Die Schweizer Börse hat am Freitag nach einem verhaltenen Start leicht zugelegt. Der Markt präsentierte sich laut Händlern uneinheitlich. Die Vorgaben aus den USA und aus Asien lieferten nur wenig Impulse. «Die Aktienmärkte haben merklich an Schwung verloren», sagte ein Händler. Nach der jüngsten Rekordjagd konzentrierten sich die Anleger auf Spezialsituationen.

Der Schweizer Bluechip-Index SMI stieg um 0,2 Prozent auf 9079 Punkte und machte sich damit auf den Weg zum dritten Wochengewinn hintereinander.

Auf US-Zahlen hoffen

«Wir sind dabei, die Gewinne zu konsolidieren, die wir im Zuge der französischen Wahlen erzielt haben», sagte ein Börsianer. Möglicherweise stellten manche Anleger vor dem Wochenende noch einzelne Baisseposition glatt, hiess es.

In den vergangenen Tagen hatte der SMI leicht an Boden verloren, nachdem zu Beginn der Woche eine Erleichterungs-Rally nach der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten Frankreichs für einen Anstieg auf ein neues Jahreshoch gesorgt hatte. Am Nachmittag könnten US-Konjunkturzahlen für frischen Wind sorgen. Unter anderem werden die Inflationszahlen für April publiziert.

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Richemont mit Minus

Bei den Schweizer Standardwerten standen die Luxusgüterhersteller im Mittelpunkt: Die Aktie von Richemont brach um 4,7 Prozent ein, was den SMI um fast 20 Punkte drückte. Der Luxusgüterhersteller hat im vergangenen Geschäftsjahr wegen der schleppenden Nachfrage nach teuren Zeitmessern einen Gewinneinbruch von 46 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro verzeichnet und damit die Erwartungen von Analysten verfehlt.

«Wir werten das Jahresergebnis als neutral», erklärten die Experten der ZKB. Händler erklärten sich den Kurseinbruch mit Gewinnmitnahmen nach dem starken Anstieg im laufenden Jahr. Auch die Ankündigung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms von bis zu zehn Millionen Titel und die Dividendenerhöhung konnte den Kurs nicht stützen. Im Gefolge von Richemont sackten auch die Titel des Uhrenkonzerns Swatch um 3,5 Prozent ab.

Baldiges Ende von Syngenta

Gefragt waren hingegen die Index-Schwergewichte. Die Pharmawerte Novartis und Roche legten 1,2 und 0,5 Prozent zu. Beide Titel profitierten von positiven Analystenkommentaren.

Die Aktien von Syngenta wurden mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Im Zuge der Übernahme durch ChemChina erhalten Aktionäre des Agrarchemiekonzerns, die ihre Aktien bereits angedient haben, eine Sonderzahlung von fünf Franken. Syngenta fällt am Montag aus dem SMI heraus und wird durch die Bauchemie-Firma Sika ersetzt. Die Sika-Aktien gaben 1,4 Prozent nach. «Es kann durchaus sein, dass die Syngenta-Aktionäre die Sonderdividende in den Pharmasektor lenken», sagte ein Händler zur guten Verfassung des Sektors.

Cosmo mit Problemen

Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé stiegen um 0,25 Prozent. Das Unternehmen hat sich mit anderen grossen Süsswarenherstellern zusammengetan, um Waren für den US-Markt kalorienärmer zu produzieren. Bei den Finanzwerten gab es keine einheitliche Entwicklung. Die UBS-Aktien rückten um 0,2 Prozent vor und die der Credit Suisse verloren 0,2 Prozent. Die Aktien der Versicherungen lagen leicht im Plus. Zurich aber schwächten sich um 0,3 Prozent ab.

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Anteile von zyklischen Unternehmen wie dem Elektrotechnikkonzern ABB, dem Personalvermittler Adecco oder der Sanitärtechnikfirma Geberit gaben leicht nach. SGS legten leicht zu. Der Prüfkonzern startet kommende Woche das angekündigte Rückkaufprogramm.

Am breiten Markt fielen die Titel von Cosmo mit einem Abschlag von 2,5 Prozent auf. Die Pharmafirma hat bei einem Schiedsgericht Klage gegen Santarus und Valeant eingereicht. Das Gericht soll einen Lizenz- und Produktlieferungs-Vertrag beenden, erklärte das Unternehmen. Der Schiedsspruch wird Anfang 2018 erwartet.

(reuters/jfr)