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Regeln allein reichen nicht

Trotz neuer Regulatorien haben einige Banken die Risiken falsch eingeschätzt. Hohe Verluste waren die Folge. Dies zeigt die Grenzen des globalen Regelwerks auf.

Von Roberto Stefano
am 10.10.2007

BASEL II. Die Gewinnwarnung der UBS und die Liquiditätskrise bei der britischen Northern-Rock-Bank haben die Frage der Risikobeurteilung sowie der Eigenmittelhinterlegung bei den Banken wieder einmal ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

Genau diese Themenkreise beschäftigten die Finanzgemeinde indes schon seit Jahren im Rahmen der Revision der Basler Eigenkapitalvereinbarung, kurz Basel II. Diese internationalen Standards schreiben vor, wie Banken ihre Geschäfte mit Eigenkapital zu unterlegen haben. Mit dem Ziel, ein sicheres und stabiles Finanzsystem zu gewährleisten. Basel II hat damit bedeutende Effekte auf das Risikomanagement und die Geschäftspolitik der Banken erhalten. Doch gerade in letzeren Bereichen scheinen die zentralen Konzepte von Basel II in der aktuellen Finanzkrise enttäuscht zu haben.

Pfeiler halten nicht stand

«Basel II hat kurz vor dem eigentlichen Start einen Totalschaden erlitten», ist Finanzwirtschaftsprofessor Hans Geiger von der Universität Zürich überzeugt. Statt die Risiken der Bankgeschäfte besser zu berücksichtigen und deren Eigenmittelunterlegung zu gewährleisten, hätten zwei tragende Pfeiler, auf denen die Basel-II-Standards aufbauen, den Marktgegebenheiten nicht standgehalten. «Die internen Modelle des Kreditrisikomanagements haben versagt, während die externen Ratings, die durch Basel II forciert werden, zum Problem beigetragen haben», ergänzt Geiger.Eine gewisse Mitschuld der Bankenregulierung an der aktuellen Finanzkrise sieht auch Suzanne Ziegler, Professorin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Allerdings aus einem anderen Grund. «Durch die weltweit ähnlichen Standards ist es für alle international tätigen Banken von der Eigenmittelunterlegung her vorteilhaft, Kredite aus den Bilanzen zu nehmen und in Asset Backed Securities und Collateralized- Debt-Obligationen zu verpacken. Über unwiderrufliche Kreditzusagen erhalten die Banken einen Teil der Risiken zurück, müssen diese aber mit weniger Eigenmitteln unterlegen als Kredite, die in der Bankbilanz verbleiben», erklärt die Leiterin des Business-Banking-Bereichs. «Basel II hat aber nicht versagt, die Regulierung hinkt den tatsächlichen Marktgegebenheiten allerdings immer hinterher.»

Ein nützliches Instrument

Kaum einen Einfluss von Basel II auf die Finanzkrise sieht Christian Felix von der Pressestelle der Zürcher Kantonalbank. Das Finanzinstitut hat die Regulatorien bereits umgesetzt. «Basel II hatte darum keine grossen Auswirkungen, weil die ZKB schon vor der Einführung der Richtlinien in ihrer Risikobeurteilung vorsichtig gewesen ist», sagt Felix. Den Vorteil von Basel II sieht er in den klaren Vorgaben, welche die Standards liefern. «Es ist ein nützliches Instrument. Trotzdem muss jeder Fall einzeln geprüft werden.»Alain Bichsel, Kommunikationsleiter der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), sieht ebenfalls keinen direkten Zusammenhang zwischen den neuen Vorschriften und der Finanzkrise. Schliesslich seien die Banken nicht wegen Basel II unter Druck geraten, sondern durch die Geschäftstätigkeit der Finanzinstitute. Zudem seien die Eigenmittel in der Schweiz bei allen Banken ausreichend vorhanden, so Bichsel. Davon ausgenommen sei die Eigenmitteldeckung für Risiken, die nicht in der Bilanz der Finanzinstitute figurieren. Die Forderung der EBK, diese Risiken mit Eigenmitteln abzusichern, wird von UBS und Credit Suisse nicht kommentiert, man pflege aber einen konstruktiven Kontakt mit den Regulatoren.

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