstehen daraus für Anleger Chancen, weil die dann gehandelten Rechte langfristig im Preis steigen sollten. «Ein Gut, das nach der Logik des Klimaschutzes immer mehr verknappt werden soll, muss im Preis perspektivisch steigen», sagt Emmanuel Fages, Analyst bei der französischen Grossbank Société Générale (SG) in Paris. Die Grundidee ist, dass Unternehmen bei der Produktion ihrer Waren nur dann CO2 ausstossen dürfen, wenn sie dafür Rechte besitzen. Ein Teil dieser Rechte wird ihnen von den Behörden zugeteilt. Benötigen sie mehr, müssen sie weitere auf dem Markt erwerben, brauchen sie weniger, können sie die überschüssigen verkaufen.

Markt steht in den Startlöchern

Ökonomen loben an diesem Modell, dass es einen marktwirtschaftlichen Mechanismus mit einer klaren Obergrenze für den möglichen Kohlendioxidausstoss einer Volkswirtschaft festgelegt. Zwar werden CO2-Emissionsrechte bereits gehandelt, vor allem in Europa, jedoch ist das Handelsvolumen mit rund 80 Mrd Euro noch relativ bescheiden. Zum Vergleich: Der globale Rohstoffmarkt, auf dem zum Beispiel Eisenerz, Kohle oder Palmöl gehandelt wird, ist mit knapp 11 Billionen Euro rund 130 mal so gross. Experten des in London ansässigen Instituts New Carbon Finance schätzen, dass die Umsätze mit Verschmutzungsrechten bis 2020 auf umgerechnet 1,5 Billionen Euro ansteigen könnten.

Anzeige

«Wir erwarten, dass sich der Handel mit CO2-Rechten zu einem globalen Rohstoffmarkt entwickelt, ähnlich dem Rohölmarkt», sagt Louis Redshaw, der für die britische Grossbank Barclays den Bereich analysiert. Die Aussichten, dass der Kohlendioxidmarkt abhebt, stehen nicht schlecht. Denn nicht nur US-Präsident Obama macht sich für den Handel mit CO2-Emissionsrechten stark.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon bricht für die neue Anlageklasse eine Lanze: «Die klugen Investoren setzen jetzt auf grünes Wirtschaften», sagte er jetzt auf einer Umweltschutztagung in Kopenhagen. Dort soll im Dezember ein Weltklimagipfel stattfinden, der wie seinerzeit Kyoto für Jahre die Standards setzen könnte.

Anleger können profitieren

Investoren sollten sich langsam zu positionieren beginnen. Denn je grösser die Aufmerksamkeit, desto stärker könnten die Preise anziehen. «Bisher sind vorwiegend Hedge-Fonds auf dem Markt für Emissionsrechte unterwegs», sagt SG-Experte Fages. Bis zum Jahresende sieht er noch keine grossen Preissprünge. Doch bereits 2012 könnte der Preis von heute rund 15 Euro pro t CO2 auf dann 37 bis 45 Euro ansteigen. Im Jahr 2020 erwartet Fages sogar Notierungen zwischen 79 und 94 Euro pro t Treibhausgas.

Privatanleger können jetzt bereits im Handel mit Emissionsrechten mitmischen. Zum einen können sie direkt in CO2 mittels eines Endlos-Zertifikats (WKN: AA0G6V) investieren. Das Produkt aus dem Hause RBS hat seit seinem Jahrestief im Februar mehr als 80% am Wert zugelegt. Zum anderen können sie Aktien von Unternehmen herauspicken, die einen unterdurchschnittlichen Ausstoss des Treibhausgases haben. Denn auf diese Firmen werden die geringsten Zusatzkosten (für Emissionsrechte) zukommen. Eine gute Orientierung bietet der Merrill Lynch Carbon Leaders Europe Index.

Das Börsenbarometer, in dem besonders CO2-arm wirtschaftende Konzerne vertreten sind, hat seit Januar 22% zugelegt, der breite Markt für europäische Aktien lediglich 5%. Doch sollte sich die derzeitige Rezession als länger oder tiefer erweisen, könnten Klimaschutzziele über den Haufen geworfen werden: Der Markt für Kohlendioxidrechte würde dann zu den Leidtragenden zählen.