Australien ist reich an Kohle und Erzen. Die Rohstoffunternehmen des Landes gehören zur internationalen Spitze. So sind BHP Billiton und Rio Tinto die beiden umsatzstärksten Bergbaukonzerne der Welt.

Doch wie die ganze Welt sind die australischen Kumpel von China abhängig. Denn ohne den Heisshunger der Volksrepublik nach Rohstoffen wäre es den Minengesellschaften kaum gelungen, im 2. und 3. Quartal dieses Jahres beim Absatz wieder Tritt zu fassen. So legte die Produktion von Metallen wie Zink, Blei, Nickel, Eisenerz, Kupfer oder Uran zu. Zugleich haben sich die Preise wieder deutlich erholt.

Die Nachfragemacht der Chinesen ist entsprechend gross. «Der Lageraufbau in China ist beendet», sagt BHP-Chef Marius Kloppers. Die bange Frage ist, ob mittelfristig neue Impulse aus Europa, den USA und Indien eine chinesische Abkühlung kompensieren werden. Für die grossen Minenkonzerne ist die Zeit der Aufräumarbeiten deshalb noch nicht vorbei.

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Rohstofftitel sind beliebt

Es geht darum, die aufgeblähten Strukturen auch unter Inkaufnahme von Verlusten zu verschlanken. Ein Prozess, der noch andauert: Der schweizerisch-britische Bergbauspezialist Xstrata etwa kündigte die Schliessung einer Zink- und Kupferschmelzhütte in Kanada an.

«Rohstofftitel sind bei Inves-toren nach wie vor hoch im Kurs», sagt ein Minenanalyst. Selbst in den ärgsten Baisse-Zeiten hatten Unternehmen keine Probleme, im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Aktien zu platzieren. Doch Analysten rechnen nicht damit, dass das Fusionskarussell unter den Grossen in Kürze wieder in Schwung kommt. «Es läuft eher auf Joint Ventures hinaus.»

Auch bei dem vor zwei Monaten gescheiterten Übernahmeversuch von Anglo American durch Xstrata ist die Luft raus. «Veränderung wird bei uns künftig aus eigenen Projekten kommen», beschreibt Xstrata-Chef Mick Davis die neue Wachstumsstrategie. Anders sieht die Situation bei spezialisierten Bergbauunternehmen aus der zweiten Reihe aus. Da tummelt sich eine Vielzahl notierter Minenwerte, die oft nur auf einen Rohstoff konzentriert sind. «Dort dürften Übernahmefantasien mittelfristig eher angesiedelt sein», schätzten Experten.

Rohstoffpreise steigen wieder

Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Rohstoffnachfrage global wieder wächst. «Grosse Rohstoffunternehmen, die über eine bewährte Basis an Reserven verfügen, sind für die Zukunft am besten gerüstet», sagt Kamal Naqvi, Rohstoffexperte von Credit Suisse. Denn der Anstieg der Rohstoffpreise wird langfristig anhalten. «Die Herausforderung für Unternehmen ist, neue Vorkommen zu erschliessen und gleichzeitig die Gewinnmargen zu halten.»Naqvi sieht bei Kupfer und Kohle im Jahr 2010 Preisaufschläge. Während das Metall für Infrastrukturprojekte weltweit wichtig bleibe, könnte die Nachfrage nach Kohle infolge eines wachsenden chinesischen Bedarfs steigen. Die Verfügbarkeit beider Rohstoffe sei zudem begrenzt. In der Alumi- nium- und Nickelerzeugung hingegen existierten mehr als ausreichend Kapazitäten.

«Manche Beobachter schätzen, dass Rohstoffkonzerne im nächs-ten Jahr wieder Preisaufschläge beim Eisenerz von 20 bis 30% durchsetzen könnten», sagt Eugen Weinberg, Chef der Commodity-Abteilung der Commerzbank. Wenn der Aufschwung anhält, ist das nicht ausgeschlossen.