Viele grosse europäische Netzbetreiber haben in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht: Die Schulden wurden reduziert und neue Wachstumsfelder erschlossen, um zumindest den Umsatz zu halten.

Zwar wandern etwa bei der Deutschen Telekom und in den urbanen Gebieten in Frankreich, wo ein intensiver Wettbewerb mit alternativen Netzbetreibern wie Neuf in Frankreich oder Fastweb in Italien stattfindet, etliche Kleinkunden zu den alternativen Netzbetreibern ab.

Aber weil die Qualität der Kundenbetreuung für alle Netzbetreiber eine ständige Herausforderung ist und der Preisdruck über neue Services gemildert wird, stehen viele grosse Netzbetreiber vergleichsweise solide da. Hinzu kommt bei Namen wie der Swisscom noch ein spezieller iPhone-Effekt durch die Einführung des neuesten Apple-Smartphones.

Problemkind IT-Service

Wenn die Telekom-Riesen derzeit schwere Probleme haben, dann oft in ihren IT-Service-Aktivitäten: Die schwache Performance der Global-Services-Sparte von BT Group veranlasste die Analysten von ING und der Citigroup in den letzten Tagen zu Rückstufungen. Seit dem Frühjahr hat sich der Aktienkurs der BT Group halbiert. Die Skepsis der Anleger zeigt sich auch in der tiefen Bewertung. Bei der BT Group ist das Verhältnis von Buchwert zu Vorsteuergewinn 3,5. Die Swisscom kommt mit 6,1 auf einen fast doppelt so hohen Wert. Ein Trost ist die Dividendenrendite von 8,8%, die indes für das kommende Jahr keinesfalls gesichert ist. Andere Netzbetreiber wie Portugal Telecom oder Telecom Italia rentieren teilweise deutlich besser und dürften auch 2009 kaum Abstriche bei ihren Dividendenzahlungen machen.

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Swisscom verzeichnete ein gemischtes Ergebnis mit einem leicht über den Erwartungen auf 1,246 Mrd Fr. liegenden Gewinn mit Privatkunden. Gegenüber dem Vorjahres-Vergleichszeitraum konnte der Gruppenumsatz um 3,5% auf 3,09 Mrd Fr. gesteigert werden, aber die Ebitda-Marge reduzierte sich um fast 3% auf 38,4%, und der Betriebsgewinn lag mit 669 Mio Fr. gut 10% tiefer als im Vorjahr. Für das Gesamtjahr bestätigte das Swisscom-Management das Umsatzziel, das «leicht unter dem 12,3-Mrd-Fr.-Ziel liegen soll. Die Analysten von JP Morgan weisen darauf hin, dass die Aktie aufgrund des fehlenden Risikos bei Beteiligungen in aufstrebenden Ländern besser als der Markt abgeschnitten hat, aber deshalb auch anfällig für Korrekturen ist. Die Swisscom ist ähnlich wie Telekom Austria aufgestellt und bewertet. Beide Renditewerte dürften sich seitwärts entwickeln.

Neue Kunden drücken Marge

Ein deutlich höheres Gefährdungspotenzial hat aufgrund des Südamerikageschäfts die spanische Telefonica. Die brasilianische Telefonica-Beteiligung Claro gewinnt zwar neue Kunden, aber das geht zulasten der Marge. Die Tochter America Movil hat laut den Analysten von JP Morgan beim Umsatz und beim Gewinn auf Stufe Ebitda das Ziel verfehlt.