Die Kurse vieler indischer Unternehmen sind steil angestiegen, Indiens Aktienmarkt brummt. Doch eine Familie fällt besonders auf: Anil (48) und Mukesh Ambani (50) kontrollieren eine ganze Reihe von Unternehmen, die alle Reliance im Namen tragen. Seit einem Streit vor einigen Jahren leiten die Brüder unterschiedliche Teile des von ihrem Vater gegründeten Imperiums, das von Öl und Supermärkten bis hin zu Immobilien und Telekommunikation praktisch alles enthält.

In den vergangenen drei Monaten war der Anstieg einiger Reliance-Papiere so stark – zwischen 35 und 60% –, dass Reliance Industry, das zu 20% im Besitz ausländischer Investoren ist, heute nach Analystenangaben einen Marktwert von fast 100 Mrd Dollar hat. Angesichts des rasanten Vermögenswachstums schütteln Analysten und Investoren verwundert den Kopf.

Den Sensex klar geschlagen

In den letzten drei Monaten ist der Sensex, der indische Börsenindex, um rund 30% nach oben geklettert, Reliance Petroleum hingegen hat im selben Zeitraum um 90% zugelegt, Reliance Energy um mehr als 130% und Reliance Natural Resources gar um über 250%. Und das ist weit mehr, als sich durch fundamentale Daten erklären lässt. Trotz ihrer ohnehin enormen Marktkapitalisierung haben die grossen Reliance-Unternehmen den Markt geschlagen, da sie in den vergangenen Jahren eine grosse Menge ausländischer Investoren anlocken konnten.

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Wer ein indisches Depot aufbaue, komme als Investor an Reliance-Titeln nicht vorbei, sagt John Band vom Anlageberater Zoom Cortex: «Ihr Wachstum ist so enorm, dass immer mehr ausländisches Geld angelockt wird.» Bei den kleineren Reliance-Unternehmen könnte der Erfolg darauf beruhen, so wird spekuliert, dass die Brüder ihre Holdings dazu benützen, freie Anteile an börsennotierten Reliance-Töchtern aufzukaufen und damit die Kontrolle in den Unternehmen zu festigen oder den Kurs zu treiben, sodass neue Aktienemissionen noch mehr Geld bringen. Ein derartiges Vorgehen ist im Rahmen der indischen Börsenregulierung erlaubt. Sprecher der beiden Brüder wiesen solche Vermutungen aber zurück, überdies meldete Reliance Industry vor kurzem, man habe einen Teil der Reliance-Petroleum-Aktien verkauft, um von den derzeit hohen Preisen zu profitieren. Viele Analysten und Investoren sind jedenfalls überzeugt, Reliance-Unternehmen seien überbewertet.

Reliance Energy sollte eigentlich von der geplanten Abspaltung einiger Firmenteile profitieren, doch bei einem KGV von fast 50 sind mögliche Vorteile des Spin-off bereits eingepreist. Und bei der von Anil Ambani kontrollierten Reliance Natural Resources sind «Kleinanleger völlig aus dem Häuschen», so Analyst Ashwani Gujral. Der Konzern kann Erdgas von Reliance Industry zu einem Fixpreis beziehen, der unter Marktpreis liegt. Obwohl der Nettogewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr bei nur 7,5 Mio Dollar lag, ist die Marktkapitalisierung auf unglaubliche 5 Mrd Dollar gestiegen. Das KGV liegt damit bei über 300.