Die Verstaatlichung der beiden angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac hat dem Schweizer Aktienmarkt zum Wochenstart einen kräftigen Schub nach oben gegeben. Börsianern zufolge setzt der Markt nun schon auf ein baldiges Ende der Finanzkrise. Der SMI startete mit Kursgewinnen von fast 4% in die neue Woche.

Gekauft wurden insbesondere Werte der beiden Grossbanken UBS und CS. Die beiden Banken legten zum Wochenauftakt beide rund 10% an Wert zu. Starke Avancen verzeichneten aber auch andere Banktitel wie Julius Bär (plus 7%), Vontobel (plus 7,5%), Banque Cantonale Vaudoise (BCV), Sarasin und EFG International. Auch die Versicherungswerte waren gefragt: Unterstützend wirkten hier aber eher ermutigende Aussagen am Branchenmeeting in Monte Carlo.

Verstaatlichung belastet Dollar

Auch in Asien und Australien haben die Börsen mit einem Kursfeuerwerk reagiert: Die Indizes in Tokio, Südkorea, Singapur und Australien legten um mehr als 3 % zu. Der 225 führende Werte umfassende japanische Nikkei legte bis zur Handelsmitte rasant um 438 Punkte oder 3,6% auf den Zwischenstand von 12 650 Punkten zu. Der Hang Seng Index in Hongkong legte um 4,6% zu.

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Auch der Kurs des Euro ist nach der Übernahme der beiden grossen US-Hypothekenfinanzierer durch den Staat gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,4408 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,6940 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am 5. September auf 1,4247 Dollar festgesetzt. Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac in den USA habe den Dollar belastet, hiess es. «Die Aktion hat den Märkten Vertrauen geschenkt», sagte John Longo, Professor an der Rutgers Business School, der BBC in Singapur. Es wäre noch besser gewesen, wenn die US-Regierung früher gehandelt hätte, sagte der Wirtschaftsforscher. «Das sollte die US-Finanzmärkte stabilisieren», sagte Warren Hogan von der australischen ANZ-Bank der BBC. «Es ist kein Allheilmittel und sicherlich noch nicht der Anfang vom Ende der Krise, dürfte aber kurzfristig Stabilität bringen.»

Mit der zeitweisen Übernahme von Fannie Mae und Freddie Mac solle noch grössere Unruhe auf den amerikanischen und den weltweiten Finanzmärkten vermieden werden, sagte US-Finanzminister Henry Paulson. Die beiden Unternehmen seien «so wichtig und derart mit dem Finanzsystem verwoben, dass das Scheitern eines der beiden grosse Unruhe auf den Finanzmarkt hier und in der ganzen Welt auslösen würde», sagte Paulson. Die Institute sollten mindestens ein Jahr staatlich geführt werden. In den USA wird die von Präsident George W. Bush angekündigte Verstaatlichung ein Nachspiel im Kongress haben. Der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd, kündigte eine Anhörung zu dem Rettungsplan an. «Wir müssen mehr darüber erfahren, warum sich die Regierung zu diesem Kurswechsel entschieden hat.» Schliesslich habe die Regierung noch vor wenigen Wochen erklärt, dass eine Übernahme der beiden halbstaatlichen Baufinanzierer wohl nicht notwendig sei.

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Steuerzahler müssen bluten

Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac könnte die US-Steuerzahler nach Schätzungen von Finanzexperten bis zu 25 Mrd Dollar kosten. Bush verteidigte die drastische Massnahme mit der Begründung, dass die beiden Hypothekenfinanzierer «ein inakzeptables Risiko für das Finanzsystem im weiteren Sinne und für unsere Wirtschaft» dargestellt hätten. Die Firmen müssten auf eine solide finanzielle Basis gestellt und ihre Geschäftpraktiken reformiert werden.

Auch der in Washington ansässige Internationale Währungsfonds (IWF) nahm die Entscheidung positiv auf. «Diese Massnahme wird die Kredit- und Immobilienmärkte stützen», sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn.