Die Lagerhäuser an Getreide sind in aller Welt so voll wie schon seit 2003 nicht mehr. Die Preise für Weizen, Mais, Hafer, Roggen, Sojabohnen und Reis stehen am Weltmarkt unter starkem Verkaufsdruck und dürften ihre Talfahrt fortsetzen. Besonders die Weizenpreise schwanken derzeit am Weltmarkt für Farmprodukte um mehr als 30 Prozent unter dem am 6. Mai erreichten bisherigen Jahreshoch.

Die Vorräte an Getreide und Reis werden im nächsten Jahr nach Berechnungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom den Umfang von 24,7 Prozent des weltweiten Konsums erreichen. Diese Menge liegt um 6 Prozentpunkte über dem niedrigsten Stand des Erntejahres 2007/08, als die Getreidepreise sprunghaft in die Höhe kletterten.

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Ukraine bekämpft Devisenknappheit

Es ist damit zu rechnen, dass sogar die Ukraine, trotz der politischen und kriegerischen Unruhen im Lande, in diesem Jahr Weizen und Mais in grössere Mengen exportieren wird, um die Devisenknappheit zu bekämpfen. Zusätzlich haben zum Teil optimale Witterungsverhältnisse den Getreideanbau in der nördlichen Hemisphäre in diesem Jahr begünstigt.

In den Ländern der Europäischen Union und in Russland wird eine grosse Ernte in Aussicht gestellt. In den Vereinigten Staaten, der Welt grösste Getreideexporteur, wird in diesem Jahr, nach neusten Daten des US-Departements für Landwirtschaft, eine Rekordernte an Mais von 365,66 Millionen Tonnen und an Sojabohnen von 106,00 Millionen Tonnen eingefahren.

Maisproduktion in China von 217 Millionen Tonnen

In China rechnet man mit einer Maisproduktion von 217 Millionen Tonnen, eine Menge, die nach Angaben der Agrarexperten in Washington wegen einer Dürreperiode in einigen Anbauregionen, etwas geringer ausfallen wird als die Rekordernte des letzten Jahres. Die Vorräte des Landes, die wesentlich von der chinesischen Regierung gesammelt wurden, dürften weiterhin auf dem hohen Stand von 77,36 Millionen Tonnen schwanken.

Aber auch in der südlichen Halbkugel, namentlich in Brasilien, dürfte die Maisernte höher als bisher erwartet ausfallen. Nach Schätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) wird im Erntejahr 2014/15 die Welternte an Getreide und Ölsaaten mit 1976 Millionen Tonnen nur geringfügig unter der Rekordernte des Vorjahres von 1992 Millionen Tonnen bleiben.

Weizenproduktion auf Rekordhöhe

Bei einem mutmasslichen Verbrauch von 1952 (Vorjahr 1926) Millionen Tonnen dürften sich innert Jahresfrist die globalen Vorräte von 402 auf 426 Millionen Tonnen erhöhen. Zu diesem Ernteresultat trägt in erster Linie die weltweite Weizenproduktion bei, die nach Studie des IGC einen Rekordumfang von 713 Millionen Tonnen erreichen soll. Bei einem geschätzten Weltkonsum von 706 Millionen Tonnen dürften sich die Vorräte an Weizen bis Saisonende von 186 auf 195 Millionen Tonnen erhöhen.

Die sinkenden Getreidepreise werden sich nachteilig auf die Einnahmen der Bauern auswirken. Dagegen wird die Fleisch- und Milchproduktion von billigeren Futtermitteln profitieren. Es ist zu erwarten, dass die Bauern im neuen Erntejahr vermehrt auf die Aussaat anderer Agarerzeugnisse setzen werden und daher die globale Anbaufläche für Getreide reduziert wird.