Mit den Sommermonaten steht für Reisehungrige die schönste Zeit des Jahres bevor: Ferien. Auch die Reiseanbieter haben Grund zur Freude sind doch die Monate Juli und August traditionell die stärksten. Und die Aussichten für die Reisebüros sind dieses Jahr recht positiv. «Das Jahr hat gut angefangen», sagt Helvea-Analyst Chris Burger. Bei Kuoni, dem grössten Schweizer Reiseveranstalter, seien die Buchungen bis Mai 11% höher als im Vorjahr ausgefallen. Doch eigentlich spielt das 1. Halbjahr für Kuoni eine eher untergeordnete Rolle. Dank der Feriensaison im Juli und August und Weihnachten würde fast der gesamte Gewinn im zweiten Halbjahr generiert, so Burger.

Energiekosten überwälzen

Den Einfluss der Euro 2008 auf die Buchungen ist umstritten. Gemäss Kuoni-Sprecher Peter Brun seien die Flieger der Günstigmarke Helvetic Tours im Juni sogar besser ausgelastet als im Vorjahresvergleich (siehe auch «Handelszeitung» vom 4. Juni 2008). Burger kann sich jedoch einen kleinen negativen Effekt durch die Euro 2008 vorstellen: «Potenzielle Kunden haben Ferien genommen, um in die Fanzonen zu gehen, anstatt wegzufliegen». Einen positiven Einfluss – zumindest aufs Prestige – sei jedoch zu erwarten, weil Kuoni die offizielle Agentur für die Hotelunterkünfte für Sponsoren, Medien und Nationalteams sei.

Eine begrenzte Gefahr stellen die steigenden Energiekosten für Kuoni dar. Das Unternehmen kann die Kosten grösstenteils auf die Kunden überwälzen. «Nach dem Verkauf von Edelweiss verfügt Kuoni nur noch über wenige Flugzeuge in Skandinavien», führt Burger aus. Dennoch: Wenn das Reisen sehr teuer wird, steigt das Risiko, dass die Leute weniger Ferien buchen werden. Vor kurzem hat Kuoni einen neuen Flagship Store eröffnet – und damit den Startschuss für die Repositionierung ihrer Marke gegeben. Bei den Analysten findet die Strategie Anklang: Fast 60% empfehlen die Kuoni-Aktie derzeit zum Kauf. So auch René Weber, Analyst von Vontobel: «Kuoni wird vom überdurchschnittlichen Wachstum im Premium-Segment profitieren.» Das Kurs-Gewinn-Verhältnis schätzt er für 2009 auf 9,4.

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Etwas weniger zuversichtlich sind die Analysten für den grössten europäischen Tour Operater Tui. Immerhin über 40% der Analysten empfehlen den Titel zum Verkauf. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 13% an Wert eingebüsst. Jüngst hat der Touristik- und Schifffahrtskonzern die Aktionäre über die geplante Trennung der Containerschifffahrtssparte Hapag-Lloyd informiert. Die Bank Wegelin beurteilt diesen Schritt positiv: Sofern es gelinge, einen anständigen Preis für die Reedereitochter zu erzielen, sei ein Grundstein für den Ausbau der Division Tourismus gelegt: «Es ist und bleibt spannend bei den Hannoveranern, weshalb es jetzt der falsche Zeitpunkt ist, von Bord zu gehen», so die Analysten.

Akquisition in Frankreich

Positiver eingestellt sind die Analysten auch gegenüber der Nummer zwei im Europäischen Reisemarkt eingestellt: Über 70% würden Valoren von Thomas Cook kaufen. Zwar ist die Aktie dieses Jahr bereits um 17% eingebrochen. Mit einem KGV von 7,8 für 2009 ist der Titel mit einem Abschlag zur Peer-Gruppe zu haben.

Neulich hat die Credit Suisse das britische Reiseunternehmen von «neutral» auf «outperform» hochgestuft. Die Gesellschaft werde davon profitieren, dass Briten mehr Geld fürs Reisen ausgeben würden, so die CS-Analysten. Nicht nur in Grossbritannien, auch in Frankreich will Thomas Cook wachsen. So plant die Firma, dem Club Med seine Sparte Jet Tours abkaufen. Danach wäre Thomas Cook der drittgrösste Reiseveranstalter Frankreichs.