Als sich vergangene Woche die Wall Street um 6% erholte, waren Schäppchenjäger am Werk: Sie suchten gezielt nach fundamental intakten Aktien, die besonders stark gefallen waren und bei denen auch die schlimmsten Depressionsszenarien bereits in den Kursen enthalten sind. Ähnlich machen es erfolgreiche Derivateanleger. Sie stellen sich zwei Fragen, wenn sie attraktive Produkte suchen: Wie hoch ist die Volatilität? Und wie schätze ich das Potenzial des Basiswertes ein?

Die am VSMI ermittelte Volatilität der SMI-Werte liegt mit 62% deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Damit werden einerseits die Call- und Put-Warrants teurer, weil die Volatilität – im Gegensatz zu den Mini-Futures – für die Preisberechnung eine grosse Rolle spielt. Für Richtungswetten mit Hebelprodukten sind deshalb diese Mini-Futures in ihren Long- und Short-Varianten besser geeignet.

Bei den strukturierten Produkten sind gegenwärtig Discounter attraktiv. Hohe Volatilität bedeutet einen hohen Discount gegenüber dem Basiswert. Und das heisst auch höhere Maximalrenditen. Allerdings gilt das nur für solche Produkte, die jetzt gekauft werden. Discounter, die schon im Depot liegen, verlieren bei steigender Volatilität (und fallenden Kursen) an Wert. Umgekehrt gilt: Wenn die Volatilität wieder auf Normalmass fällt, steigen die Kurse der Discounter, auch wenn sich bei den Basiswerten nichts tut. Ihre Stärken haben diese Produkte bei seitwärts tendierenden Märkten. Inzwischen sind in der Schweiz über 600 Mini-Futures auf Indizes, Aktien, Rohstoffe und Währungen erhältlich. Von den Top 20 bei den Umsätzen entfallen zwei Fünftel auf SMI-Minis. Besonders hohe Umsätze gab es in den letzten Tagen bei MSMII und MSMIM, SMI-Mini-Futures in der Long-Variante, und MSMIK sowie SMITE, entsprechenden Short-Versionen. Zwei Mini-Longs auf Rohöl (BCOMP und BCOMQ) sahen ebenfalls hohe Umsätze und bei XXSUX und CHFMD spekulieren Anleger auf Verschiebungen zwischen dem Euro und dem Dollar sowie dem Franken und dem Dollar. Bei diesen Scheinen spielt auch der Wettbewerb sehr gut – die Spreads, die Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen, liegen bei den Index-Mini-Futures zwischen 0,5 und 1,5%. Mini-Futures sind, genauso wie Call- und Put-Warrants, keine «Buy-and-hold»-Produkte, die einfach gekauft werden können, um dann im Depot dem Verfalldaten entgegenzu schlummern. Hier müssen die Kurse in Hinblick auf Barrieren ständig überwacht werden.

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Viele Discounter «unter Wasser»

Von den knapp 400 Discount-Produkten stehen etliche «unter Wasser», weil der Kurs des Basiswertes deutlich tiefer als die Barriere liegt. Wer beispielsweise den Discounter ABBQJ auf die ABB-Aktie kauft, könnte innert einer Woche bis zum Verfall eine Rendite von 7300% einspielen – wenn der Basiswert den Cap bei 33.50 Fr. erreicht. Der Kurs liegt aber unter 13 Fr. und die Chance, den Cap zu erreichen, sind minimal – selbst wenn aus China ein weiteres grosses Konjunkturpaket kommt. Chancen und Risiken widerspiegeln sich hier in den – oft nur theoretisch – erzielbaren Renditen.

Einige Umsätze gab es bei Discountern bei SDROG auf Roche, TRABX auf Barrick Gold und TOCAT auf Caterpillar. Beim Roche-Schein sind die Chancen, den Cap zu schaffen, deutlich grösser als bei den anderen beiden Produkten.