Citigroup-Aktionäre dürften das Gefühl haben, in einer Achterbahn zu sitzen. In der vorvergangenen Woche fiel die Aktiennotierung der US-Bank um 60% auf ein 16-Jahres-Tief. Danach ging es wieder um mehr als 50% bergauf. Dieser Kurssprung spiegelt einen Seufzer der Erleichterung vieler Aktionäre wider. Der Grund: Die US-Regierung hatte sich dazu durchgerungen, der strauchelnden US-Bank weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen und mögliche Verluste aus unsicheren Anleihen und Wertpapieren aufzufangen.

Das Institut bekommt aus dem Rettungspaket der Regierung eine Kapitalspritze von 20 Mrd Dollar und Bürgschaften über eine Summe von 306 Mrd Dollar. Die problembehafteten Papiere repräsentieren etwa 15% des Gesamtanlagevermögens der Bank. Die Regierung sagte zu, 90% aller möglichen Verluste oberhalb von 29 Mrd Dollar zu übernehmen, die aus dem Pool von Problempapieren entstehen könnten. Im Gegenzug erhält der Staat für 27 Mrd Dollar Vorzugsaktien der Citigroup sowie Optionen für weitere Anteilscheine.

Der Staat als Retter in der Not

Während der Verhandlungen über den Rettungsplan hätten Regierungsoffizielle den Managern der Citigroup gesagt, sie müssten offen sein, was die künftige Ausrichtung und auch die Aufstellung der Bank angehe, berichten Insider. Durch das Hilfsangebot der Regierung ist der Staat künftig mit 7,8% der grösste Anteilseigner von Citigroup.

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Den Steuerzahlern bürdet der Deal zusätzliche Risiken auf, dämpft auf der anderen Seite aber die Ängste vor einem weiteren Kollaps im Finanzsystem. «Dieser Schritt beruhigt die Investoren. Sie wissen nun, dass die Regierung alles dafür tut, künftige Verluste abzufangen», erklärt Frank Barkocy, Research-Direktor bei Mendon Capital Advisors. Einige Analysten sagen, dass mit der Massnahme auf die Ängste vieler Marktteilnehmer reagiert werde, die Verluste weit jenseits der bisherigen Schätzungen befürchteten.

Die Zusage, für Verluste selbst in den extremsten Szenarien einzuspringen, «ist der effektivste Weg, panische Aktienanleger zu beruhigen», sagt David Trone, Analyst bei Fox-Pitt Kelton. Analysten erklärten, die Regierung sende damit ein starkes Signal, dass sie ähnliche Schritte ergreifen werde, um andere Institute in Schieflage zu retten. Dennoch lässt die Tatsache, dass die US-Regierung in den vergangenen Monaten ihre Rettungsstrategie geändert hat, einige Investoren mit mehr Fragen als Antworten zurück. Im März setzte die Regierung alles daran, in einem Notverkauf die kurz vor der Pleite stehende Bank Bear Stearns zu retten. Doch im September liess sie Lehman Brothers sehenden Auges in Konkurs gehen.

Danach sagten die Regulierer, dass sie gefährdeten Banken faule Hypothekenkredite abkaufen würden. Schliesslich entschieden sie sich jedoch, lieber direkt bei den betreffenden Instituten einzusteigen. «Einige Dinge sind nicht so gelaufen, wie sich das Finanzminister Paulson vorgestellt hat. Aber ich bin sicher, er wäre der Erste, der das zugibt», sagte der designierte US-Präsident Barack Obama bei der Vorstellung seines Wirtschaftsteams. Unterdessen ist die Citigroup auch für andere Investoren wieder interessant geworden.

Milliardär glaubt an Citigroup

So gab es erneute Kursgewinne bei dem Institut, als bekannt geworden war, dass die Investmentfirma des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim für ungefähr 150 Mio Dollar Aktien der Citigroup erworben hatte. Den Investoren hatten Berichte vorgelegen, wonach die Investmentgesellschaft des Mexikaners, Grupo Financiero Bursa, Anteile gekauft hatte.

Später wurde dann klar, dass Slims Unternehmen den Kauf für das eigene Portfolio vorgenommen und nicht auf fremde Rechnung gehandelt hatte. Immerhin ein erstes Zeichen des Vertrauens.