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Technologie
Rekordjagd: Was Notenbanken zu Bitcoin sagen

Bitcoin: Noch ist keine staatliche Alternative im Umlauf.

Bitcoin steuert scheinbar unaufhaltsam auf die Marke von 10'000 Dollar zu. Kein Wunder, dass auch staatliche Währungshüter viel mit der Technologie experimentieren. Manche Notenbanken dagegen fahren einen rigorosen Kurs.

Von Julia Fritsche
am 27.11.2017

Nach dem Höhenflug am Montag ist für Bitcoin die Rekordmarke von 10'000 Dollar in Reichweite. Das bewegt Investoren und solche, die jetzt verpassten Einstiegschancen nachtrauern.

Ein grosses Thema sind Digitalwährungen wie Bitcoin daneben vor allem für die Zentralbanken. Diese besitzen das Monopol zur Ausgabe von Bargeld. Dezentral organisierte Kryptowährungen gefährden nun aber potenziell die Position der Währungshüter. Kein Wunder, beziehen diese Position in Sache Bitcoin.

Schweiz in guter Gesellschaft

SNB-Präsident Thomas Jordan äusserte sich erst vergangene Woche erneut zu Kryptowährungen. Zentralbanken würden die Entwicklung sehr intensiv beobachten. Für ihn seien Bitcoin und andere Digitalwährungen aber eher ein Investment als eine Währung. Doch potenziell hätten Kryptowährungen grosse Folgen für das Finanzsystem, deshalb sei es wichtig, dass sich die Institutionen genau mit dem Thema beschäftigen würden.

Jordans deutsche Kollegen vertreten eine ähnliche Meinung. Bundesbank-Mitglied Carl-Ludwig Thiele bezeichnet Bitcoin gar als Spekulationsobjekt. «Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubauen», sagte der Notenbanker der Zeitung «Welt am Sonntag» im Mai. Dennoch hat aber auch die Bundesbank erkannt, dass die hinter Bitcoin steckende Blockchain-Technologie wichtig ist und studiert mögliche Anwendungen für Bezahlsysteme.

Erinnerung an den Tulpen-Crash

Ähnlich tönt es von Seiten der Europäischen Zentralbank. Der Vergleich von Vizepräsident Vitor Constancio fällt für Bitcoin allerdings noch härter aus. Für ihn ist die Kryptowährung keine Währung sondern eine «Tulpe». Damit verweist der Währungshüter auf die Preisexplosion und den nachfolgenden Kollaps auf dem Markt für Tulpenzwiebeln im Februar 1637 in den Niederlanden.

Bei Kryptowährungen gehören die Niederländer heute zu den Vorreitern. Bereits vor zwei Jahren schuf die niederländische Zentralbank (DNB) ihren eigenen DNBcoin, der jedoch nur für interne Zwecke entwickelt wurde. Die ursprüngliche Idee war, so DNB-Ökonom Ron Berndsen, die Funktionsweise von Blockchains zu verstehen – etwa bei Zahlungssystemen, der Aufsicht von Geldinstituten und natürlich beim Angebot von Geld und möglichen Seignorage-Effekten virtueller Währungen. Seignorage ist der Gewinn, der durch die Emission von Geld entsteht.

US-Fed sieht Private im Vorteil

Bei der weltgrössten Notenbank dürfte der anstehende Wechsel an der Spitze wohl nicht mit einer Neupositionierung in Bezug auf Kryptowährungen einhergehen. Der designierte Nachfolger von Fed-Chefin Janet Yellen, Jerome Powell, zeigte sich bisher ähnlich zurückhaltend wie die EZB. Bedenken hat er zum einen bezüglich der Technik, zum anderen ist für ihn der richtige Umgang mit der Steuerung und den Risiken zentral.

Zwar habe er nichts gegen Bitcoin, sagte Powell im Juni, doch einer möglichen Kryptowährung der Zentralbank stünden mehrere Probleme im Weg. Dazu zählten die Anfälligkeit für Cyber-Attacken, die Privatsphäre oder Fälschungen. Daher seien private Alternativen möglicherweise besser geeignet.

Die Bank of England operiert im Silicon Valley

Mehr Enthusiasmus kommt aus Grossbritannien: Der oberste Notenbanker Mark Carney glaubt, dass Kryptowährungen Teil einer potenziellen «Revolution» im Finanzgeschäft seien. Die Zentralbank ist deshalb sogar im Silicon Valley tätig. Dort unterstützt sie mittels eines Finanz-Accelerators junge Firmen. Positive Aspekte der Technologie sieht Carney für die Zentralbanken bei der Abwehr von Hackerangriffen und beim Bezahlen.

Der zweite Punkt ist auch Teil der Argumentation der chinesischen Zentralbank. Bezahlungen würden mit Kryptowährungen effizienter. Zudem verspricht sich der Staat eine bessere Kontrolle der Währungen. Die chinesische Zentralbank ist denn auch als Regulierungsbehörde aktiv geworden. Gleiches gilt für die Zentralbank von Russland. Diese arbeitet mit Strafverfolgungsbehörden zusammen, um Webseiten zu blockieren, die Investoren Zugang zu Bitcoin-Börsen bieten. Das hindert sie aber nicht daran, ihr eigenes Projekt CryptoRuble voranzutreiben.

Indien mit Verbot

Ein kategorisches Nein zu Kryptowährungen kommt aus Indien. Für die Zentralbank sind diese ein Kanal für Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Dennoch untersucht die Behörde mit einem Team, ob digitale Währungen, die von Zentralbanken gestützt werden, als gesetzliches Zahlungsmittel taugen. Noch aber verstösst der Gebrauch von Kryptowährungen gegen das Devisengesetz Indiens.

Radikal sind die Währungshüter auch Marokko: Im nordafrikanischen Land sind alle Transaktionen mit virtuellen Währungen ungesetzlich und strafbar. Kryptowährungen seien versteckte Bezahlsysteme mit beträchtlichen Risiken für die Nutzer, heisst es von offizieller Seite.

Zentralbanken schwanken in puncto Kryptowährungen zwischen Skepsis und mildem Enthusiasmus. Allesamt scheinen sie aber vor allem nicht den Anschluss verlieren zu wollen.

(mit Material von Bloomberg)

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