W ährend die Anleger bei Staatsanleihen bereits wieder kalte Füsse bekommen, kann bei Firmenbonds das Risiko und damit die Coupons gar nicht hoch genug sein.

Ensprechend einfach ist es auch für überschuldete Firmen in Europa, an frisches Kapital zu gelangen: Der Automobilzulieferer Continental etwa nutzt die rege Nachfrage nach sogenannten Junkbonds - Schrottanleihen von bonitätsschwachen Unternehmen, die hohe Zinsen bieten.

Emittenten zahlen fürs Risiko

Nachdem der Reifenhersteller bereits im Juli und September bei Investoren insgesamt 1,75 Mrd Euro eingenommen hat, sollen in diesem Jahr noch einmal 1,25 Mrd Euro platziert werden. Die bisherigen Bonds seien «stark überzeichnet» gewesen, erklärt Conti-Finanzchef Wolfgang Schäfer. Der hoch verschuldete Konzern will damit Bankverbindlichkeiten vorzeitig tilgen. Weitere Firmen wie die deutschen Dürr oder HeidelbergCement folgen dem Beispiel. Alle Emittenten eint, dass sie bei den internationalen Ratingagenturen schlechter als mit «BBB» eingestuft werden und damit nicht über eine Bonität höchster Güteklasse verfügen. Im Zuge der Finanzkrise sind viele Firmen in der Bewertung abgerutscht. Für die Anleger signalisiert das ein stärkeres Ausfallrisiko als bei den sogenannten Investment-Grade-Firmen (Ratings von BBB und höher).

Deshalb müssen die Emittenten einen Risikoaufschlag zahlen. Die beiden Conti-Anleihen bieten einen jährlichen Coupon von 8,5 und 7,5% und damit eine viel höhere Rendite als Investment-Grade-Bonds oder gar Staatsanleihen.

Ausfallraten unter 5 Prozent

«Für viele eher bonitätsschwache Unternehmen ist der Anleihenmarkt eine ideale Möglichkeit, sich relativ unkompliziert Fremdkapital zu beschaffen», begründet Andreas Schyra, Investmentberater und Vorstand der SWL Sustainable Wealth Lab AG, die muntere Emissionstätigkeit. «Banken stellen an die Emittenten dagegen für die Vergabe von Fremdkapital höhere Ansprüche.»

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Dass die Unternehmen bei Neuemissionen solcher Hochzinspapiere (High Yield Bonds) keine Coupons mehr von 10% und mehr zahlen wie noch vor 18 Monaten, liegt am gesunkenen Risiko. «Die Ausfallraten bei den Hochzinsanleihen rutschen unter 5%», erwartet Sander Bus, High-Yield-FondsManager von Robeco. 2009 machten laut Fitch mehr als 13% aller Schrottanleihen ihrem Namen alle Ehre und konnten ausstehende Schuldzahlungen nicht begleichen. Auch die Börsen signalisieren, dass sich Investoren mittlerweile mit weniger Rendite zufriedengeben.

Wer die Conti-Bonds über den Zweitmarkt kauft, muss bereits höhere Kurse als bei der Emission bezahlen - und das drückt auf die Rendite. Ohnehin sind die Renditen bei den Junkbonds kräftig gefallen. Lagen sie 2009 noch um 20 Prozentpunkte über denen von Top-Staatsanleihen, ist der Abstand (Spread) auf 8% geschrumpft. Mit einer Durchschnittsrendite von rund 8% über alle Laufzeiten sei der europäische High-Yield-Sektor im Niedrigzinsumfeld nach wie vor attraktiv, so die Investmentfirma Fidelity. Robeco-Manager Bus erwartet in den kommenden zwölf Monaten Renditen zwischen 5 und 10%. «In einer Welt langsamen Wirtschaftswachstums bieten Hochzinspapiere eine gute Möglichkeit zur Wertsteigerung.»

Vetrauen in Ratings ramponiert

Die Mehrheit der Emittenten in Europa kommt aus Branchen wie der Verpackungs-, Luftfahrt-, Papierindustrie und dem Maschinenbau. «Diese entwickeln sich auch bei niedrigem Wirtschaftswachstum solide.» Bus Team bevorzugt europäische High-Yield-Titel im Vergleich zu US-Emittenten, wo zu viele unattraktive Stromversorger zu finden seien.Die Anleiheauswahl ist nicht immer leicht. So verfügt nicht jeder der lukrativen Kandidaten über ein Rating. In der Finanzkrise hat der Glanz der Ratingagenturen Moodys, S&P und Fitch wegen eklatanter Fehleinschätzungen gelitten; Emittenten wie die deutschen Firmen Adidas, Dürr und SAP verzichten daher auf das teure Rating.

Verdoppelung bei Ramschbonds

Die Fondshäuser betonen ihre Unabhängigkeit. «Wir haben in der Krise die unternehmensinterne Bewertung deutlich verstärkt», sagt Bus, der bei den Agenturen auch ein gewisses Glaubwürdigkeitsproblem ausmacht, da «sie von den Unternehmen bezahlt werden, die sie raten».

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Dennoch nehmen die Fondsmanager ungeratete Papiere nur selektiv in ihre Portefeuilles auf. Insgesamt dürfte die Emissionsfreude europäischer Ramschbond-Emittenten anhalten. «Wir rechnen in wenigen Jahren mit einer Verdoppelung des Marktvolumens europäischer High Yield Bonds auf 200 Mrd Euro», schätzt Peter Schuld, High-Yield-Fonds-Manager der Deka.

Derzeit nutzen viele Unternehmen den Markt, um auslaufende Bonds zu refinanzieren. «Damit verbessern sie das Laufzeitenprofil ihres Anleiheportefeuilles und stellen die Finanzierung auf solidere Beine», erklärt Iain Lindsay, Senior-Portfoliomanager im globalen Renten- und Währungsteam von Goldman Sachs Asset Management, diese Strategie. Deshalb sieht Lindsay trotz des aktuellen Booms keine Überhitzungstendenzen.