Herr Cadonau, sprechen Sie schon Russisch?

Riet Cadonau: Nein, warum?

Ihr Vorgänger Rudolf Hadorn spricht fliessend Russisch und hat mehrfach die grosse Bedeutung des russischen Marktes für Ascom betont. Welche Opportunitäten sehen Sie?

Cadonau: Osteuropa und Russland sind für mich, wie jeder andere Markt, dann attraktiv, wenn profitables Wachstum möglich ist.

Und? Ist Russland interessant?

Cadonau: Der russische Markt hat für Ascom keine Priorität vor anderen Regionen. Die Division Wireless Solutions verzeichnet beispielsweise in den USA im Health-Care-Bereich ein Wachstum von über 20%. Die Division Security Solutions hat unter anderem sehr attraktive Marktchancen in Nordeuropa.

Dann sehen Sie für Ascom, anders als Ihr Vorgänger, keine attraktiven Möglichkeiten in Russland?

Cadonau: Ich beurteile die Möglichkeiten für Ascom nach Chancen und Risiken. Natürlich gibt es Opportunitäten in Osteuropa, zum Beispiel in Polen, wo wir Marktchancen nutzen wollen.

Wo genau wollen Sie wachsen?

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Cadonau: Für 2008 liegt das Schwergewicht in Europa und den USA. Im Bereich Wireless Solutions strecken wir die Fühler auch in Richtung Mittlerer Osten aus. Eine der grössten Herausforderungen, aber auch Chancen für Security Solutions ist die Internationalisierung mit Schwerpunkt Europa.

Und Asien?

Cadonau: Als Absatzmarkt hat Fernost für uns gegenwärtig nicht oberste Priorität.

Warum nicht?

Cadonau: Es ist für uns weniger riskant, zunächst die tief hängenden Früchte zu pflücken. Das ist ein pragmatischer Ansatz, aber ein zuverlässiger.

In Spanien verstärkt Ascom Wireless Solutions den Vertrieb über Partnerschaften. Warum machen Sie das nicht selber?

Cadonau: Gemäss unserer Strategie wollen wir mit Wireless Solutions neue Länder in Süd- und Osteuropa durch indirekte Verkaufskanäle erschliessen.

Welche Bedeutung hat der spanische Markt für Ascom?

Cadonau: Wir gehen davon aus, dass unser breites Angebot von Wireless Solutions auf dem spanischen Markt auf ein gutes Echo stossen wird.

Ascom kommt voran. Trotzdem erholt sich die Aktie nur sehr zögerlich. Trauen Ihnen die Investoren nicht?

Cadonau: Den Aktienkurs kommentiere ich nicht. Wesentlich ist doch: 2010 wollen wir eine Ebit-Marge von 10% auf Gruppenstufe ausweisen und ein organisches Wachstum von jährlich 5% im Kerngeschäft erreichen. Wir, das Management, haben uns dazu verpflichtet, diese Ziele zu erreichen. Wenn wir Schritt für Schritt liefern, gehe ich davon aus, dass dies einen positiven Einfluss auf den Aktienpreis haben wird.

Was macht Sie so sicher?

Cadonau: Ascom hat aus langfristiger Perspektive betrachtet eine durchwachsene Vergangenheit. Der Bereich Wireless Solutions liefert aber seit Jahren sehr solide Ergebnisse. Mit dem Projekt Vitesse und den Devestitionen und Akquisitionen sowie einer Mischung aus bewährten und neuen Führungskräften wollen wir Ascom dauerhaft auf Erfolgspfad bringen.

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Wie lange dauert das?

Cadonau: Im Jahr 2010 wollen wir bei jährlich 5% organischem Wachstum auf Gruppenstufe eine Ebit-Marge von 10% erreichen. Zwischenzeitlich möchten wir dem Markt regelmässig mit Erfolgsgeschichten beweisen, dass wir liefern. Nur das bringt das Vertrauen zurück.

Ihr Vorgänger Rudolf Hadorn hat sich mit VR-Präsident Juhani Anttila angelegt und musste gehen. Wie spielt das Team Cadonau Anttila?

Cadonau: Wir kommunizieren sehr regelmässig und mit hoher Transparenz. Die Zusammenarbeit ist sehr gut und professionell.

Sie erwähnten, dass Ascom keine goldene Vergangenheit hat. Das 1. Halbjahr 2007 war nach wie vor keine Augenweide ? Ascom schrieb rote Zahlen. Wie sieht das Gesamtjahr aus?

Cadonau: Die Resultate werden wir am 12. März 2007 bekannt geben. Wie wir bereits mehrmals gesagt haben, wird das Jahresergebnis aufgrund des Investitionsprogramms Vitesse sowie aufgrund der Verluste der Nicht-Kerngeschäfte ? welche wir devestieren ? einen substanziellen Verlust ausweisen.

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Wie ist die Auftragslage beim Sorgenkind Security Solutions?

Cadonau: Wir können auf einen guten Auftragsvorrat zurückgreifen. Im Subbereich Security Communication haben wir im Januar einen Auftrag über 85 Mio Fr. erhalten, der in den nächsten rund drei Jahren abgewickelt wird. Die Visibilität bei Telco ist mit einigen wenigen Monaten geringer ? aber auch hier ist die Ausgangslage zufriedenstellend. Wir halten es für absolut realistisch, dass das Ascom-Kerngeschäft dieses Jahr 5% organisch wachsen wird.

Sie haben insgesamt vier Geschäftseinheiten ? Payphones, Toll Systems, Traffic und Industry (Schweiz) ? auf Ihrer Devestitionsliste. Wie laufen die Verkaufsgespräche?

Cadonau: Wir haben ein auf Mergers & Acquisitions spezialisiertes Unternehmen engagiert, das den Verkauf dieser Einheiten vorantreibt. Der Prozess soll möglichst kunden- und mitarbeitergerecht verlaufen. Ziel ist es, die vier Einheiten bis spätestens Ende 2008 devestieren zu können.

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Werden die Devestitionen insgesamt ergebnisneutral sein?

Cadonau: Nein. Der Verkauf der vier Einheiten ? 2007 werden übrigens alle rote Zahlen schreiben ? wird uns keine Buchgewinne einbringen.

Haben viele Interessenten angeklopft?

Cadonau: Lassen Sie uns erst mal in Ruhe daran arbeiten. Wir werden uns melden, wenn es etwas Neues zu sagen gibt.

Neben Devestitionsplänen verfolgt Ascom auch externe Wachstumspläne?

Cadonau: Derzeit geht es um eher kleinere Projekte. Grossakquisitionen bearbeiten wir im Moment nicht. Auf jeden Fall werden wir nichts überstürzen, sondern prüfen jede Möglichkeit anhand unserer klar definierten Akquisitionskriterien mit dem Ziel, in den nächsten zwölf Monaten auch anorganisch zu wachsen.

Nach welchen Kriterien kaufen Sie?

Cadonau: Ein Unternehmen muss beispielsweise unser Produktportfolio komplementär ergänzen, auch die Verstärkung unserer geografischen Position ist wichtig. Von Bedeutung ist auch, dass Akquisitionen verdaubar sind. Das führt im Fall von Ascom zum Schluss, dass derzeit primär Zukäufe bei Wireless Solutions sowie in Teilen des Telco-Geschäfts in Frage kommen.

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Wird Ascom eine Akquisitionsmaschine?

Cadonau: Auf keinen Fall. Wir haben klar definierte Targets und prüfen jede einzelne Position. Das braucht Zeit.

Sind für dieses Jahr bereits Übernahmen zu erwarten?

Cadonau: Priorität haben die Devestitionen. Mein Ziel ist aber, vor der Generalversammlung 2009 auch Akquisitionen tätigen zu können.

Wie viel Geld hat Ascom zur Verfügung?

Cadonau: Die Ausgangslage ist die, dass wir schuldenfrei sind und dass wir über einen dreistelligen Millionen-Franken-Betrag verfügen.

In welchen Regionen haben Sie Zielgesellschaften identifiziert?

Cadonau: In Europa und den USA. Zukäufe in Asien schliesse ich derzeit aus.

Ascom ist eine vergleichsweise kleine Firma. Zu klein, um selbstständig zu bleiben?

Cadonau: Unser Auftrag und Ziel ist es, das Unternehmen weiterzuentwickeln.

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Ein Übernahmeinteressent würde bei Ascom abblitzen?

Cadonau: Ich gehe davon aus, dass der Verwaltungsrat ein ernsthaftes Angebot jederzeit prüfen würde.